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„Fahrpreise müssten deutlich steigen“

Mindestlohn „Fahrpreise müssten deutlich steigen“

Die Taxi-Branche schlägt Alarm: Durch die Einführung des Mindestlohns müssten die Fahrpreise steigen - doch die Unternehmen bestimmen diese nicht selbst, vielmehr sind die Kommunen zuständig.

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Taxis stehen am Marburger Hauptbahnhof bereit. Die Branche befürchtet, dass durch die Einführung des Mindestlohns zahlreiche Stellen wegfallen werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Die geplante Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro wird in der Taxi-Branche zur Vernichtung von mindestens 50000 Jobs führen. Das ist jeder vierte Arbeitsplatz“, sagt Michael Müller. Er ist der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP.

Für Müller ist es „absehbar, dass viele Taxi-Unternehmen den erhöhten Stundenlohn ab Januar nicht zahlen können und ihren langjährigen Mitarbeitern schon jetzt kündigen müssen, um arbeitsrechtliche Fristen einzuhalten“.

Denn während alle anderen Dienstleister die durch den Mindestlohn entstehenden Mehrkosten sofort an die Kunden weitergeben könnten, sei das für die Taxi-Branche nicht möglich. Der Grund: „Die Tarife für Beförderungsleistungen werden in einem komplizierten und oft langwierigen Verfahren von der öffentlichen Hand festgelegt“, so Müller.

Die Formulierung im Gesetzentwurf, wonach „als Folge der Einführung des Mindestlohns ... sich bei vollständiger Überwälzung der Lohn- und Gehaltssteigerungen die Preise für Güter und Dienstleistungen im Jahr 2015 moderat erhöhen.... könnten“, bezeichnete Müller für die von ihm vertretene Branche als Hohn: „Bei einem Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro müssen nach Meinung von Gutachtern die Kosten für Taxi-Fahrten bundesdurchschnittlich um 25 Prozent steigen.“

Die Branche macht nach Angaben von Michael Müller bundesweit derzeit einen Jahresumsatz von etwa 3 Milliarden Euro. Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro müsste der Jahresumsatz um etwa 750 Millionen Euro steigen.

Herbert Brunett, Vorsitzender der Marburger Taxi-Vereinigung, sieht dies ähnlich: „Wir haben das schon im Vorfeld ausgerechnet, die Fahrpreise müssten mit der Einführung des Mindestlohns deutlich steigen - um etwa 25 Prozent“, sagt er.

„Damit wären aber nur die Kosten für höhere Löhne abgedeckt.“ Nicht berücksichtigt blieben steigende Preise für Kraftstoff, Versicherungen, Fahrzeuge und mehr, gibt er zu bedenken.

Befürchtung: Kunden machen Erhöhung nicht mit

Doch selbst wenn die Genehmigungsbehörden dieser Erhöhung zustimmen würden, hieße das noch lange nicht, dass es der Taxibranche dann auch automatisch gut gehe. Denn: „Dann werden uns wahrscheinlich die Kunden wegbrechen“, gibt Brunett zu bedenken.

In der Region sei die Lage sogar noch dramatischer, weil zahlreiche Taxi-Unternehmen vor allem im ländlichen Umfeld den Großteil ihres Einkommens mit Krankenfahrten bestritten. „Dort müssten die Tarife auch dringend angepasst werden“, sagt Brunett - doch das Gegenteil sei der Fall, die Kassen würden die Tarife für die Kilometer immer weiter drücken. Dies sei eine „bedenkliche Situation“.

In Marburg gibt es derzeit 13 Taxi-Unternehmen, von denen „gut die Hälfte gerade so über die Runden kommt. Mit Einführung des Mindestlohns würde sich deren Situation gravierend verschlechtern“, sagt Brunett. Die Folge wären wohl Unternehmensschließungen.

Personal zu entlassen wäre auch keine Lösung - das Gegenteil müsste wohl der Fall sein: „Wenn ich Aushilfskräfte auf 450-Euro-Basis beschäftige, arbeiten diese weniger Stunden für ihr Geld. Das müsste theoretisch mit neuem Personal kompensiert werden“, sagt Brunett. Ob es dazu freilich komme, stehe in den Sternen - denn dann müsste auch die Kundschaft bereit sein, den Mehrpreis zu bezahlen. Und das sieht der Taxi-Unternehmer derzeit nicht.

Der Bundesverband spricht sich indes für eine Aussetzung des Mindestlohns in der Taxibranche für zwei Jahre aus, um die Genehmigung zur Fahrpreiserhöhung zu bekommen.

Die Marburger Taxi-Vereinigung hat den Antrag noch nicht gestellt. „Ich glaube, viele Kollegen haben den Ernst der Lage noch nicht begriffen“, meint Herbert Brunett.

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