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„Geld allein schafft noch keine Idee“

Volksbank-Mitgliederversammlung „Geld allein schafft noch keine Idee“

Ähnlich wie zu Zeiten der Gründung der Genossenschaftsbanken befindet sich Europa wieder in einer Umbruchphase, sagte die frühere Präsidentin des Deutschen Bundestags Rita Süssmuth.

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Professorin Rita Süssmuth sprach verschiedene Themen in ihrem Vortrag an.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von Krise keine Spur: Die Genossenschaftsbanken blicken deutschlandweit auf ein finanziell gutes Jahr zurück. „Wir haben gut gewirtschaftet und das in einem schwierigen Jahr“, sagte der Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, Dr. Peter Hanker, am Dienstagabend während der Mitgliederversammlung. Die gesamte Region profitiere von der Stärke der Volksbank Mittelhessen, so Hanker. Mehr als 650 Mitglieder sowie Vertreter des öffentlichen Lebens waren in die Sporthalle des Georg-Gaßmann-Stadions gekommen, um den Bilanzbericht und den Ausblick aus Sicht des Vorstandes zu hören.

Hanker sprach von Gewinnen und Überschüssen und untermauerte dies mit Zahlen. Einige Beispiele: 2012 hat die Genossenschaftsbank ihre Bilanzsumme um 6,5 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro erhöht (die OP berichtete). Das Kundenkreditvolumen stieg um 6,3 Prozent, insgesamt wurden neue Kredite in Höhe von 793 Millionen Euro gewährt.

Kein bisschen Zypern-Panik bei Genossenschaftsbank

Hanker wird der Vertreterversammlung, die am Donnerstag, 25. April, in Gießen tagt, die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von sieben Prozent vorschlagen, verkündete er den Mitgliedern.

Spätestens am Montag könnte die Auszahlung schon auf den Konten der Anteilseigner zu sehen sein. Der Chef der mitgliederstärksten Volksbank Deutschlands (184 111 Teilhaber) nahm auch zu den aktuellen Entwicklungen auf Zypern Stellung: „Kunden der Volksbanken können mit größter Gelassenheit auf Zypern blicken. Es gibt nichts Sichereres als die Volksbanken“, so der Vorstandssprecher.

Mitgliederversammlung der Volksbank Mittelhessen in der Sporthalle des Georg-Gaßmann-Stadions Marburg.

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Die Gastreferentin Rita Süssmuth weitete diese Aussage auf die deutschen Kreditinstitute aus: Der deutsche Sparer brauche nichts zu befürchten, betone Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Verlauf ihrer Rede blickte Süssmuth allerdings mehr zurück in die Vergangenheit als in die Zukunft: Auf die Zeit der Gründerväter der Genossenschaftsbanken, die während der Industrialisierung, in Zeiten der Not und der Umbrüche die Idee entwickelten, „kleine“ Bürger zu Marktpartnern zu machen. Süssmuth gewährte den Zuhörern aber auch Einblick in ihre damalige Lage als CDU-Bundesfamilienministerin im Kabinett von Kanzler Helmut Kohl. So manches Mal habe sie gemeinsam mit Mitstreitern für ihre Ideen kämpfen müssen - gegen den Widerstand in den eigenen Reihen, berichtete sie dem Publikum und führte dabei Beispiele auf.

Sie habe die Anerkennung von Kindererziehungszeiten für alle Mütter durchgesetzt, für die Verhüllung des Reichstags gestritten - und sie habe sich gegen die Ausgrenzung von Aids-Infizierten ausgesprochen. CSU-Politiker Peter Gauweiler habe damals, 1987, das Konzept verfolgt, Infizierte „zu kasernieren oder auf eine Insel zu bringen“. Ein halbes Jahr später habe sie sich mit ihren Vorstellungen im Kampf gegen die Ausbreitung der Epidemie durchsetzen können.

„Niemand soll draußen bleiben - für ein solidarisches Miteinander“ lautete der Titel ihres Vortrags. Sie streifte dabei verschiedene Themen, der rote Faden war schwierig zu finden, die Klammer aber durchaus vorhanden: Beteiligung, Engagement und Mut für neue Ideen waren die Begriffe, die Süssmuth über ihre Forderungen stellte. „Geld allein schafft noch keine Idee”, sagte sie den Mitgliedern der Volksbank. „Wir sind wieder in großen Umbruchszeiten, die Beschleunigung ist größer als zurzeit der Industrialisierung”, so Süssmuth. Das rufe Unsicherheit hervor. Die Renaissance der Genossenschaftsbanken habe auch damit etwas zu tun, dass die Menschen beteiligt werden wollen. Die Politik sollte den Mut haben, zu sagen, dass sie nicht alles wisse.

Und vor allem sollten Bürger noch mehr ihre Ideen vorbringen. An die Adresse ihrer Generation sagte Süssmuth: „Streichen Sie den Satz „Dazu bin ich zu alt” aus Ihrem Repertoire“. Alte Menschen sollten nicht draußen gelassen werden. „Mir machen öffentliche Auftritte immer noch Spaß“, so die 75-Jährige.

Die nächste größere Mitgliederversammlung der Volksbank Mittelhessen findet am 17. April in Wetzlar statt. Dort wird Joschka Fischer sprechen.von Anna Ntemiris

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