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Für Studenten gilt: „Zocken verboten“

Gerina AG Für Studenten gilt: „Zocken verboten“

Es ist quasi das „Börsenspiel 2.0“: Vier Marburger Studentengruppen werden zu Anlegern an der Börse – jedoch nicht mit virtuellen Depots, sondern mit reellen 100.000 Euro, zur Verfügung gestellt von der Gerina AG.

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Professor Marc Steffen Rapp (von links), Finanzclub-Vorsitzender Felix Kohlhas, Gerina-Vorstand Stefan Oberhansl und Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, stellten das Börsenprojekt vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Das ehemals als „Börsenspiel“ bekannte Konzept, dass Schüler oder Studenten im Wettbewerb gegeneinander mit fiktiven Depots handelten, ist meist passé. Und das aus gutem Grund, wie Stefan Oberhansl, Vorstand der Marburger Gerina AG, erläutert: „Im Spiel wurde der Handel realer Werte nachgestellt und am Ende ergab sich rechnerisch ein Gewinn oder Verlust.“

Ziel und Motivation seien klar gewesen: Wer schafft die beste Wertsteigerung und natürlich das Wecken von Interesse für die Wertpapieranlage. Doch habe das Spiel die falschen Anreize gesetzt, denn, so Oberhansl: „Es ging nur darum, den größten Gewinn einzufahren – Kritiker brachten die Börsenspiele also immer wieder mit ,Zockerei‘ und ,Spekulation‘ in Verbindung.“

Dabei sei Aktienhandel ein legitimes, solides Geschäft – und das soll das Projekt für Marburger Studenten verdeutlichen. Oberhansl stellte für vier Teams des Finanzclubs Marburg insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung – ganz real.

„Möglichkeit zur Praxiserfahrung im Aktienhandel“

Der Finanzclub Marburg ist ein studentischer Börsenverein an der Universität, der das Thema Kapitalanlage an den Finanzmärkten möglichst vielen Menschen – vor allem aber Studenten – näherbringen will. Da private Geldanlage eine sehr geringe Rolle in der Gesellschaft spielt, möchte der Finanzclub durch gezielte Informationen das allgemeine Grundwissen erhöhen.

„Dieses Projekt bietet für uns die optimale Möglichkeit, zum einen schon während des Studiums in einem größeren Umfang Praxiserfahrung im Aktienhandel zu sammeln, als auch allgemein für das Thema Geldanlage zu werben“, erläutert ­Felix Kohlhas, Vorsitzender des Finanzclubs Marburg.

Die Mitglieder seien absolut überrascht vom Angebot Oberhansls gewesen. „Während Studentenfonds in den USA weit verbreitet sind an Universitäten, sind solche Projekte in Deutschland nicht bekannt. Den Vertrauensvorschuss möchten wir gerne durch gezielte Investments nach eigenen Strategien zurückzahlen“, erläutert Kohlhas.

Sparkasse und Universität mit im Boot

Die Gerina AG stellt den vier Teams Depots zur Verfügung, die eigenständig von den Studenten gesteuert werden. Investiert werden darf dabei nur in börsennotierte Aktien. „Zocken“ ist verboten, wie Oberhansl betont. „Um dies zu forcieren, sind Derivate, Zertifikate oder andere, teilweise hochspekulative Produkte ausdrücklich ausgeschlossen. Vielmehr soll ein Verständnis für den Ursprung der Aktie und deren volkswirtschaftliche Notwendigkeit ausgebaut werden. Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf emittieren Aktien und beteiligen andere für den Einsatz der entsprechenden Gelder unmittelbar am Unternehmensgewinn.“

Die Teams erhalten Unterstützung durch die Sparkasse, die die technische Infrastruktur zur Verfügung stellt und die Gruppen in Abwicklungsfragen berät. „Einerseits werden wirtschaftliche Zusammenhänge immer komplexer, andererseits fehlt bei der Wissensvermittlung oftmals der praktische Bezug für die Lernenden. Insofern begrüßen wir die Initiative der Gerina AG und tragen gerne unseren Teil zum Gelingen bei“, so Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch.

Vonseiten der Philipps-­Universität wird das Projekt von den Wirtschaftswissenschaftlern Professor Marc Steffen Rapp und Professor Oscar Stolper begleitet. Klar ist auch: Es gibt von keiner Seite Anlageempfehlungen. „Im Gegenteil. Ziel ist, dass die Studierenden eigenständig Anlagestrategien entwickeln, sich mit den Geschäftsmodellen der Unternehmen wie auch dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld auseinandersetzen und dann eigenständige Investitionsentscheidungen treffen“, so Rapp. In einem Jahr wird sich dann entscheiden, wie die Investitionsstrategien gelaufen sind. „Ich gehe nicht von einem Verlust aus“, sagt Stefan Oberhansl lachend.

von Andreas Schmidt

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