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Geld in erneuerbare Energien investieren

CO2-Sparbrief Geld in erneuerbare Energien investieren

Ab dem 1. Oktober können sich Stadtwerke-Kunden auf bisher ungewohnte Weise am Ausbau erneuerbarer Energien beteiligen: Mit dem Kauf eines Sparbriefs, den die Sparkasse mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent herausgibt.

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In einer Pressekonferenz stellten die Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren (links) und Rainer Kühne gestern gemeinsam mit Sparkassen-Vorstandschef Andreas Bartsch die Konditionen für einen CO2-Sparbrief vor.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Eine neue Form der Kooperation: Die Stadtwerke Marburg und die Sparkasse Marburg-Biedenkopf bieten gemeinsam einen CO2-Sparbrief an. Den Sparbrief können nur Kunden der beiden regionalen Unternehmen erwerben. Der Kauf ist mit einer festen Laufzeit von fünf Jahren verbunden und erbringt einen jährlichen Zins von 2,5 Prozent. Das Gesamtvolumen des Kohlendioxid-Sparbriefs ist auf sechs Millionen Euro begrenzt. Anteile können ab dem1. Oktober bis zum 4. Oktober in 1000-Euro-Schritten gezeichnet werden. Kunden müssen einen Mindestbetrag von 1000 Euro zeichnen und dürfen höchstens 25000 Euro für den Sparbrief beiseite legen. Die Zinszahlung erfolgt stets zum Jahresende und zuletzt zum Ablauf der fünfjährigen Laufzeit. Wer also zwischen tausend und 25000 Euro Geld für die nächsten Jahre anlegen will, erhält pro Jahr dafür Zinsen von 2,5 Prozent und fördert gleichzeitig umweltfreundliche Investitionen.

Laufzeit von fünf Jahren: Keine vorzeitige Kündigung

Vor zwei Jahren hatten die Stadtwerke erstmals ein solches Wertpapier auf den Markt gebracht. Die Inhaberschuldverschreibung war damals sehr erfolgreich - innerhalb kürzester Zeit waren die Sparbriefe mit einem Gesamtvolumen von fünf Millionen Euro „vergriffen“. Während es damals einen Zins von 3,25 Prozent im Jahr gab, sind es nun 2,5 Prozent.

Aber dieser Zinssatz sei angesichts des andauernden Trends niedriger Rendite ausgesprochen gut, sagt Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. „Die Nähe zum Hersteller schafft eine besondere Verpflichtung, verantwortungsbewusst zu handeln. Das gilt für Lebensmittel ebenso wie für Finanzdienstleistungen. Regional angelegtes Geld wird zur Finanzierung von hiesigen Investitionen in Erneuerbaren Energien genutzt“, so Bartsch weiter. Dem heimischen Kreditinstitut sei es wichtig, die Kunden aktiv an der Energiewende zu beteiligen.

Wer die Energiewende möchte, müsse nachhaltig denken und handeln. „Das ist nicht immer gleich wirtschaftlich“, sagte Rainer Kühne, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg. Weder Sparkasse noch Stadtwerke verdienen an den Sparbriefen, betonte der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke, Norbert Schüren. Die mit dem Sparbrief eingenommenen Gelder werden an die Stadtwerke weitergeleitet, die damit ökologische Projekte finanziert.

Mit den vor zwei Jahren mithilfe der Sparbriefkäufer gebündelten fünf Millionen Euro konnten sich die Stadtwerke unter anderem am Windpark Hohenahr beteiligen oder Photovoltaikflächenanlagen in Wehrda oder Niederasphe finanzieren, so Schüren.

Mit den sechs Millionen Euro sind ähnliche Projekte geplant: Die Wärmeversorgung an der Elisabethschule oder die Modernisierung der Netzwerkversorgung stehen auf der Liste. Die Stadtwerke wollen in den nächsten Jahren die Mittelspannungsleitungen überprüfen und austauschen. Außerdem soll mit dem Geld eine Photovoltaikanlage auf der neuen Kletterhalle finanziert werden sowie der Bau von Windrädern auf dem Lichten Küppel - sofern die Ergebnisse der Messungen dazu Anlass geben und dies politisch gewollt sei. Die Erstellung einer Wasserkraftanlage an der Lohmühle gehört ebenfalls zu den Projekten, die mithilfe der Sparer ermöglicht werde.

Die Wasserkraftanlage ist politisch in Marburg umstritten, weil den Investitionskosten von 340000 Euro jährliche Einnahmen von rund 8800 Euro entgegen stehen. Die Stadt rechnet mit einer Abschreibungszeit von 40 bis 50 Jahren.

Die Laufzeit des Stahlwasserrades könne aber mit 100 Jahren, bei sehr guter CO2-Bilanz- angesetzt werden, so Kühne. Auch dieses Beispiel zeige, dass die Förderung Erneuerbarer Energien nicht sofort wirtschaftlich darstellbar sei. „Wir handeln nachhaltig. Davon wird die nächste Generation etwas haben“, so Bartsch.

Angesichts der hohen Nachfrage vor zwei Jahren und dem vergleichsweise hohen Zinssatz rechnet Schüren damit, dass die Kunden bereits an den ersten Tagen im Oktober Anteile zeichnen.

von Anna Ntemiris

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