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Fachliche Finesse an der Fleischtheke

OP-Ausbildungsserie: Fleischwarenfachverkäufer Fachliche Finesse an der Fleischtheke

Im Arbeitsalltag eines Fleischwarenfachverkäufers dreht sich vieles um die Wurst – und um so 
einiges mehr. Der Ausbildungsberuf ist deutlich vielfältiger als man denkt.

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Den gesamten Produktionsweg von der Schlachtung bis in die Einkaufstüte lernen die Auszubildenden Sascha Mohr (links) und Kira Dietz in der Metzgerei Rhiel kennen.

Quelle: Ina Tannert

Roßdorf. Frisch zubereitete 
Feinkostsalate, zarte Wurstspezialitäten in Hülle und Fülle und eine Spezialberatung für Kunden samt dem ein oder anderen Kochtrick – all das macht den Beruf des Fachverkäufers für Fleischwaren aus.

Der Verkauf der Produkte in den Fleischereien hat sich an die vielfältigen Wünsche der Kunden angepasst. „Das ist heutzutage mehr oder weniger schon ein Delikatessen-Verkauf“, sagt Hermann Rhiel, Obermeister der Fleischerinnung Marburg. Das wirkt sich auch auf die umfangreiche Ausbildung aus, wie derzeit die Auszubildende Kira Dietz in der Metzgerei Rhiel in Roßdorf lernt.

Jeden Morgen bereitet die 19-Jährige gemeinsam mit den Kollegen die Zutaten für das Tagesgeschäft vor, bereitet frische Fleisch-, Kraut- oder Nudelsalate zu und räumt die Fleischtheke ein. Aufschnitt, Fleisch- und Wurstwaren werden dekorativ und ansprechend präsentiert, Verkaufstafeln beschriftet, vielleicht ein bestellter Geschenkkorb gepackt und die Angebote des Tages erstellt.

Kunden schätzen Beratung und Produktwissen

Bei jedem Arbeitsschritt wird penibel auf eine schöne Auslage und Sauberkeit geachtet. „Hygiene hinter der Theke, ein freundliches Wesen und detaillierte Fachkenntnisse sind ganz wichtig“, fasst Rhiel zusammen.

Und davon lernt Kira so einige während der dreijährigen Ausbildung. Es stehen ein detailliertes Produktwissen und die fachliche Beratung der Kunden ganz oben auf der Prioritätenliste. Dafür muss die angehende Fachverkäuferin wissen, wo das Fleisch herkommt und wie man es zubereitet. Dieser Teil der Ausbildung würde wohl auch bestens in die Kochlehre passen – Kira lernt gerade, welches Stück von welchem Tier sich besonders gut zum Kochen, Braten oder Frittieren eignet, mögliche Zubereitungsarten, die Herstellung von Marinade und die besten Garzeiten.

Ihre neueste Lektion: „Das Fleisch aus der Oberschale eignet sich prima für Rouladen“, erzählt sie. Auch selber legt sie Hand an die Pfanne an, brät 
 Frikadellen oder Schnitzel, die die Kunden gerne als schnellen Snack für zwischendurch bestellen.

Die Metzgerei hat rund 100 Wurstsorten aus eigener Herstellung im Repertoire, ist auf Hausmacher Wurstwaren spezialisiert: Neben einer ganzen Reihe an „typischen“ Produkten hinter der Ladentheke muss sich Kira auch bei besonderen oder saisonalen Spezialitäten auskennen – inklusive Rezepten für den Feiertagsbraten.

„Mir gefällt alles an diesem Beruf“

Die angehende Fachverkäuferin entschied sich nach der Berufsberatung der Arbeitsagentur für ihren Job. Die abwechslungsreiche Arbeit im Team und der Umgang mit Menschen, die sie beraten kann, haben sie begeistert, „mir gefällt alles an diesem Beruf, es gibt immer Abwechslung“, freut sich die 19-Jährige.

Dass die Theke stets frisch 
bestückt werden kann, darum kümmern sich die Kollegen aus der Fleischerbranche im Hintergrund, so wie Fleischerlehrling Sascha Mohr. Unter dem Dach der Metzgerei mit eigener Hausschlachtung sind beide Handwerke vereint, fließen teils ineinander über. Zeitweise büffeln die Ausbildungsklassen gemeinsam in der Schule. So wie Kira lernt auch der Kollege die Verarbeitung seiner Produkte, beschäftigt sich mit Lagerung, Reifeprozessen der einzelnen Fleischsorten, Inhaltsstoffen und Zubereitung.

Wie viele andere Handwerke hat auch die Fleischerbranche Probleme, ausreichend Lehrlinge zu finden, „wir spüren den Nachwuchsmangel – viele freie Stellen können wir nicht besetzen“, berichtet Rhiel. Auch der halbe Arbeitstag am Samstag schreckt so manchen ab, dabei werde in der Branche auf ausgleichende Freizeit geachtet, erklärt der Fleischermeister. Die Metzgerei Rhiel hat für ­dieses Jahr noch eine freie Stelle im Ausbildungsberuf Fleischer.

von Ina Tannert

 
Top 10 freie Ausbildungsstellen

Restaurantfachmann (12)
Fachverkäufer Fleischerei (12)
Fleischer (7)
Werkzeugmechaniker (7)
Gebäudereiniger (7)
Tischler (4)
Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter (3)
Straßenbauer (2)
Steinmetz und
Steinbildhauer (2)
Gärtner (1)

Stand: 1. Juli, Quelle: Agentur für Arbeit

 
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