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Gastwirte klagen über Bürokratie beim Mindestlohn

Hotel- und Gaststättenverband Gastwirte klagen über Bürokratie beim Mindestlohn

Bei der Versammlung des Hotel- und Gaststättenverbands stand der Mindestlohn ganz oben auf der Tagesordnung – nicht wegen des Gelds, sondern wegen des erhöhten bürokratischen Aufwands.

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Der Mindestlohn stand bei der Versammlung des heimischen Hotel- und Gaststättenverbands im Mittelpunkt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die hessische Vertretung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) hatte mit Rechtsberater Markus Danuser einen Mindestlohnexperten als Gastredner engagiert.

Grundsätzlich waren die anwesenden Hotel- und Lokalbetreiber aus dem Marburger Umland mit der Idee des Mindestlohns einverstanden.

Die schwierige Umsetzung sorgt jedoch für größere Bedenken. „Das bedeutet gerade für mittelständische Betriebe oft einen enormen Papierkrieg, wenn alles festgehalten und vorab vereinbart werden muss“, so Dehoga-Geschäftsführer Otmar Wiegand.

Tatsächlich betonte Danuser im Laufe seines Vortrags klar: „Sie können die Verantwortung nicht abgeben. Sie müssen selbst kontrollieren, ob etwa ein Praktikant wirklich ein längeres Pflichtpraktikum von der Uni aus ableistet, sonst müssen Sie Mindestlohn zahlen. Ferner müssen Sie nicht nur den Dienstplan vorweisen, sondern auch Vermerke darüber, wer wie lange gearbeitet hat.“ Armin Orthwein, Inhaber des gleichnamigen Hotel-Restaurants, hakte nach: „Was passiert hier bei Bedienungen auf Abruf? Ich kann doch das Sommerwetter nicht planen.“

Jurist sieht derzeit noch „unglückliche Reglung“

Auch in diesem Fall benötige man entsprechende Dokumente. „Sie sollten eine Mindestarbeitszeit vertraglich festhalten, sonst nimmt der Staat zehn Stunden pro Woche an – und die müssen Sie dann auch zahlen, es sei denn, Sie haben vorher eine geringere Stundenzahl vereinbart“, erklärte Danuser.

Problematischer sei es bei Angestellten externer Firmen, wie etwa Wäschereien. „Bei Dienstleistungen, die Sie in Auftrag geben gilt, dass Sie dafür haftbar gemacht werden können, wenn deren Chef den Mindestlohn nicht einhält. Da müssen Sie unter Umständen die Differenz ausgleichen, falls etwa die Wäscherei den Offenbarungseid geleistet hat“, verdeutlichte Danuser.

Die anwesenden Selbstständigen waren irritiert, da eine unabhängige Partnerfirma nicht verpflichtet sei, ihre Lohnzahlungen offenzulegen. „In der Tat können Sie hier nichts weiter tun, als durch Gespräche mit den Angestellten und entsprechende Vermerke Ihren guten Willen zu zeigen, das ist zurzeit einfach unglücklich geregelt“, so der Jurist.

Mangel an Auszubildenden macht Branche zu schaffen

Ähnlich kompliziert könne es für Hoteliers auch bei dem Thema Arbeitszeit werden, denn auf Dauer sollte diese nicht höher als acht Stunden täglich sein, mehr als zehn Stunden seien überhaupt nicht zulässig. Speziell für Köche eine eher realitätsferne Vorgabe – bei ihnen sei es durchaus üblich, für einige Tage länger zu arbeiten und danach mehrere Tage frei zu bekommen. „Auch hier müssen wir derzeit leider hinnehmen, dass die Regelungen wenig Spielraum bieten. Selbst, wenn ein Angestellter noch einen zweiten Job hat und dadurch zusammen mit seiner Tätigkeit bei Ihnen regelmäßig zehn Stunden oder gar mehr arbeitet, sind Sie in der Pflicht,“ betonte Danuser.

Neben den Problemen des Mindestlohns klagt die Branche auch über einen Mangel an Auszubildenden, die oft ungünstigen Arbeitszeiten und der stoßweise auftretende Druck schreckten viele ab. „Dazu kommt noch, dass wir viele junge Leute haben, die einfach in der Schule zu leicht durchgekommen sind. Da hätten einige besser nochmal ein Jahr wiederholt, so müssen wir sehr viel nacharbeiten“, merkte Joachim Schultze an.

Unzufriedenheit herrschte aber nicht nur in Bezug auf die Umsetzbarkeit des Mindestlohns, sondern auch dessen Kontrolle. „Man merkt schon, dass die Leute vom Zoll früher vor allem auf Baustellen die Beschäftigungsverhältnisse kontrolliert haben. Neulich kamen sie bei mir zur besten Essenszeit in das Lokal, Waffen offen sichtbar, und haben nicht einmal eine Karte vom Verantwortlichen hinterlegt“, berichtete der Dehoga-Vorsitzende Dirk Wolf. Bei den anschließenden Wahlen wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt.

von Marcus Hergenhan

 Der Vorstand des Dehoga wurde in seinem Amt bestätigt. Gemeinsam gratulierten die Mitglieder um Vorsitzenden Dirk Wolf (Dritter von links) Konrad Debelius (Zweiter von rechts), der die Ehrennadel für seine 25-jährige Mitgliedschaft erhielt. Foto: Marcus Hergenhan
 
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