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Flüchtlinge erkunden den Arbeitsmarkt

Projekt „Voice“ Flüchtlinge erkunden den Arbeitsmarkt

Mit dem Projekt „Voice“ will der Landkreis Flüchtlingen auch Einblicke in die deutsche Arbeitswelt ermöglichen – und ihnen die Integration vereinfachen sowie Perspektiven ermöglichen.

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Einer der Flüchtlinge, der namentlich nicht genannt werden möchte, arbeitet bei Integral auf dem Recyclinghof – er hofft, später zunächst Kfz-Mechatroniker zu werden.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Beim Konzept von „Voice“ stehen der Spracherwerb, die Arbeitsmarkt­erkundung oder auch kulturelle Angebote im Mittelpunkt, um Flüchtlingen bei ihrer Ankunft möglichst frühzeitig zu unterstützen ( die OP berichtete). Dazu zählen beispielsweise auch Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote in arabischer Sprache.

Für eine möglichst effektive Umsetzung des Projektes arbeiten die beteiligten Fachbereiche des Landkreises Büro für Integration, Fachbereich Ordnung und Verkehr, Stabsstelle Wirtschaftsförderung, das Kreisjobcenter Marburg-Biedenkopf und die Arbeitsagentur Marburg eng ­zusammen.

15 Flüchtlinge erhalten derzeit durch sogenannte „Arbeitsgelegenheiten“ die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der deutschen Arbeitswelt zu sammeln. Kooperationspartner ist dabei Integral – „wir wollen den Flüchtlingen damit ein Stück Halt und Orientierung durch eine erste Erkundung des Arbeitslebens und auch eine Motivation, sich persönlich und beruflich neu aufzustellen, bieten“, fasst Helge Micklitz, Geschäftsführer von Integral zusammen. Integral könne dabei auf eine jahrzehntelange Erfahrung bei der Integration auch von Migranten zurückblicken.

Miteinander arbeiten, miteinander sprechen

„Eine sinnstiftende Arbeit, ein strukturierter Alltag und die Kommunikation mit anderen Menschen“ könne auch dabei helfen, das Erlebte hinter sich zu lassen und eine neue Orientierung zu finden. Für den Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) ist klar: „Der ganzheitliche Ansatz von Voice mit Arbeitsmarktintegration, Sprachkurs und kulturellem und wirtschaftlichem Kennenlernteil ist wohl einzigartig.“ Die ersten Erfahrungen seit Projektstart seien durchweg positiv:

„Wir haben beste Erfahrungen bei den Arbeitsgelegenheiten und stoßen auf eine beeindruckende Motivation der Teilnehmer“, so Zachow. Auch der Grundgedanke, dass es durch Arbeit zu Sprachgelegenheiten komme, bewahrheite sich. „Indem man miteinander arbeitet kommt man ins Gespräch – es wird Akzeptanz gesteigert und Miteinanderkultur gelebt, diese Bilanz können wir bereits ziehen.“

Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, sieht es als wichtigen Punkt, die Menschen zusammenzubringen. So seien im gemeinsamen Arbeitsmarktbüro bereits Dutzende Menschen beraten worden.

Für weitere Projekte habe die Arbeitsagentur nun 500.000 Euro aus Mitteln der Bundesagentur erhalten, damit soll etwa das Projekt „Perspektiven für Flüchtlinge“ mit Sprachkursen und dem Zusammenführen von Flüchtlingen und Betrieben finanziert werden. „Unser Ziel ist es, das Können und Wissen von Flüchtlingen schnell für eine qualifizierte Tätigkeit nutzbar zu machen“, so Breustedt. Der Arbeitsmarkt benötige die Fachkräfte.

Alltag durch Arbeit

Bei den Teilnehmern des Projekts, das auf neun Monate angelegt ist, fällt die neue Perspektive auf fruchtbaren Boden, wie zwei Flüchtlinge erläuterten. So berichtet ein 26-Jähriger, der in seinem Heimatland als Lehrer gearbeitet hatte und nun in der von Integral betriebenen Kantine im Landratsamt arbeitet, dass er durch seinen Arbeitsalltag viele Menschen kennenlerne – das sei ihm wichtig. Außerdem könne er so die Sprache besser lernen als nur durch den Unterricht. Für die Zukunft erhofft er sich, irgendwann wieder als Lehrer arbeiten zu können.

Ein zweiter Geflüchteter verdeutlichte, dass er durch die Arbeit endlich wieder einen geregelten Alltag erfahre – in der Erstaufnahmeeinrichtung habe er nichts zu tun gehabt. Der ehemalige Bauarbeiter betont, wie wichtig es für ihn ist, vor allem handwerklich tätig zu sein und mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Er hat das Ziel, zuerst eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker zu absolvieren – und danach will er am liebsten studieren, um Bauingenieur zu werden. Insgesamt sind die bislang 15 Flüchtlinge bei Integral eingesetzt: Vier Personen im Recyclingcenter, zwei im Garten- und Landschaftsbau, sieben in Schulkiosken und zwei im Schul- und Lieferservice.

von Andreas Schmidt

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