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Fleischer kritisieren Gebührenerhöhung

Innungsversammlung Fleischer kritisieren Gebührenerhöhung

Ein gemischtes Resümee zog Fleischer-Obermeister Hermann Rhiel bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung zum abgelaufenen Geschäftsjahr.

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Oben: Ein Metzger schneidet in einer Metzgerei eine Schweinekeule von einem Haken.
Rechts: Fleischer-Obermeister Hermann Rhiel (von rechts), Wolfgang Vogel von der Kreishandwerkerschaft Marburg und Dr. Helmut Otto, Leiter des Fachbereichs „Ländlicher Raum und Verbraucherschutz“, bei der Jahreshauptversammlung.Fotos: Alfons Wieber / Archiv

Quelle: Uwe Anspach

Kirchhain. Leider hatten nur zehn Innungsmitglieder die Versammlung im Kirchhainer Gasthaus „Hessischer Hof“ besucht. Hermann Rhiel beklagte vor allem die neuen Bestimmungen und Vorschriften, die der Branche einen enormen zusätzlichen Arbeits- und Verwaltungsaufwand beschert hätten.

Dazu habe besonders die Kennzeichnung der Allergene beigetragen. „Die 200-Gramm-Gläser und -Dosen sehen mittlerweile durch die vielen Angaben auf dem Etikett aus, als wäre jedes Fleischstück einzeln und namentlich aufgeführt“, ärgerte sich Rhiel.

Kunden schätzen die handwerkliche Qualität

Auch die Dokumentation bei der Buchführung durch das neue Mindestlohngesetz sei sehr zeitintensiv und könne bei kurzfristig auftretenden Aufträgen nur schwer eingehalten werden. „Viele kleine Familienbetriebe arbeiten zusammen teilweise mehr als 200 Stunden in der Woche. Das sind rund 10000 Stunden im Jahr. Wo sind bei vielen Betrieben die errechneten 85000 Euro, die sich aus dem Mindestlohn von 8,50 Euro ergeben, geblieben?“, fragte Rhiel in die Versammlung.

Trotzdem stellte der Obermeister fest, dass es keiner mit der hervorragenden handwerklichen Qualität und Frische der Fleisch- und Wurstwaren der Branche aufnehmen könne. „Unsere Kunden wissen das zu schätzen - und das soll so bleiben“, so Rhiel. Ein weiteres Schwerpunktthema war die im Oktober 2014 durch den Kreistag beschlossene drastische Erhöhung der Fleischbeschaugebühren, die zu Wettbewerbsverzerrungen bei den selbstschlachtenden Betrieben geführt hatten.

In einem Fachvortrag standen dazu Dr. Helmut Otto, Leiter des Fachbereichs „Ländlicher Raum und Verbraucherschutz“ der Kreisverwaltung, und Diethelm Schmidt, Tierarzt vom Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises, Rede und Antwort.

Ursächlich für die Erhöhung sei nach Angaben von Otto das enorme Defizit gewesen, das der Kreis bei der Abrechnung der Fleischbeschaugebühren eingefahren hatte.

Bis zum Oktober 2014 hatte die Gebühr pro Schwein bei 7,50 Euro gelegen. Dadurch war dem Kreishaushalt in der Zeit von 2009 bis 2013 durch die Lohnkosten der Veterinäre ein Minus von rund 350000 Euro entstanden. Allein in 2014 habe der Landkreis bei Einnahmen in Höhe von rund 240000 Euro Ausgaben von 376792 Euro verbucht. Darin seien die Fahrtkosten ebenso wenig enthalten gewesen, wie die sonstigen Neben- und Verwaltungskosten. Die Gebühr in Höhe von 7,50 Euro sei seit 1998 unverändert geblieben.

„Eigentlich sollten wir uns bedanken, dass das Land als damalig verantwortliche Instanz so lange geschlafen hat“, stellte Otto fest. Seit 2005 sei die Verantwortlichkeit der Fleischbeschau auf die Landkreise übergegangen. Auch andere Landkreise hätten die Gebühren bereits deutlich angehoben, ­andere ­lägen allerdings auch deutlich darunter.

Vergangenen Oktober hatte der Kreistag eine Erhöhung der Gebühr auf nunmehr 13 Euro pro Schweinebeschau festgesetzt. Diese Gebühr gelte für alle Betriebe mit Schlachtungen bis zu 35 Schweinen am Tag. Diese einheitliche Gebühr hatte der Kreis festgesetzt, um kleine Betriebe mit geringen Schlachtzahlen nicht noch zusätzlich zu belasten.

„Es rechnet sich fast nichtmehr, selbst zu schlachten“

Lediglich bei den Hausschlachtungen, die allerdings mit 851 privat zu rund 25000 gewerblich geschlachteten Tieren nur eine untergeordnete ­Bedeutung hätten, betrage die Gebühr 16,75 Euro.

Rhiel appellierte dennoch an den Kreistag und sagte, er hoffe auf eine Kostensenkung bei den Gebühren. Diese Erwartung dämpfte Otto allerdings: Die Erfahrungen zeigten, dass Gebühren wohl kaum gesenkt, sondern zukünftig eher angehoben würden.

„Es rechnet sich fast nicht mehr, selbst zu schlachten. Die hohen Gebühren und viele zusätzliche Bestimmungen erdrücken unsere kleinen Betriebe. Der Bleistift sollte nicht allzu sehr angespitzt werden“, stellte Hermann Rhiel fest und bat den Vertreter des Landkreises im Hinblick auf die auch vom Kreis gewünschte Stärkung einer regionalen Vermarktung von Fleisch- und Wurstwaren noch einmal „intensiv mit der Landrätin zu beraten“.

- Als Ersatz für den ausgeschiedenen Reiner Seibert wählte die Versammlung Matthias Nau aus Wittelsberg zum neuen Vorstandsmitglied.

von Alfons Wieber

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