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Fragebogen soll Belastung belegen

UKGM Fragebogen soll Belastung belegen

Anfang November erhalten die Beschäftigten an beiden UKGM-Standorten einen Fragebogen zu ihrer Belastung am Arbeitsplatz – als Schritt auf dem Weg zum Tarifvertrag Gesundheitsschutz.

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„Mach mal Pause“ steht auf einem Schild vor dem Eingang des Hörsaals, in dem die Betriebs­versammlung des UKGM stattfand. Doch Pausen sind aufgrund von stetig steigender Überlastung am Klinikum nur bedingt möglich.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am Mittwoch fand eine Betriebsversammlung am UKGM-Standort Marburg statt. Allerdings war diese nicht so gut besucht wie üblich: Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher spricht von etwa 200 Teilnehmern, was wohl dem Termin in den Ferien geschuldet sei. Doch terminlich sei es nicht anders gegangen – daher werde man am 17. November eine weitere Betriebsversammlung anbieten.

Thema war erneut die Überlastung der Beschäftigten. Laut Betriebsrat seien im Zeitraum von März bis September 148 Überlastungsanzeigen von Mitarbeitern eingegangen – „und jede Einzelne ist eine zu viel“, sagt Björn Borgmann vom Konzernbetriebsrat.

Bettina Böttcher fügt hinzu: „Das Thema führt immer wieder zu Diskussionen mit dem Arbeitgeber, der sagt, es handele ich nur um eine gefühlte Mehrbelastung und an anderen Kliniken sei es noch viel schlechter.“ Also habe man sich in langen Verhandlungen und auch bei den Tarifgesprächen darauf geeinigt, die Belastung messen zu lassen. Und zwar durch die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften – ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut. „Der Fragebogen wird Anfang November an alle Beschäftigten an beiden Standorten zugeschickt“, so Böttcher.

Gut 100 Fragen müssten die Arbeitnehmer beantworten, was etwa eine halbe Stunde in Anspruch nehme. „Danach wird der Fragebogen von dem Institut ausgewertet – die Daten werden anonymisiert, weder Arbeitgeber noch wir erhalten Einblick“, versichert Böttcher. Niemand werde aufgrund der Antworten Rückschlüsse auf die einzelnen Personen ziehen können.

Befragung sei „wirklich die Stimme des Betriebes“

Sie bezeichnet die Befragung als ein „Handlungsinstrument, um endlich von dem Argument der gefühlten Belastung wegzukommen“, verdeutlicht Böttcher.

Bis Ende des Jahres hat das Personal von UKGM und der UKGM Service GmbH dafür Zeit, bis März kommenden Jahres sollen dann die Ergebnisse vorliegen. Danach werde man gemeinsam mit der Geschäftsführung erörtern, welche Schlüsse man aus der Befragung ziehen können – „wir wollen bessere Arbeitsbedingungen haben“, so Böttcher.

Daher sei es wichtig, dass möglichst viele den Fragebogen ausfüllen – „sonst argumentiert der Arbeitgeber, dass die Situation ja so schlimm nicht sein kann, wenn die Mitarbeiter nicht einmal die Fragebögen ausfüllen“. Böttcher verdeutlicht: „Jetzt kommt es auf jeden an – das ist wirklich die Stimme des Betriebes.“

Für die Betriebsratsvorsitzende ist klar: „Wir brauchen ein Messinstrument“ – und dies sei der Fragebogen. „Der nächste Schritt ist dann, die Ergebnisse in einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag einfließen zu lassen“, sagt sie.

Geschäftsführung ist "entspannt"

Borgmann fügt hinzu: „Die Geschäftsführung hat während der Betriebsversammlung gesagt, sie sei sehr entspannt, denn man liege im Branchenschnitt, es gehe allen Kliniken so. Unsere These ist aber: Selbst wenn es uns im Schnitt schlecht geht, wollen wir das trotzdem verbessern.“ Selbstverständlich gebe es auch Beschäftigte, denen es an ihrem Arbeitsplatz gut gehe.

„Aber dann wollen wir auch wissen, warum das so ist – um das auf andere Arbeitsbereiche zu übertragen, damit alle profitieren können.“Der Marburger Betriebsrat werde immer „als der Krakeeler dargestellt. Aber wir wissen, dass es den Gießener Beschäftigten ähnlich schlecht geht.“

Das bestätigte Klaus Hanschur, Betriebsratsvorsitzender am UKGM Gießen. Auch dort sei die Zahl der Überlastungsanzeigen vergleichbar mit Marburg. „Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs“, ist sich Hanschur sicher. Denn: „Bis jemand eine Überlastungsanzeige schreibt – das dauert“, ist er sich sicher. Auch die zahlreichen Gespräche mit Kollegen hätten dazu geführt, „dass wir in größter Sorge um die Gesundheit und die Verfassung der Beschäftigten sind“.

von Andreas Schmidt

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