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Tüftler will Dieben die Suppe versalzen

Ortungssystem für Fahrräder Tüftler will Dieben die Suppe versalzen

Erfindung aus Marburg: Mit einem neuen GPS-System für E-Bikes, samt Service-App für den vernetzten Radler von heute, will Ingenieur Oliver Philipps den Fahrradmarkt erobern.

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Oliver Philipps zeigt den großen Prototypen seines Ortungssystems für Fahrräder. Dieses soll als deutlich kleineres, diebstahlsicheres Modell leicht in jedes Fahrradgehäuse passen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Sein geliebtes Fahrrad überall auf der Welt bequem via Handy wiederfinden und das mit einem diebstahlsicheren System, zu einem erschwinglichen Preis – diesen Traum verfolgt der Student aus Marburg mit einem eigenen Start-up.

Oliver Philipps entwickelte einen neuartigen GPS-Tracker für E-Bikes, samt Service-App zur unkomplizierten Ortung. Die Hardware, bisher nur ein erster Prototyp, besteht aus einer Platine mitsamt GPS-Modul, Mobilfunkantenne, SIM-Karte und Beschleunigungssensoren. Das Besondere an seinem Konzept: Die Platine kann direkt beim Bau des Fahrrads in den Rahmen integriert werden, soll so nur mit immensem Aufwand entfernbar sein und Langfinger abschrecken.

„Es ist kein Gadget, sondern fester Teil des Bikes – eben ein Ortungsdienst für das Fahrrad“, erklärt der 30 Jahre alte Erfinder. Ein weiterer Clou: Der kleine Tracker verfügt über Mobilfunk und kann somit via Internet von überall angepeilt werden, unabhängig von der Entfernung zum Fahrrad.

Seine Idee entwickelt Philipps mit seinem Team derzeit zum marktreifen Produkt weiter. Er lebt seit rund zwei Jahren in Marburg, studiert Ingenieurinformatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen und steht kurz vor seinem Masterabschluss. Einen Abschluss als Wirtschaftsingenieur im Maschinenbau hat er bereits in der Tasche, kennt sich aus mit der Vermarktung technischer Produkte.

Erst Fachsimpelei, dann Feuer und Flamme

Seine Erfindung stellte Philipps Ende Mai beim Startup-Weekend Mittelhessen in Marburg vor und ergatterte direkt den dritten Platz. „Das war ganz spontan, ich habe meinen Hut einfach mal in den Ring geworfen, der dritte Platz ist fantastisch“, freut er sich über diesen Erfolg.

Dabei entstand die Idee erst wenige Wochen vor dem Wettbewerb aus einem anderen Start-up heraus: Freunde von ihm entwickeln derzeit ein modernes Lastenfahrrad, zogen dazu den technisch versierten Freund zurate. Nach einer ersten Fachsimpelei war der sofort Feuer und Flamme und entwickelte ein weiteres Start-up. „Ich war total inspiriert, es hat einfach gezündet“, erzählt der 30-Jährige begeistert.

Die Idee eines GPS-Systems im oder am Fahrrad ist dabei nicht neu, diverse Angebote für verschiedene Fahrradtypen sind am Markt erhältlich. Seine Zielgruppe sind die Hersteller von E-Bikes – aber nicht nur die großen Marktführer, sagt Philipps. Das ganze Konzept samt Handy-App ist gezielt „auf das Wesentliche reduziert“.
Daten sollen „gesammelt und veredelt“ werden

Das System kommt ohne Bordcomputer, umfangreiches Navigationssystem „oder anderen Schnickschnack“ aus – „wir wollen schlichte Funktionalität“, fasst er zusammen. Daher sei der Preis im Vergleich zu anderen Entwicklern niedrig: Ein mit der neuen Technik ausgestattetes E-Bike dürfte um die 150 bis 200 Euro teurer werden.

„Wir könnten viele Schnittstellen schaffen“

Neben der Hardware arbeitet sein Team an der Entwicklung der Dienstleistung und der Software, die in Zusammenarbeit mit den Herstellern wie den radelnden Nutzern in Zukunft stetig weiter ausgebaut werden könnte. Möglich würde dies durch die Analyse der gesammelten Daten, wie Bewegungsprofile der Radler. Die Daten sollen anonymisiert genutzt werden, einer Erhebung müssten die Kunden zuvor natürlich zustimmen. In diesem Falle wäre die Service-App kostenlos, andernfalls würden die Nutzer etwa fünf Euro im Monat zahlen müssen, schätzt Philipps.

„Das ist unsere zweite Säule – die Verwertung und Veredelung der Daten“, erklärt der Ingenieur das Konzept. Er träumt schon jetzt von weiteren Entwicklungsmöglichkeiten, etwa einer Verknüpfung der App mit anderen Angeboten und Plattformen, wie Fitness-Apps, einem Notfall-System oder Programmen zur Regionalentwicklung. „Wir könnten viele Schnittstellen schaffen“, plant Philipps bereits voraus.

Doch noch ist es nicht so weit, das Projekt steht noch in der Anfangsphase. Derzeit geht der Student bei Herstellern und auf Fachmessen auf „Promotour“, verfeinert sein Geschäftsmodell und fachsimpelt mit den Kollegen in der Gründerwerkstatt der Stadtwerke Gießen. An der Weiterentwicklung der Idee arbeitet sein sechsköpfiges Team aus Betriebswirtschaftlern, Daten- und Marketingexperten, Web-Entwicklern und Profis für eingebettete Systeme, zu denen sich Philipps selber zählt. „Das ist ein toller Mix und eine gute Verteilung von Kompetenzen“, ist er zuversichtlich, dass sie Erfolg haben werden. Wie und ob seine Erfindung sich auf dem Markt durchsetzen wird und in welchem Rahmen – das ist noch nicht absehbar. „Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt, und schätze die Herausforderung“, sagt sich der Erfinder.

von Ina Tannert

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