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Führungskräfte kritisieren Überlastung

UKGM Führungskräfte kritisieren Überlastung

Ein neuer Beschwerdebrief über die Personalsituation am Uni-Klinikum Marburg liegt vor: Stations- und Funktionsleitungen des UKGM stellen sich gegen Personalabbau.

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Die Diskussion um die Personalpolitik am UKGM nimmt kein Ende: Jetzt haben 43 Stations- und Funktionsleitungen einen Beschwerdebrief an die Geschäftsführung geschrieben.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In einem Schreiben an die Geschäftsführung des Klinikums, das der OP vorliegt, verleihen diesmal 43 Führungskräfte ihrer Sorge Ausdruck. Sie haben schlichtweg Angst, dass in der Pflege weitere Stellen abgebaut werden – „wir wenden uns mit diesem Brief an Sie, um unsere Bedenken im Rahmen einer Stellenreduktion im Pflegebereich auszudrücken“, heißt es in dem Schreiben.

Die Unterzeichner hätten große Sorge, dass durch die kontinuierliche Arbeitsverdichtung „vor allem für unsere Patienten, aber auch für unsere Mitarbeiter ein gesundheitlicher Schaden entstehen könnte“.

Zwar sei den Unterzeichnern die finanzielle Situation des UKGM bewusst. „Dennoch bezweifeln wir, dass eine weitere Reduktion von Pflegekräften auf den Stationen das Problem grundsätzlich lösen wird“, heißt es in dem Brief weiter.

Die Verfasser weisen die Geschäftsführung darauf hin, dass diese nicht nur eine betriebswirtschaftliche Verantwortung trage – sondern auch „eine Verantwortung für die Patientensicherheit“. Und diese sehen die Unterzeichner als gefährdet an, denn man erkenne „zunehmend mehr Gefährdungssituationen für die uns anvertrauten Patienten durch Überlastungssituationen unsererseits“.

Stellenplanung bemisst sich am „Leistungsgeschehen“

Aus diesem Grund bitte man die Geschäftsführung nicht nur, auf einen weiteren Stellenabbau zu verzichten. Vielmehr fordern die Verfasser des Briefs dazu auf, Personal einzustellen, vor allem auf den Stationen, auf denen die Stellensituation „bereits besorgniserregend“ sei.

Die Geschäftsleitung sieht dies jedoch anders: Die Patientensicherheit sei rund um die Uhr gewährleistet, teilt Frank Steibli, Pressesprecher des UKGM, auf Anfrage der OP mit. Die Geschäftsleitung habe das Schreiben der Stations- und Funktionsleitungskräfte bereits ausführlich beantwortet. Zum Inhalt der Antwort wollte Steibli allerdings nichts sagen – „wir klären unsere Personalangelegenheiten stets intern und in einem konstruktiven Miteinander“, betont er.

Der Pressesprecher versichert jedoch: „Es gibt keinen Stellenabbau im Pflege- und Funktionsdienst. Vielmehr haben wir in mehreren Bereichen Personal aufgebaut, so beispielsweise in der Zentralen Notaufnahme, auf Intensivstationen und auf mehreren Normalstationen“.

Der von den Leitungen „gefühlte“ Stellenabbau trage „eine aktuelle Komponente bei der Ist-Besetzung in sich. Wir haben einige vakante Stellen, insbesondere im Intensivbereich, die zum 1. Oktober dieses Jahres weitestgehend besetzt werden“, so Steibli. Alljährlich stelle man auch die Personalplanung auf das Ende des Examenskurses der Kranken- und Kinderkrankenpflege ab.

Überlastungsanzeigen dienen als Indikator

„Wir haben zum 1. Oktober schon mehr als 20 genehmigte Einstellungen von derzeit noch Auszubildenden vorgenommen. Auch der Wechsel von unserem internen Pflegepool zu einer Kooperation mit dem DRK bedeutete für einige Monate eine sehr geringe Einsatzmöglichkeit von Poolmitarbeitern. Nun hat aber auch der DRK-Pool seine Arbeit entsprechend aufgenommen.“ Zudem werde sich die Stellenplanung „auch zukünftig am Leistungsgeschehen und an der notwendigen Personalbesetzung orientieren“.

Björn Borgmann vom Betriebsrat des UKGM sagt zu dem neuerlichen Beschwerdebrief: „Solche Briefe sollte die Geschäftsleitung ernstnehmen, denn es hat schon einen gewissen Raritätscharakter, wenn so viele Leitungen gemeinsam auf Missstände hinweisen. Dann sollte die Geschäftsführung gut beraten sein, dem nachzugehen und auch zu schauen, an welchen Ecken man nachbessern muss.“

Es gebe „immer Brandherde“, an denen nachgebessert werden müsse, darauf weise der Betriebsrat die Geschäftsführung auch kontinuierlich in Gesprächen hin. „Ein guter Indikator ist immer der Bereich, in dem Überlastungsanzeigen auftreten – dort sollte man besonders genau hinschauen, ob man mit dem Personalbestand gut gefahren ist oder ob nachgebessert werden muss“, so Borgmann.

Borgmann: Leistung braucht Personal

Die Zahl der Überlastungsanzeigen liege seit Februar bei fast 160, „bei uns gehen quasi täglich Anzeigen ein, die werden nacheinander abgearbeitet – und wir schauen uns jede genau an. Denn jede Überlastungsanzeige ist eine zu viel“, so Borgmann.

Dabei müsse man immer individuell schauen, ob es sich um Einzelfälle in einem Bereich handele, „oder ob das Problem dort systematisch angegangen werden muss“. Frank Steibli machte zu einer konkreten Zahl der Anzeigen indes keine Aussage. Er teilte mit: „Die Tendenz ist – auch im Vergleich zu anderen deutschen Uniklinika – sinkend.“

Zu der Argumentation der Geschäftsleitung, man baue Stellen auf, sagte Borgmann: „In den Bereichen, wo Leistung stattfindet, braucht man auch das Personal dazu. Wer gute Medizin machen will, muss nicht nur die medizinischen Geräte haben – sondern auch das entsprechende Personal“. Der Betriebsrat bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) weiterhin in der Verantwortung stehe.

In der Debatte im Landtag sei der offene Brief des Betriebsrats (die OP berichtete) seinerzeit als „OB-Wahlkampf“ abgetan worden. „Die Wahl ist vorbei – aber es gibt nach wie vor Gesprächsbedarf. Also erwarten wir weiterhin vom Ministerpräsidenten, dass er auch aktiv auf den Betriebsrat zugeht. Denn es ist viel passiert – die hessische Politik muss sich dem Thema annehmen. Und das UKGM muss Chefsache sein.“

von Andreas Schmidt

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