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Frau wehrt sich gegen Arbeit an der Friteuse

Arbeitsgericht Frau wehrt sich gegen Arbeit an der Friteuse

Eine Mitarbeiterin einer Fast-Food-Kette weigerte sich, in der Küche zu arbeiten. Nach einem langen Streit einigten sich das beklagte Unternehmen und die Klägerin auf eine Kündigung und eine Abfindung.

Marburg. Wegen Arbeitsverweigerung erhielt eine Mitarbeiterin einer Fast-Food-Kette in Marburg Ende vergangenen Jahres zwei Abmahnungen. Da sie sich ungerecht behandelt fühlte, zog sie vor das Gießener Arbeitsgericht (die OP berichtete). Die Klägerin arbeitet seit über zehn Jahren an der Kasse des Schnellrestaurants. Als die Schichtleitung sie Ende vergangenen Jahres an die Friteuse schickte, weigerte sich die Frau diese Arbeit zu übernehmen. Ihrer Meinung nach schließt ihr Arbeitsvertrag Küchenarbeit nicht mit ein. Zudem vertrage sie die Hitze des Gerätes nicht und bekäme dadurch gesundheitliche Probleme. Sie wendet sich entschieden gegen die Abmahnungen.

Das beklagte Unternehmen beruft sich darauf, dass sie als Systemgastronomiemitarbeiterin laut Arbeits- und Tarifvertrag überall einsetzbar sei. Die Frau sei dadurch verpflichtet alle Tätigkeiten auszuführen. Zudem gäbe es ein Rotationsprinzip, so dass jeder Mitarbeiter mal an jeder Station tätig sein müsse, erklärten Restaurantleiter und dessen Assessorin. Ein vom Arbeitgeber gefordertes ärztliches Attest, dass die Mitarbeiterin nicht bei großer Hitze arbeiten könne, gibt es nicht. Zudem hätte die Klägerin, nachdem sie sich geweigert hatte zur Friteuse zu gehen, an der Pommes-Frites-Station gearbeitet, an der die Wärmeentwicklung noch größer sei, erklärte der Restaurantleiter. Da die Klägerin überraschenderweise nicht vor Gericht erschien, las Richter Rühle ihre im vorangegangenen Gütetermin getätigte Stellungnahme vor. „Die Anweisungen in der Küche zu arbeiten seien reiner Sadismus“, gab sie an und betonte, dass sie von ihrem Arbeitgeber gemobbt werde.

Außerhalb des Gerichts konnte keine gütliche Einigung erreicht werden. Beide Seiten stimmten jedoch zu, dass das Arbeitsverhältnis aufgehoben werden sollte und führten in den vergangenen Wochen bereits intensive Gespräche über einen Vergleich. Streitpunkte waren vor allem der Kündigungszeitpunkt und die Höhe der Abfindungszahlungen. Die Arbeitgeberseite schlug als Kündigungstermin den 31. Juli 2013 vor. Die Klägerin forderte eine Verlängerungsfrist bis zum 30. September sowie eine Abfindung von 7500 Euro. Dies lehnte wiederum das Unternehmen ab. Eine Zahlung von über 5000 Euro müsse der Betrieb mit der Unternehmenszentrale abstimmen. Diese sei nicht genehmigt worden, erklärte der Rechtsbeistand vor Gericht und bot der Klägerin eine Abfindungszahlung von 5000 Euro an. Deren Anwalt erreichte seine Mandantin nicht, wertete ihre Abwesenheit jedoch als Zustimmung. Daher stimmte er der vorgeschlagenen Summe zu, forderte aber erneut die zusätzlichen zwei Monate Kündigungsfrist ein. „Um die Diskussion endlich zu beenden, sind wir was das angeht offen“, teilte die Assessorin des Unternehmens schließlich leicht genervt mit. „Das Vertrauensverhältnis ist gestört“, stimmte auch der Restaurantleiter zu. Die Mobbingvorwürfe wiesen beide erneut strikt zurück.von Ina Tannert

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