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Ferngesteuerte Flugobjekte über Marburgs Baustellen

Drohnen Ferngesteuerte Flugobjekte über Marburgs Baustellen

Fliegende Augen: Wer Häuser und Landschaften aus der Luft fotografieren lassen möchte, kann Drohnen einsetzen. Wer diese gewerblich nutzt, muss sich an viele Regeln halten, zum Beispiel an die Persönlichkeitsrechte.

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Alles begann vor zwölf Jahren mit dem Hobby Modellhubschrauber. Dann bauten sie eine Drohne – für den gewerblichen Gebrauch. Oliver Bauer (links) und Marco Wende sind Drohnen-Piloten und Unternehmer – im Nebenjob. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Nachdem die OP am Samstag berichtete, dass sich Anwohner in Bauerbach Sorge gemacht hatten, weil sie eine Drohne sahen, rief die Polizei bei Oliver Bauer an. Der Großseelheimer ist hauptberuflich Schreiner und betreibt nebenberuflich mit dem IT-Spezialisten Marco Wende die Firma Fly-Cam. Die beiden Unternehmer bieten Bilder und Videos aus der Luft an – bis zu einer Höhe von 100 Metern. Die Kamera wird von einer Drohne getragen, die von Elektromotoren angetrieben wird. „Wir waren es aber nicht, die die Drohne in Bauerbach steuerten und wundern uns auch, wer das war“, so Bauer. Er kenne die „Szene“ – etwa ein Dutzend Modellflugbauer, die sich regelmäßig auf dem Modellflugplatz in Schröck treffen. Von diesen besitze keiner die beschriebene Drohne.

Drohnen sind unbemannte Luftfahrtgeräte, mit GPS-Funktionalitäten ausgestattet und sehr leicht zu bedienen, sagt Bauer. Schwieriger sei allerdings, die Drohne sicher und zielgenau zu steuern sowie brauchbares Film-Material zu liefern.

Bauer fliegt seit zwölf Jahren Modellhubschrauber – das sei wesentlich anspruchsvoller, sagt er. Über dieses Hobby kam er zu den Drohnen. Gemeinsam mit Wende baut und entwickelt er die modernen Fluggeräte. „Unsere Drohne hat nur 5000 Euro gekostet, weil wir sie selbst zusammen gebaut haben. Eine fertige Drohne kann bis zu 20000 Euro kosten.“ Immer mehr nutzen Drohnen-Bilder. Auch die Feuerwehr in Marburg erwägt, eine Drohne zu kaufen, bestätigt der stellvertretende Marburger Feuerwehr-Chef Andreas Brauer auf Anfrage der OP. Sie könnte zum Beispiel bei der Personensuche oder bei Waldbränden ein gutes Hilfsmittel sein.

Auch bei einstürzenden Dächern könnte man sich mit Luftbildaufnahmen eine Übersicht verschaffen. Drohnen sind derzeit in Marburg über dem Gelände der Alten Gärtnerei, Am Pulverturm, Am Krekel oder in Kirchhain über dem Bürgerhaus regelmäßig im Einsatz. Dabei geht es um die Baustellendokumentation. In all diesen Fällen haben Unternehmen einen Auftrag erteilt. Eine Drohne darf bei gewerblicher Nutzung nur dort starten und landen, wo es der Grundstücksbesitzer erlaubt hat. Dennoch gibt es Grauzonen, weiß Bauer. So starte eine Drohne manchmal auf dem Bürgersteig oder auf der Straße nur einige Schritte vom Baugrundstück entfernt.

Das Recht am eigenen Bild: Keine Personen erkennbar

 

Karsten Schreyer, Geschäftsführer der Firma S und S Grundbesitz hat sich vor einigen Wochen für Drohnen-Bilder entschieden: Früher habe man Kameras auf Baugerüsten installieren oder Hubschrauber-Flüge bezahlen müssen, um Dokumentationen zu erstellen. Das sei nun Vergangenheit, erklärt er. Mit den Luftaufnahmen könne er zum Beispiel Stadtplanern zeigen, wie sich Bauprojekte ins Stadtbild einfügen, und Videofilme lasse er für Werbung drehen. „Aber immer ist zu beachten, dass sich Nachbarn nicht gestört fühlen“, betont er.

Während immer mehr Unternehmer und Institutionen Drohnen-Bilder in Auftrag geben, sorgen sich Bürger um ihre Persönlichkeitsrechte. Eine Veröffentlichung oder Weitergabe der Aufnahme ist nur mit der Einwilligung der abgebildeten Personen erlaubt, erklärt Bauer.

Bilder von Privatleuten auf Privatgrundstücken dürfen nur gemacht werden, wenn die Personen nicht identifizierbar sind. „Viele fragen sich, ob sie beim Sonnen im Garten zu erkennen sind. Wenn ich mit der Drohne 20 Meter hoch fliege, kann ich nicht erkennen, wer auf dem Liegestuhl liegt, erklärt Bauer. Er zeigt Luftbildaufnahmen von den neuen Häusern auf dem Gelände der Alten Gärtnerei: Personen sind nur vage zu erkennen, Gesichter und Körperformen gar nicht. Man sieht zum Beispiel, dass jemand auf einem Fahrrad fährt. Ob Mann oder Frau ist nicht ersichtlich.

„Auch Bauarbeiter auf Baustellen sind nicht zu erkennen“, sagt Bauer. Denn auch hier gilt das Recht aufs eigene Bild. Dennoch gibt es viele ungeklärte Fragen, Grauzonen, sagt Bauer. Wenn er zum Beispiel den Auftrag habe, eine Baustelle zu filmen und der Grundstücksnachbar Sorge habe, erkannt zu werden, zeige er ihm die Bilder.

„Die Anwohner sollten die Piloten direkt ansprechen. In der Regel halten die sich ja in der Nähe auf.“

Bei Videoaufnahmen sind sogar zwei Personen im Einsatz: Einer steuert, der andere filmt. Da nach 15 Minuten das Akku leer sei, dauere ein Drohnen-Einsatz nicht lang, erklärt Bauer. Auch das macht den Nebenjob für den Schreiner so attraktiv: Der Aufwand ist gering. „Modellbau macht Spaß, mit Drohnen kann man Geld verdienen“, fasst er zusammen.

Landesluftfahrtbehörde erteilt die Erlaubnis

- Bei privater Nutzung darf eine Drohne nur auf zugelassenen Flugplätzen sowie außerhalb geschlossener Ortschaften fliegen, der Mindestabstand zu einem Haus muss mindestens anderthalb Kilometer betragen, erklärt Bauer. Auch muss der Besitzer eine entsprechende Haftpflichtversicherung besitzen.

- Für den gewerblichen Einsatz von unbemannten Luftfahrtgeräten benötigt man eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde. Wiegt die Drohne weniger als fünf Kilogramm, kann eine allgemeine Erlaubnis ausgestellt werden, sodass nicht jeder Flug einzeln angemeldet werden muss.

- In Deutschland ist das „autonome Fliegen“ verboten. Das heißt: Beim Flug muss das Gerät in der Sichtweite des Steuerers bleiben, was etwa einer Maximalentfernung von 200 bis 300 Metern entspricht.

- Die Flughöhe ist auf 100 Meter begrenzt.

- Es ist nicht erlaubt, über Menschenansammlungen zu fliegen.

- Der Überflug von privaten Grundstücken ist grundsätzlich nicht verboten – aber umstritten.

von Anna Ntemiris

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