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Gegen die Angst, Ansprüche zu stellen

Bürgerarbeit Gegen die Angst, Ansprüche zu stellen

Oft wissen Eltern, die knapp bei Kasse sind, nicht, welche Fördermöglichkeiten es für ihre Kinder gibt. Das Projekt Bürgerarbeit will Abhilfe schaffen.

Cappel. Das Bildungs- und Teilhabe-Paket soll Kindern aus sozial benachteiligten Familien ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Bürgerarbeit langzeitarbeitslosen Menschen eine berufliche Zukunft eröffnen. Ein Kooperationsprojekt des Kreisjobcenters (KJC) und des Sportkreises Marburg-Biedenkopf verknüpft beide Ansätze nun.

Der Landkreis habe sich bemüht, das im vergangenen Jahr eingeführte Bildungs- und Teilhabepaket schnell umzusetzen, betonte Erster Kreistagsabgeordneter Dr. Karsten McGovern (Grüne) bei der Vorstellung der Jahreszahlen.

Möglichst viele Familien müssten informiert und überzeugt werden, die Leistungen auch in Anspruch zu nehmen. Während die Mittel für Schulbedarf automatisch ausgezahlt würden, müssten andere Dinge, wie beispielsweise Klassenfahrten, warmes Mittagessen, Nachhilfeunterricht oder kulturelle und sportliche Aktivitäten erst beantragt werden.

Laut Auskunft von Projektleiterin Heike Weiß seien bereits 8183 Inanspruchnahmen zu verzeichnen. Unter anderem würden etwa 2000 Kinder ein Mittagessen bekommen. Und mit 61,64 Prozent, habe der Landkreis in Hessen die Spitzenposition inne.

Außer der Auszahlung von Geld sei die echte Teilhabe für die Kinder wichtig, so McGovern. Und vor allem der Sport biete die Möglichkeit, außerhalb der engsten sozialen Bezugsgruppe Kontakte zu knüpfen, ganz abgesehen von der Bedeutung für die Gesundheit. Umso schöner sei das Engagement des Sportkeises.

Dessen Vorsitzender Jürgen Hertlein hob hervor, dass der Sportkreis mit 396 angeschlossenen Vereinen ein großer Multiplikator sei. Diese hätten zwar häufig Sozialtarife, aber es gebe Familien, für die auch diese zu hoch seien. Entsprechend müssten sie über die Fördermöglichkeit informiert werden. Insgesamt würden nun drei Menschen in Bürgerarbeit dafür sorgen.

Wie KJC-Leiterin Andrea Martin erläuterte, seien inzwischen 130 Bürgerarbeitsplätze besetzt. Diese Menschen würden sozialversicherungspflichtig beschäftigt und unterstützten „kleine und feine Projekte“.

Zehra Demir ist eine von ihnen und arbeitet für den Sportkreis in Stadtallendorf. Wie sie berichtete, würden viele Menschen Ängste haben, Ansprüche zu stellen, weil sie befürchteten, das Geld irgendwann zurückzahlen zu müssen, dem sei aber keinesfalls so. „Sie haben ein Recht darauf und inzwischen werden auch viele Anträge gestellt“, so Demir. Und sei man erst mal im Gespräch, gehe es nicht mehr nur um Sport und sie berate über alle Bereiche des Pakets.

Claus Schäfer, Leiter des Büros für Integration des Kreises und auch beim Sportkreis Integrationsbeauftragter, berichtete, dass es auch offene Schnupperangebote bei den Vereinen gebe, und zwar nicht nur die, die es ehedem gebe, sondern für die Zielgruppe.

Er betonte, dass gezielt Familien mit Migrationshintergrund angesprochen werden sollten, und weil ihr Anteil in Stadtallendorf besonders hoch sei, müsse es „da, wo die Menschen sind“ auch einen Ansprechpartner geben.

Zwei davon gibt es beim Sportkreis in seinen Räumen im Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg, und einer davon ist Peter Jacobi. Er kümmere sich vor allem um kleinere Projekte, berichtete er. So habe er bereits eine Sportkleidungsbörse oder Informationsstände bei Veranstaltungen im Kreisgebiet organisiert. „Und die Resonanz ist sehr gut“, sagte er. Jacobi und Demir hoben hervor, dass ihnen die Aufagbe sehr viel Spaß mache, für sie sei diese Bürgerarbeit wichtig.

von Heiko Krause

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