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Frühjahr belebt den Arbeitsmarkt

Migration bereitet keine Sorgen Frühjahr belebt den Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt im 
Landkreis nimmt weiter Fahrt auf: Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent, im Hinterland ist sogar die statistische Vollbeschäftigung in Sicht.

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Im 
Landkreis ist die Arbeitslosenquote weiter gesunken.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf waren nach Angaben der Arbeitsagentur im März 5 325 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 256 Personen oder 4,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur Marburg, erläutert: „Bei der Quote haben wir mit 4,1 Prozent den zweitbesten Arbeitsagentur-Wert in Hessen“ – lediglich die Arbeitsagentur Fulda stehe mit 3,8 Prozent etwas besser da.

Besonders positiv sticht das Hinterland aus der Statistik hervor: Dort sank die Arbeitslosenquote binnen Jahresfrist von 3,4 auf 3,3 Prozent, somit rückt die statistische Vollbeschäftigung, von der man bei einer Quote ab 3,0 Prozent spricht, näher. „In Biedenkopf sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um 10,9 Prozent“, so Breustedt – das entspricht 36 Personen. In Gladenbach sei die Zahl indes um 10,8 Prozent oder 24 Personen gestiegen.

Neu arbeitslos meldeten sich im März 1342 Personen, 117 oder 8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gegenüber Februar meldeten sich 381 Personen oder gut ein Fünftel weniger arbeitslos. Es gab auch deutlich weniger Arbeitslosmeldungen nach vorheriger Erwerbstätigkeit: 627 zuvor erwerbstätige Personen meldeten sich, das waren 183 weniger als im Februar und 59 weniger als vor einem Jahr.

Arbeitsmarkt präsentiert sich „äußerst robust“

Parallel dazu konnten sich 1466 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 63 oder 4,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Für 508 Personen endete die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – 36 oder 6,6 Prozent weniger als vor einem Jahr, 38 oder 8,1 Prozent mehr als im Februar.

Der Arbeitsmarkt präsentiere sich im Landkreis „äußerst robust“, so Breustedt. „Gut sieht es auch bei der Personengruppe der Über-55-Jährigen aus: Dort haben wir ein Minus von 9,6 Prozent – sie nehmen also überproportional an der guten Entwicklung des Arbeitsmarkts teil“, so Breustedt.

Der Fachkräftebedarf wirke sich in vielen Branchen insofern aus, „dass man zu der Erkenntnis kommt, auch einen Älteren muss man nicht zur Arbeit tragen“, formuliert es Breustedt. Vielmehr würden immer mehr Arbeitgeber das Potenzial in dieser Gruppe erkennen.

Angestiegen ist indes erneut die Zahl der arbeitslosen Ausländer – um 83 Personen auf 23,7 Prozent. Diese Zahl korreliere fast eins zu eins mit dem Anstieg der Arbeitslosen aus den Asylzugangsländern: Die lag im März vergangenen Jahres noch bei 361 und ist binnen Jahresfrist auf 445 gestiegen.

Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen steigt

„Die Zahl wird auch weiter ansteigen“, ist sich Breustedt sicher, „aber das versetzt uns nicht in Panik“. Denn: „Der Arbeitsmarkt ist bei uns so strukturiert, dass wir das wegstecken können. Das wird zwar nicht einfach und wird eine Weile dauern, aber das können wir verarbeiten.“

Ein gutes Indiz dafür seien die gemeldeten Stellen. So seien bei der Agentur für Arbeit Marburg im März 575 neue sozialversicherungspflichtige Stellen hereingekommen – ein Plus von 1,8 Prozent. „Seit Jahresanfang wurden 1672 Stellen gemeldet, das ist ein Plus von 5,8 Prozent – und die Entwicklung bricht nicht ab“, verdeutlicht Volker Breustedt. Insgesamt gab es zum Stichtag im September ­vergangenen Jahres 89.470 sozial­versicherungspflichtig Beschäftigte, im Vorjahr waren es noch 703 weniger.

Die Stimmung in der Wirtschaft sei weiterhin positiv – das belegten nicht nur Umfragen der Wirtschaftsforschungsinstitute, sondern auch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. „Daran kann man ziemlich genau sehen, ob die Betriebe sich etwas zutrauen“, sagt Breustedt. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen sei auf 1346 gestiegen – ein Plus zum Vorjahr um 3,7 Prozent oder 48 Stellen.

„Die guten Zahlen sind nicht zementiert, es wird im Jahresverlauf bestimmt Änderungen geben und die Migration wird Auswirkungen haben.“ Ein Vorteil der Region sei jedoch, dass es einen breiten Branchenmix gebe – „dadurch ist der Arbeitsmarkt nicht so anfällig“, sagt Breustedt.

Bereits seit Jahresbeginn geht auch die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB II in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters (KJC) zurück. Das KJC weist für März 2 961 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat Februar ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 55 Personen oder 1,8 Prozent zurückgegangen.

Bester März-Wert seit 
der Einführung von Hartz IV

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis um 90 Personen oder 2,9 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt weiter bei 2,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,4 Prozent.

„Die guten Nachrichten vom regionalen Arbeitsmarkt halten an. Wir registrieren aktuell die geringste Arbeitslosigkeit in einem März seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005“, stellte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow (CDU) fest.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im vergangenen Monat erneut angestiegen, sodass mehr ­Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 62 oder 1,0 Prozent auf insgesamt 6372. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 34 Bedarfsgemeinschaften oder 0,5 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten­ stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent auf 8281 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,5 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 43 Personen.

von Andreas Schmidt

 
 
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