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Flexible Fertigung aus „einem Guss“

OP-Ausbildungsserie, Teil 4 Flexible Fertigung aus „einem Guss“

Jeder Bau besteht aus kleinen Einzelstücken, vornehmlich aus Fertigteilen aus Beton. Den künstlichen Stein flexibel und robust zurechtzugießen, dafür ist der Betonfertigteilbauer zuständig.

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Chris Bakes (links) und Ron Wagner bereiten die Bewehrungslage für den nächsten Beton-Guss vor.

Quelle: Ina Tannert

Sterzhausen. Wände, Decken, Rohre, Platten oder Treppenstufen – unzählige Bauteile aus Beton oder Stahlbeton sind in allen Größen und Formen auf der ganzen Welt zu finden, bestimmen nicht nur den Alltag auf der Baustelle.

Produkte aus dem robusten Baustoff aus Sand, Kies und Zement stehen auch im Mittelpunkt des Betonfertigteilwerks der Xebex GmbH. Das Unternehmen stellt Systembauteile, massive Wand- und Deckenelemente her, jährlich rund 65.000 Quadratmeter an Betonfläche, erklärt Betriebsleiter Jörg Schmidt. Im Werk bei Sterzhausen werden vor allem Teile für kleine und große Reihenhäuser aus Beton gefertigt.

Insgesamt 36 Mitarbeiter kümmern sich um das Tagesgeschäft, so wie die ehemaligen Auszubildenden Ron Wagner und Chris Bakes, die mittlerweile fest im Betrieb tätig sind. Sie arbeiten in einem eher unpopulären Beruf, haben die Entscheidung für ihr Handwerk bis heute jedoch nicht bereut. „Man kann etwas mit den eigenen Händen erschaffen und sieht am Ende ein Ergebnis von dem, was man geleistet hat“, erzählt Ron aus seinem Alltag.

Etwa 50 Kubikmeter Beton 
fließen täglich in die Produktionshallen, um zu stabilen, robusten Platten verarbeitet zu werden. Jeden Tag wird die flüssige Masse über ein Leitungssystem in zuvor vorbereitete große Schalen gefüllt. Besonders wichtig ist eine punktgenaue Vorbereitung vor dem eigentlichen Guss: je nach Kundenwunsch lassen sich die Fertigteile flexibel gestalten.

Bauteile werden 
genauestens überprüft

Die Arbeiter müssen die jeweiligen Schalpläne genau befolgen, neben Breite und Länge etwa den korrekten Platz für geplante Bauteile wie Rohre einhalten und diesen Bereich ­„betonfrei“ halten.
Wichtig ist auch, die richtigen Bewehrungseisen mit einzugießen. Die gitterförmigen Stahlteile sorgen für die nötige Verstärkung der späteren Wand. Der Beton trocknet über Nacht.

Jeden Tag werden die tonnenschweren, ausgehärteten Stücke vom Vortag ausgeschalt und versiegelt, mit Kränen aus ihren Betten gehoben und auf „Herz und Nieren“ geprüft. Neben dem richtigen Guss müssen die frei gelassenen Löcher perfekt passen, der mit eingegossene Bewehrungsstahl korrekt sitzen.

Betriebsleiter Jörg Schmidt (rechts) erklärt Arbeitsvermittler Peter Steitz Aufbau und Funktion der massigen Platten. Foto: Tannert

Betriebsleiter Jörg Schmidt (rechts) erklärt Arbeitsvermittler Peter Steitz Aufbau und Funktion der massigen Platten. Foto: Tannert

Quelle:

Die Qualitätskontrolle ist wichtig, jedes Teil soll später schließlich tadellos verbaut werden können. „Man muss einfach Lust haben, richtig zu arbeiten, als Team, und etwas mit den Händen tun“, erklärt Chris. Geht ein Guss einmal daneben, werden die fehlerhaften Platten recycelt, geschreddert und an anderer Stelle – etwa im Straßenbau – verwendet.

Auch wenn die Hauptarbeit im Werk selbst stattfindet – für ein besseres Verständnis besuchen Azubis während der dreijährigen Lehrzeit auch die Baustellen, um zu sehen, wo die Produkte schlussendlich landen und wie sie verarbeitet werden.

Daneben ist der Betonfertigteilbauer geübt im Umgang mit Maschinen. Nur mit Muskelkraft lassen sich die schweren Betonplatten nicht bewegen. Neben der Mischanlage oder dem Betonierkübel gehört der Einsatz von Staplern oder Kränen fest zum Berufsalltag.

Doch nicht nur große Maschinen liefern die Arbeitskraft, bei der tagtäglichen Arbeit ist der mitdenkende Mensch gefragt. „Wir haben noch viel Handarbeit“, erklärt der Betriebsleiter. Ein räumliches Vorstellungsvermögen ist dabei ebenso von Vorteil wie ein Verständnis für Volumen- und Flächenberechnung.

Gesundheitsschutz hat einen hohen Stellenwert

Neben der im Vergleich simplen Herstellung von Wänden oder Decken reicht der Beruf auch in andere, deutlich kompliziertere Bereiche wie den Pfeiler- oder Brückenbau hinein. Beton wird immer und überall verwendet, Arbeitsorte sind auf der ganzen Welt zu finden.

„Außerdem gibt es gute Aufstiegschancen, man kann sich schnell hocharbeiten“, erklärt Arbeitsvermittler Peter Steitz. Dennoch leidet der Beruf bis heute unter einem schlechten Image. Ein Grund dafür ist die nicht ungefährliche Arbeit mit Baustoffen, wie Trennmittel, die früher noch mit gefährlichen Chemikalien versetzt waren.

Diesen waren die Arbeiter damals noch ungeschützt ausgesetzt. Heutzutage sehe das ganz anders aus, „Gesundheitsschutz hat heute einen hohen Stellenwert, das Berufsbild ist aber immer noch etwas verrufen“, erklärt Schmidt.

Darüber hinaus ist die Tätigkeit nicht die sauberste Arbeit und körperlich anstrengend, „aber heute deutlich attraktiver“, so der Betriebsleiter. Trotzdem entscheiden sich nur wenige Lehrlinge für die Branche, derzeit gibt es keinen Auszubildenden im Werk, eine Stelle wäre also noch frei.

Informationen zu freien Ausbildungsstellen im Landkreis gibt es bei der Arbeitsagentur: Kontakt unter 06421/606212 oder per E-Mail unter marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

von Ina Tannert

 
 Top-10 freie Ausbildungsstellen
Koch (19)
Restaurantfachleute (12)
Hörgeräteakustiker (12)
Hotelfachleute (11)
Maurer (10)
Elektroniker – Energie- und Gebäudetechnik (9)
Dachdecker, Fachrichtung Wand- / Abdichtungstechnik (8)
Zahnmedizinische Fachangestellte (5)
Tischler (4)
Betonfertigteilbauer (1)
Stand: 17. Mai, Quelle: Agentur für Arbeit
 
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