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Frühstücksei statt Dämmerschoppen

OP-Serie: „Unser Stammtisch“ Frühstücksei statt Dämmerschoppen

Ein Stammtisch um 7 Uhr morgens? Für den Unternehmer-Stammtisch ganz normal. Für dessen Mitglieder beginnt der Arbeitstag dienstags erst nach gemeinsamem Frühstück.

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Bis zu zehn Marburger Unternehmer treffen sich jeden Dienstag vor Dienstbeginn zum gemeinsamen Frühstück im Hotel  Rosenpark.

Quelle: Lisa-Martina Klein

Marburg. Dienstagmorgen im Kaminzimmer des Hotels Rosenpark: Rechtsanwalt Dr. Wolfram Moersch und Immobilienmakler Michael Klinger kommen im Anzug, Schreiner Guido Textor in Arbeitsmontur und Kai Lieber von der Werbeagentur Goldfisch Art im orangefarbenen Firmen- T-Shirt.

Zusammen mit den anderen Unternehmern des Stammtischs beginnen sie den Tag mit einem Frühstück und tauschen sich ganz nebenbei über Neuigkeiten aus. Ob das die Lage in Griechenland ist, die geplante Seilbahn, der Streit mit der Nachbarin – oder Neues aus Büro oder Werkstatt. Das ergebe sich einfach, meint Marcus Weber vom Planungsbüro Massivhaus Weber.

„Wir sind ein gemischter Haufen aus den verschiedensten Branchen, der sich trifft, um sich über Neuigkeiten und Änderungen aus den jeweils anderen Betrieben zu informieren“, erzählt Gerhard Werner. Er selbst betreibt die gleichnamige Glaserei in Marburg.

Sprechen immer besser als mailen

Zusammen bildet der derzeit zehnköpfige Stammtisch ein Netzwerk aus Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben. So ein Netzwerk bringe viele Vorteile: „In meiner Werbeagentur muss ich mich laufend auf neue Kunden und deren Bedürfnisse einstellen. Da hilft es, verschiedene Branchen zu kennen, um zielgerichteter arbeiten zu können“, sagt Lieber.

Computerfachmann Gerhard Warsideh-Frank von der Firma MW Computer schätzt die kurzen Dienstwege: „Wenn ich bei einem kleinen Problem kurz und unkompliziert eine Information brauche, reicht ein Telefonanruf und ich bin schlauer. Beispiele dieser Art gibt es viele.“

Selbstverständlich geht es auch um Weiterempfehlung und Arbeitsaufträge. „Wenn jemand neue Visitenkarten braucht, einen Immobilienmakler oder einen Computerfachmann, kann ich ihm guten Gewissens die jeweilige Firma empfehlen. Nicht nur weil ich weiß, dass die Produkte gut sind, sondern auch, weil ich das Gesicht hinter der Firma kenne“, sagt Weber und fügt hinzu: „Wir pflegen das persönliche Gespräch in dieser medialen Zeit.“ Persönlich spräche es sich eben doch besser als per E-Mail.

Manchmal geben die Mitglieder kurze Fachvorträge über relevante Themen, wie zum Beispiel gefährliche Viren oder die Eigenheiten von Windows 10. Dabei gehe es nicht nur immer darum, diese so allgemein nützlich zu machen wie möglich. Bauunternehmer Michael Grebe betont: „Ich habe mal über ein kompliziertes Bauprojekt referiert, eine Maschinenhalle, die unter speziellen Umständen gebaut werden musste. Das war mir wichtig, für andere aber vielleicht auf den ersten Blick nicht so relevant. Aber am Ende hat jeder etwas gelernt, was er vorher nicht wusste.“

Frühstück endet mit dem „Spruch zum Dienstag“

Allzu streng geht es aber nicht zu beim Stammtisch. Es geht ums Geschäftliche genauso wie ums Private. Das wohl typischste Stammtischthema Fußball findet hier wenige Anhänger. Dafür kommt es vor, dass die Mitglieder sich für ein Basketballspiel der BC-Marburg-Damen zusammentun, wie Gerhard Hahn von der Deutschen Vermögensberatung erzählt.

Den Stammtisch nach Feierabend stattfinden zu lassen sei schwer realisierbar, enden die Arbeitstage doch für jeden zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Und noch ein Vorteil habe es, wenn die Runde ganz früh zusammenkommt, wie Moersch erklärt: „Beim ersten Termin am Tag ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass alle pünktlich sind.“

Über die fünf Jahre, die es den Stammtisch schon gibt, hat sich eine kleine, aber schöne Tradition eingebürgert. Kurz vor Schluss des gemeinsamen Treffens um 8.30 Uhr zitiert Werner den „Spruch zum Dienstag“. Diesmal: „Wer sich für zu wichtig für kleine Arbeiten hält, ist oft zu klein für wichtige Aufgaben.“

von Lisa-Martina Klein

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