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Frühjahrsaufschwung kommt im Landkreis an

Arbeitsmarkt Frühjahrsaufschwung kommt im Landkreis an

Auf dem Arbeitsmarkt macht sich der Frühjahrsaufschwung bemerkbar - auch, wenn dieser weniger deutlich als in den Vorjahren ausfällt.

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Im März waren im Agenturbezirk Marburg 5783 Menschen arbeitslos gemeldet - 768 weniger, als im März vergangenen Jahres.

Quelle: Bernd Wüstneck, dpa

Marburg. Im März waren im Agenturbezirk Marburg 5783 Menschen arbeitslos gemeldet - 768 weniger, als im März vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr von 5,1 auf 4,5 Prozent. „Damit fällt sie erneut wesentlich niedriger aus als in Hessen“, erläutert Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg. Denn die Arbeitslosenquote für Hessen liegt bei 5,9 Prozent, die Bundesquote gar bei 7,1 Prozent.

Fast alle Altersgruppen können profitieren

Breustedt betont, dass die niedrigere Quote nahezu alle Personen- und Altersgruppen erreiche, vor allem bei den jüngeren von 15 bis 25 Jahren habe sich mit einem Fünftel weniger Arbeitslosen eine erfreuliche Entwicklung ergeben.

Vor diesem Hintergrund spricht Volker Breustedt von einem „Knallerergebnis. Wir hatten vergangenen Monat schon sehr gute Zahlen, setzen jetzt aber noch einmal eine Top-Entwicklung obendrauf.“ Im Versichertenbereich sind 2615 Menschen ohne Arbeit, was einem Minus von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. „Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir trotz alledem eine Unterbeschäftigung von rund 8000 Menschen haben“, sagt Breustedt. Denn zu den eigentlichen Arbeitslosen kämen auch die Personen, die sich derzeit in Fort- und Weiterbildungen oder sonstigen so genannten „Arbeitsmarktmaßnahmen“ befänden. „Diese gut 3000 Menschen im Versichertenbereich zählen in der Statistik nicht mit“, so Breustedt. Noch deutlicher werde dies im Rechtskreis SGB II, landläufig „Hartz IV“ genannt: Dort gibt es derzeit 3168 Arbeitslose und weitere 4883 Menschen in Unterbeschäftigung.

„Wir haben eine Spitzenentwicklung im Landkreis, aber jeder der über alles hinweg gerechneten knapp 8000 Arbeitslosen ist zuviel, das dürfen wir nicht vergessen“, mahnte Breustedt. Dies solle das gesamte Fazit jedoch nicht verwässern, „es ist eine valide Entwicklung und wir haben eine solide Wirtschaftsentwicklung in der Region“.

Sorge bereitet dem Agenturleiter nach wie vor die Gruppe der älteren Arbeitslosen: Bei den über 50-Jährigen verzeichnet die Arbeitsagentur lediglich ein Minus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die über 55-Jährigen machen knapp 18 Prozent aller Arbeitslosen im Landkreis aus - ihre Zahl ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Personen oder 2 Prozent gestiegen.

Ähnliches gelte für die Langzeitarbeitslosen: Auch dort fällt der Rückgang mit 3,3 Prozent sehr moderat aus. Breustedt verdeutlicht: Ein Drittel aller Arbeitslosen sind älter als 50, ein weiteres Drittel sind Langzeitarbeitslose.“ Der Agenturleiter sieht jedoch einen Arbeitsmarkt, der „insgesamt relativ gesättigt ist. Es geht wenig raus und wenig rein, es gibt viel Austauschbedarf.“ Heißt: Lediglich Mitarbeiter, die beispielsweise aus Altersgründen ausscheiden, werden ersetzt. „Dass ein Betrieb kommt und sagt, er brauche mal eben 50 Arbeitskräfte, wird immer seltener.“ Breustedt schätzt, dass diese Sättigung das Jahr über weiter anhalten werde.

Als positives Signal wertet er die Anzahl der versicherungspflichtigen Stellen: Davon habe die Marburger Arbeitsagentur alleine im vergangenen Monat 546 gemeldet bekommen - was einem Plus im Vergleich zum Vorjahr von 20,8 Prozent entspricht. Hinzu kommen noch 186 Mini-Jobs für geringfügig Beschäftigte.

KJC meldet weniger Langzeitarbeitslose

Bei den versicherungspflichtigen Stellen stehen die Arbeitnehmerüberlassungen mit 131 an erster Stelle, gefolgt von 82 Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie 78 in Handel und KFZ-Gewerbe sowie 70 neuen Stellen im verarbeitenden Gewerbe.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Geschäftsstellenbezirk Stadtallendorf am meisten profitieren: Dort sank die Arbeitslosigkeit um 17,3 Prozent. Biedenkopf verzeichnet gegenüber März vergangenen Jahres einen Rückgang um 13 Prozent, Marburg kommt auf ein Minus von 7 Prozent.

Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im März leicht gesunken. Das Kreisjobcenter (KJC) Marburg-Biedenkopf weist 3168 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl damit um 18 Personen oder 0,6 Prozent gesunken.

Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 429 oder 11,9 Prozent zurück. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt aktuell bei 2,5 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,8 Prozent.

„Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich weiterhin auf einem stabilen Niveau. Sorgen macht uns aber der geplante Abbau von Arbeitskräften in der Automobilzulieferindustrie im Westkreis“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern gestern in Marburg.

Anders als bei den Arbeitslosen ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im vergangenen Monat angestiegen.

Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 101 auf insgesamt 6312, was einen Anstieg von 1,6 Prozent bedeutet. Verglichen mit dem Vorjahrsmonat bedeutet dies einen Anstieg um 46 Bedarfsgemeinschaften oder 0,7 Prozent. Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg um 1,6 Prozent auf 8154 Personen zu verzeichnen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 1,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um 89 Personen.

von Andreas Schmidt

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