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Frühjahr belebt den heimischen Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahlen Frühjahr belebt den heimischen Arbeitsmarkt

Ein unerwartet kräftiger Frühjahrsaufschwung hat die Zahl der Arbeitslosen im März auf ein Rekordtief sinken lassen. Bundesweit und auch im Landkreis. Vor allem in Stadtallendorf sank die Arbeitslosenquote binnen Jahresfrist kräftig.

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Schon jetzt verzeichnet die Arbeitsagentur ein kräftiges Plus bei gemeldeten Ausbildungsstellen.

Quelle: Carsten Rehder

Dautphetal-Allendorf. Mit 2,662 Millionen verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit die niedrigste März-Arbeitslosigkeit seit 1991. Das sind 100.000 weniger Jobsuchende als im Februar und sogar 183.000 weniger als vor einem Jahr, die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 6,0 Prozent.

In Hessen ging die Zahl der Arbeitslosen im März auf 171.834 zurück, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Freitag in Frankfurt berichtete. Das waren 3,1 Prozent weniger als im Februar und 4,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote im Land fiel auf binnen Jahresfrist um 3 Punkte auf 5,2 Prozent.

Auch im Landkreis waren im März weniger Arbeitslose gemeldet, wie der Chef der Marburger Arbeitsagentur Volker Breustedt mitteilte: Ihre Zahl sank im Vergleich zum Vorjahr um 146 auf 5179. Die Arbeitslosenquote sank von 4,1 auf 4,0 Prozent.

Volker Breustedt freut sich sichtlich. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Marburg kann beim Presse­termin jede Menge positive Zahlen verkünden. Sie wollen sich vor Ort ein Bild machen. Deshalb stellen die Mitarbeiter der Arbeitsagentur Marburg ihre Statistik zum Arbeitsmarkt auch in heimischen Unternehmen vor. Diesmal fiel die Wahl auf die Metallverarbeitung Mangner GmbH. Dort gab es Positives zu berichten, denn auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Marburg-Biedenkopf geht es bergauf.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist gestiegen. 91.115 Menschen sind dies im Kreisgebiet (52,3 Prozent Männer und 47,7 Prozent Frauen). Der positive Trend lässt sich nicht nur auf die Frühjahrsbelebung zurückführen.

Qualifikation ist ein bedeutender Faktor

Der Anteil arbeitsloser Männer und Frauen ist im Vergleich zum Vormonat um 5,3 Prozent (288 Personen) zurückgegangen. Dass der Trend ein konstanter ist, zeigt ein Vergleich der aktuellen Zahlen mit denen des Vorjahres. Die Zahl der Arbeitslosen sank dabei um 2,7 Prozent (146 Personen). Von diesem Trend profitierten nahe­zu alle Personengruppen und Altersklassen.

Derzeit sind im Kreis 5179 Menschen ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote liegt bei vier Prozent im Kreisgebiet. Nach Regionen aufgeschlüsselt hat Biedenkopf dabei mit 3,3 Prozent oder 1064 Arbeitslosen die niedrigste Quote, Stadtallendorf mit 4,5 Prozent (1452 Arbeitslose) die höchste. In Marburg liegt die Quote bei 4,1 Prozent (2633 Arbeitslose). In Hessen sind es 5,5 Prozent. Breustedt hofft, dass sich der positive Trend im Kreis weiter fortsetzt. Immerhin waren im März 20 Prozent mehr freie Stellen gemeldet als im Vorjahr.

Breustedt sagt dazu, dass gerade die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 3,4 Prozent gestiegen sei. Die Gründe dafür seien vielfältig. Ein wichtiger Faktor sei aber oft eine mangelnde Qualifikation. Ebenfalls gestiegen ist die Zahl derer, die sich neu arbeitslos gemeldet haben. Das waren mit 1353 Personen 11 mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug meldeten sich 1637 und somit 171 Personen (12 Prozent) mehr Menschen als im Vorjahr aus der Arbeitslosigkeit ab. 510 von ihnen haben in eine Erwerbstätigkeit gewechselt.

Mehr Ausbildungsplätze und mehr Bewerber

Den Zahlen der Arbeitslosen stehen die der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze­ und Stellen gegenüber. Hier sind derzeit 697 Arbeitsplätze und 2143 Stellen gemeldet, 122 (21,2 Prozent) beziehungsweise 226 (11,8 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Auch im Bereich Ausbildung entwickeln sich die Zahlen im Landkreis gut. Im Zeitraum von Oktober 2016 bis März 2017 waren 1528 Bewerber gemeldet. Somit haben sich 112 Jugendliche (7,9 Prozent) mehr auf ­einen Ausbildungsplatz beworben als im Vorjahr. Demgegenüber stehen 1 451 gemeldete­ Ausbildungsstellen – 89 (6,5 Prozent) mehr Stellen als vor einem Jahr. Ohne Ausbildungsplatz sind aktuell 923 Bewerber, 830 Ausbildungsplätze dagegen blieben unbesetzt.

Besonders gefragt sind ab dem Sommer laut der Agentur für ­Arbeit Auszubildende für die Berufe Kaufmann im Einzelhandel, Friseur, Handelsfachwirt, Industriemechaniker, Verkäufer, Elektroniker für Betriebstechnik, Koch, Fachverkäufer für Lebensmittelhandwerk, Verfahrensmechaniker (Kunststoff/Kautschuk), Industriekaufmann.

Die Zahl der arbeitslosen Ausländer ist mit 1398 zwar immer noch sehr hoch, der Anstieg konnte jedoch von 21,2 auf 11 Prozent gesenkt werden. „Der Anstieg hat sich minimiert“, sagte Breustedt. Dies liege mitunter auch an der Qualifizierung durch die Arbeitsagentur. Der Trend spiegelt sich bei den Zahlen der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wider. Hier stieg die Zahl der Ausländer auf 8276 Personen, das sind 9,7 Prozent.

Langzeitarbeitslosigkeit im Jahresvergleich leicht höher

Die Frühjahrsbelebung hat im März die Zahl der arbeitslosen Menschen, die vom Kreisjobcenter (KJC) betreut werden (Rechtskreis SGB II), im Landkreis wieder sinken lassen. Das KJC weist in seiner aktuellen Statistik 3039 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 60 Personen oder 1,9 Prozent weniger als noch im Vormonat.

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 78 Personen oder 2,6 Prozent gestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt bei 2,4 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,3 Prozent.

„Der Frühlingsanfang hat für eine erste Belebung am ­Arbeitsmarkt gesorgt. Viele Betriebe aus der Hotel-, Gaststätten- und Freizeitbranche haben für das Ostergeschäft Personal eingestellt“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige­ Sozialdezernent ­Marian Zachow.­ „Die kommenden Monate sind erfahrungsgemäß gut für die Vermittlungszahlen und wir verbinden damit die Hoffnung auf einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit“, so Zachow.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im aktuellen Monat erneut angestiegen. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 79 oder 1,2 Prozent auf 6783. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 411 oder 6,5 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat um 161 oder 1,8 Prozent auf 8891 Personen gestiegen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 7,4 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht ­einem Plus von 610 Personen.

von Jenny Berns

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