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„Geld allein pflegt nicht“

Beratung „Geld allein pflegt nicht“

Sabine Kaiser-Brauer bemüht sich als Pflegeberaterin bei der AOK seit mehr als einem Jahr, alten und kranken Menschen möglichst lange ein Leben in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen.

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Marburg. Seit dem 1. Januar 2009 gibt es den gesetzlichen Anspruch auf Pflegeberatung. Die Beratung erfolgt durch Pflegeberaterinnen und Pflegeberater - meist Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegekassen, die über Wissen aus den Bereichen des Sozialrechts, der Pflege und der Sozialarbeit verfügen.

Eine von ihnen ist Sabine Kaiser-Brauer. Die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte hat eine Zusatzausbildung zur Pflegeberaterin gemacht und berät seit Ende 2011 Versicherte der AOK. „Wir verstehen uns als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zum Pflegestützpunkt in Marburg“, sagt Kaiser-Brauer und ergänzt: „Wir haben ein gutes Miteinander in Marburg.“ Gemeinsames Ziel: Menschen so lange wie es geht ermöglichen, trotz Alter oder Krankheit in der vertrauten Umgebung wohnen zu bleiben.

Kaiser-Brauer berät die Versicherten und ihre Angehörigen

Das Vorgehen: Sabine Kaiser-Brauer sucht die Menschen zu Hause auf, verschafft sich bei dieser Gelegenheit gleich einen Einblick über die Verhältnisse. Der Kontakt kommt auf verschiedene Weise zustande: Über die Sozialberatungen der Krankenhäuser nach einem Krankenhausaufenthalt beispielsweise, über den Pflegestützpunkt, der AOK-Versicherte weiter vermittelt, oder über den medizinischen Dienst der Pflegekasse, der den Antrag eines Versicherten auf eine Pflegestufe automatisch auch an die Pflegeberaterin weiterleitet.

Wobei Sabine Kaiser-Brauer nicht dafür da ist, über die Einstufung in eine Pflegestufe zu entscheiden: Ihre Hausbesuche dienen dazu, mit dem Versicherten und am besten seinen Angehörigen Kontakt aufzunehmen und ihnen die Möglichkeiten der Hilfe im Alltag aufzuzeigen. „Viele Menschen wissen beispielsweise gar nicht, dass es seit Jahresanfang eine „Pflegestufe 0“ gibt für Menschen etwa mit einer beginnenden Demenzerkrankung.

Die Menschen haben ein Recht auf Unterstützung

„Eingeschränkte Alltagskompetenz“ nennt sich das in der Fachsprache, und die neu eingeführte Pflegestufe soll dazu beitragen, dass auch Menschen, die regelmäßig Unterstützung brauchen, um in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, aber nicht auf umfangreiche Hilfen angewiesen sind, Geld- und Sachleistungen von der Pflegekasse erhalten können. Sabine Kaiser-Brauer berät dabei nach dem Grundsatz: „Geld allein pflegt nicht“ - will heißen, dass sie zuallererst dafür sorgt, dass die Versorgung ihrer Versicherten sichergestellt ist. „Es gibt gelegentlich den Wunsch von Angehörigen, das Pflegegeld zu kassieren - aber sie können die Versorgung des Betroffenen nicht sicherstellen“, berichtet sie.

Deswegen gehört es zu ihren wichtigsten Aufgaben zu vermitteln, was geht und was nicht geht. Und: „Viele Patienten versuchen alleine zurechtzukommen, obwohl sie es gar nicht müssten“, berichtet Kaiser-Brauer. Das kann zu Konflikten führen: mit Angehörigen, die das Problem mit der kranken Mutter bisher verdrängt haben, mit dem Patienten, der keine Hilfe annehmen will. „Ich habe noch nie so viele Tränen erlebt wie bei dieser Gelegenheit“, sagt Sabine Kaiser-Brauer, „aber auch noch nie so viel Dankbarkeit.“

Für viele sind nämlich die Leistungen der Pflegekassen ein wahrer Dschungel, Pflegestützpunkte noch lange nicht allen präsent, Vorsorgevollmachten ein Buch mit sieben Siegeln, Betreuung wird noch immer mit Vormundschaft gleichgesetzt. „Da gibt es noch viel aufzuklären, aber es lohnt sich“, sagt Sabine Kaiser-Brauer.

  • Kontakt: Sabine Kaiser-Brauer, Telefon 06421/174966; E-Mail:sabine.kaiser-brauer@he.aok.de

von Till Conrad

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