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Speicherpanne legt Testfahrzeug lahm

Autonomes Fahren Speicherpanne legt Testfahrzeug lahm

Acht OP-Leser fuhren am Montagabend erstmals mit einem selbstfahrenden Bus – und erlebten zum Teil auch was passiert, wenn die Technik plötzlich streikt.

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Dominik Helmecke, Roland Hartmann, Sean und Renate Weber erlebten während ihrer Testfahrt mit Operator Kevin Fischer auch, dass die Technik Aussetzer haben kann.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Roland Hartmann, Renate Weber und ihr Sohn Sean sowie Dominik Helmecke steigen in den selbstfahrenden Kleinbus am Standort Behringwerke. Operator Kevin Fischer erklärt den OP-Gewinnern zunächst, wie die Sensoren am Bus funktionieren und wie das Fahrzeug seine Umgebung „sieht“. Dann drückt er auf den Knopf, um die autonome Fahrt beginnen zu lassen. Der Bus ruckt leicht, fährt zwei, drei Meter – und bleibt stehen.

„Wahrscheinlich steht jemand aus der vorherigen Gruppe noch zu dicht an den Sensoren“, mutmaßt Fischer. Doch auch, als rund um den Kleinbus niemand mehr in Sicht ist, beginnt die Fahrt nicht. Fischer klickt sich durch verschiedene Menüs, lässt einige Programmroutinen ablaufen, und schnell wird klar: Der Speicher des Computers ist voll. „Innerhalb einer halben Stunde produzieren wir rund 10 Gigabyte Daten“, erklärt er. Diese müssten verarbeitet werden – und dabei hat sich der Rechner des Fahrzeugs offenbar „aufgehängt“.

Es folgt, was viele Computer-Nutzer auch privat kennen: Erst ein kompletter Neustart kann das System wieder bereinigen. Während dieser Zeit steht der Bus im Dunkeln da – der Strom ist abgeschaltet, die Türen lassen sich nur per Notentriegelung öffnen. Nach einigen Minuten ist er wieder einsatzbereit – dann kann die selbstfahrende Reise auf dem Werksgelände am Standort Behringwerke losgehen. Und sie erfolgt – wie bei allen Fahrten des Tages zuvor – störungsfrei.

„Die Fahrt war schon witzig“

Der Bus zieht mit seinem kräftigen Elektromotor den Berg hinaus, hält planmäßig an der ersten Haltestelle. Unterwegs wird der „People-Mover“, wie der Bus genannt wird, von mehreren Autos überholt, denn es geht mit maximal Tempo 20 voran. An der zweiten Haltestelle folgt eine Schleife, an der Kreuzung hält das Gefährt an und „schaut“ in beide Richtungen, ob ein Auto kommt. Dann geht es auf den Rückweg zur Pforte. An zwei Stellen bremst der Bus stark ab.

„Das sind zwei Schneehaufen, die der Bus nicht erkennt – er sieht sie nur als Hindernisse“, erklärt er. Und bei solchen Hindernissen hält der Bus an – so ist er programmiert. Ebenso, dass er einen längeren Parkstreifen, der fest in seiner Karte hinterlegt ist, weiträumig passiert, egal, ob dort Autos parken oder nicht. Auch dort hält der Bus, checkt mit seinen Sensoren, ob Gegenverkehr kommt und schert dann aus.

Nach einigen Minuten sind die Fahrgäste an der Pforte angekommen. „Die Fahrt war schon witzig“, sagt Roland Hartmann aus Michelbach. Allerdings seien noch einige Fragen zu klären. Das bestätigt auch Kevin ­Fischer, der davon ausgeht, dass „vollautonomes Fahren mit ­Autos von der Stange bestimmt noch 10 oder 15 Jahre dauern kann“.

„Schon ein ganz anderes Gefühl“

Auch Renate Weber, die mit ihrem Sohn Sean an der Fahrt teilgenommen hat, fand die Fahrt „sehr spannend“. Das Risiko schätzten alle – trotz der Startschwierigkeiten – als gering ein, „bei der Geschwindigkeit konnte ja nichts passieren“, kommentiert Roland Hartmann.

Die erste Tour der OP-Gewinner absolvierten Konrad und Edeltraud Sohl aus Weimar sowie der Marburger Taxi-Unternehmer Ingo Brunett mit seinem Sohn Finn-Lucas.
Der 71 Jahre alte Konrad Sohl ist überrascht, dass die Strecke frei programmiert ist und nichts im Boden verlegt werden musste. „Die erste Erfahrung war super – ich bin froh, dass wir sie machen konnten“, sagt er. Er habe sich sehr sicher gefühlt – vor allem, weil der Operator an Bord gewesen sei. „Wenn man aber einsteigt und es ist kein Mensch da – dann ist das schon noch eine komische Geschichte und ein ganz anderes Gefühl“, sagt er. Seine Frau ist sicher: „Es wird bestimmt noch eine Weile ins Land gehen, bis es so weit ist. Ob wir das noch miterleben können, weiß ich nicht“, so die 67-Jährige.

Für Brunett ist klar, dass das autonome Fahren seinen Berufszweig auf lange Sicht überflüssig machen könnte. „Taxen wird es dann bestimmt in einer anderen Form geben. Und auch den öffentlichen Nahverkehr, wie wir ihn jetzt kennen, wird es in 15 Jahren wahrscheinlich so nicht mehr geben.“ Und was sagt Finn-Lucas, mit acht Jahren der jüngste Fahrgast bis dato? „Es war cool.“

von Andreas Schmidt

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Die Fahrt von Ingo Brunett (von links) mit seinem Sohn Finn-Lucas sowie Konrad und Edeltraud Sohl gemeinsam mit Kevin Fischer verlief problemlos. Foto: Andreas Schmid
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