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Fühlen, was andere sehen

Barrierefreiheit Fühlen, was andere sehen

Wo sind die Kassen, wo die Rolltreppen? Wer nicht sieht, muss fragen - oder kann Informationen ertasten. Ahrens ist eines der wenigen Kaufhäuser mit einem taktilen Übersichtsplan.

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Objektdesignerin Mirelle Sinzig fertigt in der Werkstatt der Blista taktile Lagepläne an.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Von der Rolltreppe bis hin zum Geldautomaten - im Kaufhaus Ahrens wurde so manche Richtung, so mancher Standort verändert. Einen Monat nach der Neueröffnung fragt sich immer noch der ein oder andere Kunde, wo geht’s noch mal lang? „Das geht selbst mir so”, sagt die Kaufhauschefin Karin Ahrens.

Das Ehepaar Karin und Peter Ahrens wollte, dass ihr neues Kaufhaus für Menschen mit Rollstühlen oder Rollator barrierefrei wird. „Aber auch für Mütter und Väter, die mit einem Zwillingskinderwagen unterwegs sind“, fügt Karin Ahrens hinzu.

So sind die Hauptgänge nun zum Beispiel einen Meter breiter als vorgeschrieben, die Aufzüge haben eine automatische Ansage. Da in Marburg besonders viele Sehbehinderte leben, fragten Karin und Peter Ahrens auch bei der Deutschen Blindenstudienanstalt nach, die ihren Sitz in Marburg hat. „Wenn es taktile Pläne für die ganze Stadt gibt, dann müsste es so etwas auch für Kaufhäuser geben können“, erklärt Peter Ahrens. Aus der Anfrage wurde ein Auftrag, den Claus Duncker, Direktor der Blista, an die Werkstatt weiterleitete. Erfahrungen mit ertastbaren Plänen hat die Blista-Werkstatt seit langem: Die Mitarbeiter stellen Orientierungshilfen für Museen, Bibliotheken oder Städte in ganz Deutschland her. Alles in Handarbeit.

Wichtig ist vor allem, die gründliche Vorbereitung auf das Thema. Zwölf Wochen dauerte die Anfertigung des Marburger Kaufhaus-Plans. „Wir sprachen zunächst mit den Rehabilitationstrainern, die wissen, welche Informationen auf solch einem Plan stehen müssen und welche Informationen zu viel wären und nur verwirren”, erklärt Sylvia Schwenger, Objektdesignern der Werkstatt taktile Medien. Wo befinden sich Geldautomaten, wo sind die Kassen, wo Fluchtwege - das war eine der Anforderungen an den Plan. Vor der Schwingtür vor Thalia wird zum Beispiel in Punktschrift gewarnt. Es gehe nicht darum aufzuschreiben, wo sich die Damen- oder Herrenmode befinde, sondern nur um die grobe Orientierung. Die handwerkliche Gestaltung übernehmen die Objektdesigner der Blista ebenfalls selbst. „Ahrens ist eines der wenigen Kaufhäusern in Deutschland mit solch einem Plan. Weil wir die anderen Werkstätten kennen, wissen wir das keine anderen angefertigt wurden”, erklärt Duncker.

Die blinde Blista-Mitarbeiterin Andrea Katemann (38) betont, dass nicht alle Blinden solche Pläne benötigen. „Die Selbstständigkeit ist bei Blinden sehr unterschiedlich”. Viele nutzen auch das Angebot, eine Verkäuferin um Hilfe zu bitten, einige finden schnell allein Orientierung. „Nur ohne den Blindenstock wäre ich aufgeschmissen”, betont Katemann.

von Anna Ntemiris

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