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Friseure engagieren sich für Flüchtlinge

Ehrenamt Friseure engagieren sich für Flüchtlinge

Nadine Sisamci möchte helfen. Daher schnitt sie am Mittwoch mit einem Teil ihres Teams rund 30 Flüchtlingen die Haare. Die Aktion möchte sie gerne wiederholen und auf Gießen ausweiten.

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Nadine Sisamci rasiert einem Flüchtling einen Stern als Muster in die Haare. Gemeinsam mit drei Kollegen frisierte sie im Berufsbildungszentrum rund 30 Flüchtlinge – kostenlos.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Die Friseurmeisterin betreibt seit einigen Jahren ihren eigenen Salon „Haaribo“ auf dem Richtsberg. Die Situation der Flüchtlinge im Flüchtlingslager in Cappel berührt sie sehr. Denn sie sagt: „Ich lebe seit 25 Jahren in Deutschland und bin damals selbst als Flüchtling in Deutschland angekommen.“

Denn Sisamci ist gebürtige Kurdin, „wir sind damals mit der gesamten Familie hier angekommen, mit sechs Kindern“, erzählt sie. Von daher könne sie das Schicksal der Flüchtlinge zumindest zum Teil nachvollziehen. Und auch die Gefühlslage der Menschen im Cappeler Zeltlager versteht Nadine Sisamci gut.

„Wenn man hört, was den Menschen passiert ist, versucht man natürlich zu helfen“, sagt sie. Vor einigen Wochen habe sie bereits eine private Kleidersammlung organisiert und die Kleider direkt ins Camp gebracht, „und ich hatte auch Süßigkeiten für die Kinder dabei. Dann kam mir die Idee, dass wir den Menschen doch die Haare schneiden könnten.“

BBZ für die Aktion optimal gelegen

Das Problem dabei: „Die Flüchtlinge in unseren Salon zu bekommen ist schwierig, denn der Weg auf den Richtsberg ist natürlich erst mal schwer zu finden in einer fremden Stadt“, sagt die Friseurin.

Also rief sie im Berufsbildungszentrum (BBZ) an, das wegen der unmittelbaren Lage zum Camp prädestiniert sei, klärte mit Geschäftsführerin Birgit Sturmat-Rosenbaum den Termin ab – und akquirierte drei Kollegen auch von außerhalb, mit denen sie in der Friseurwerkstatt des BBZ zur Tat schritt. „Der Rest meines Teams muss im Salon die Stellung halten“, sagt die Meisterin.

„Die Aktion kommt super bei den Flüchtlingen an“, schwärmt Sisamci. In rund zweieinhalb Stunden schnitten sie und ihre Kollegen etwa 30 Flüchtlingen die Haare. Die Kommunikation war zwar hier und da etwas holprig, „aber es klappt ganz gut: Ich spreche Kurdisch, eine Kollegin Türkisch, und natürlich können wir alle Deutsch und Englisch.“ Und auch mit Gesten und Handzeichen kam man zum gewünschten Ziel.

Nadine Sisamci würde den kostenlosen Service gerne regelmäßig anbieten, laut ihrer Vorstellung „so alle zwei Wochen“. Und da eine ihrer Kolleginnen aus Gießen kommt, könne sie sich auch vorstellen, Flüchtlingen dort in der Erstaufnahmeeinrichtung regelmäßig kostenlos die Haare zu schneiden.

Neuauflage der Aktion hängt von Verfügbarkeit ab

Denn sie weiß: „Wenn man viel durchlitten hat, dann kann eine neue Frisur zumindest ein Stück weit zum Wohlbefinden beitragen – damit die Leute sich in ihrer Haut wieder wohlfühlen.“

Ob eine Neuauflage der Aktion im BBZ möglich ist, ist allerdings nicht sicher. Denn BBZ-Geschäftsführerin Birgit Sturmat-Rosenbaum zeigt sich von der Anfrage der OP überrascht: „Die Initiatorin hat mit mir über eine Wiederholung einer solchen Aktion bisher nicht gesprochen“, sagt sie.

Prinzipiell stehe man den ehrenamtlichen Aktivitäten allerdings aufgeschlossen gegenüber, aber: „Die Friseurwerkstatt ist stark ausgelastet. Und wenn es dann nur noch ein schmales freies Zeitfenster gibt, dann wird diese auch von unserem Reinigungsdienst benötigt.“ Sollte Nadine Sisamci auf sie zukommen, werde man sehen, ob eine Lösung möglich sei.

von Andreas Schmidt

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