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Von der Schere will er noch nicht lassen

Goldenen Meisterbrief Von der Schere will er noch nicht lassen

Seit 50 Jahren ist Rudolf Fichtner Friseurmeister – und gleichzeitig das 
 „Gedächtnis der Innung“, denn seine Chronik rund um das Handwerk reicht bis ins Jahr 1957 zurück.

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Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher (von links) übergab den goldenen Meisterbrief im 
Salon von Tochter Silke an Rudolf Fichtner.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Als Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher zur Verleihung des goldenen Meisterbriefs kommt, ist es fast wie ein Familientreffen, denn: „Den Rolph kenne ich schon, seit er ein Baby war. Ich habe nämlich im Salon seines Opas Herrmann als Geselle gearbeitet.“

1956 hatte der heute 75-Jährige seine Ausbildung im Salon Erich Rupp begonnen, wurde 1959 als Geselle übernommen und nach drei Jahren zum Wehrdienst eingezogen. Im Anschluss arbeitete Fichtner im Salon von Limbacher als Geselle und legte 1967 seine Meisterprüfung ab. Am 1. März 1968 eröffnete er dann seinen eigenen Salon.

„Ich gratuliere dir von ganzem Herzen – vor allem, weil du immer noch aktiv am Stuhl stehst, das ist schon außergewöhnlich“, sagte Rolph Limbacher, als er dem Jubilar seinen goldenen Meisterbrief überreichte.

„Die Liebe zum Beruf 
ist bis heute geblieben“

Und in der Tat: Mehrmals pro Woche schaut Fichtner in „seinem“ Salon in der Brüder-Grimm-Straße noch vorbei. Den hat er zwar 2010 bereits an seine Tochter Silke übergeben, „aber ohne Schneiden kann ich einfach nicht, da würde mir etwas fehlen. Die Liebe zum Beruf ist bis heute geblieben.“

Als er angefangen habe, sei er mit einer der Jüngsten in der Innung gewesen, „heute bin ich der Älteste“, sagt Fichtner. Auf seine bisher 61 Berufsjahre blickt er mit viel Freude zurück. „Es ist für mich ein Beruf mit Leib und Seele“, sagt er. Rudolf Fichtner verrät auch, dass er dafür gesorgt habe, dass Rolph Limbacher überhaupt in die Friseur-Innung eingetreten sei.

„Ich habe ihm damals gesagt, dass er ein Trittbrettfahrer ist“, erinnert er sich. Das hatte sich Limbacher offenbar zu Herzen genommen: Er trat in die Friseur-Innung ein, wurde später dann nicht nur Obermeister, sondern ist mittlerweile Kreishandwerksmeister. „Ich denke jede Woche an dich, wenn ich meine Termine für die Woche plane“, scherzte Rolph Limbacher, „dir verdanke ich nämlich die ganzen Ehrenämter“.

Ehrenamt ist auch ein großes Thema für Rudolf Fichtner: Zwölf Jahre lang engagierte er sich als Lehrlingswart, ebenso lange war er Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses. „Die Ausbildung junger Menschen war mir immer sehr wichtig“, sagt er.

„Rudolf ist ein wandelndes Friseur-Lexikon“

Hinzu kommt eine langjährige Mitarbeit im Vorstand der Friseur-Innung. Außerdem führt Fichtner die Chronik der Innung: Bis ins Jahr 1957 zurück reicht seine Sammlung von Fotos, Dokumenten und Zeitungsartikeln, die mittlerweile vier dicke Aktenordner füllen. „Wenn die ,Oberhess‘ mal abbrennt, sind alle Unterlagen hier, was das Friseur-Handwerk angeht“, scherzt Limbacher, „Rudolf ist ein wandelndes Friseur-Lexikon“.

Rolph Limbacher weiß außerdem: „Er ist auch die gute Seele der Innung, das kann man ohne Zweifel sagen. Denn er versucht immer, für alle da zu sein – auch neben dem Geschäftlichen und der eigentlichen Innungsarbeit.“

Wann Fichtner die Schere letztendlich aus der Hand legt, weiß er noch nicht – nächstes Jahr steht erst einmal das 50-jährige Jubiläum des Salons an. Und dann? „Schon Henry Ford hat gesagt: ,Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, mag er 20 oder 80 Jahre zählen. Jeder, der weiterlernt, ist jung, mag er 20 oder 80 Jahre zählen.‘ Insgesamt bin ich mit dem, was ich in meinem Leben erreicht habe, sehr zufrieden.“

von Andreas Schmidt

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