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Fachkräftemangel erfordert Kreativität

Spanier absolvieren Praktikum bei Domino Fachkräftemangel erfordert Kreativität

Der Markt für Fach- und Nachwuchskräfte ist leer – also knüpft Rolph Limbacher, Inhaber der Friseurkette Domino, auch Kontakte ins Ausland. Derzeit absolvieren zwei Spanier ein Praktikum bei ihm.

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Carlos und Patricia lernen den Friseurberuf an einer Schule in Madrid. Derzeit absolvieren sie ein vierwöchiges Praktikum bei Domino.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Der Fachkräftemangel beschäftigt uns schon geraume Zeit“, sagt Rolph Limbacher.

Also habe er bereits vor zwei Jahren die Idee gehabt, ob nicht vielleicht Spanier Lust hätten, den Friseurberuf in Deutschland auszuüben – auch, weil es in dem Land aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit nur bescheidene Perspektiven für junge Leute gibt.

Limbacher nahm Kontakt zur größten Friseurschule in Madrid auf. „Anders als in Deutschland ist die Ausbildung dort rein staatlich organisiert“, sagt Limbacher. Er stellte an der Schule sein Ladenkonzept vor – „und daraufhin kam die erste Welle von Spaniern nach Marburg, um hier zu arbeiten“. Geblieben ist von den sieben Spaniern allerdings niemand im Salon.

Nur die Besten bekommen Auslandspraktikum

Die Schuldirektorin hatte noch eine andere Idee: Sie schlug eine Partnerschaft im Rahmen des Erasmus-Programms vor. Kerstin Radau von Domino koordiniert das Programm seither – sie ist quasi prädestiniert für den Job, denn sie hat Spanisch studiert.

Doch nicht jeder Schüler kann in den Genuss eines Aufenthalts in Marburg kommen, wie Limbacher erläutert: „Die Schule vergibt die Praktika nur an die jeweils besten Schüler.“ Damit wolle sich die Schule in Madrid von den weiteren Friseurschulen absetzen.

Anfang Mai kamen Patricia und Carlos in Marburg an, begannen ihr vierwöchiges Praktikum – auf dem Plan stand zunächst eine Rundfahrt, bei der Kerstin Radau den „Marburgern auf Zeit“ die unterschiedlichen Domino-Shops zeigte und ihnen auch das Konzept der Kette nahebrachte.

Im Gepäck hatten die Praktikanten – neben jeder Menge Motivation – zumindest rudimentäre Deutschkenntnisse, denn, wie Radau erläutert: „Mittlerweile absolvieren die Praktikanten, die nach Deutschland kommen, einen Deutschkurs, um das Sprachlevel ,B1‘ zu erreichen.“

Arbeit am Kunden ist für die Praktikanten Neuland

Rolph Limbacher ist mit den beiden sehr zufrieden: „Sie sind fachlich sehr gut, sie könnten sofort bei uns anfangen“, lobt er. Allerdings gebe es aufgrund der unterschiedlichen Ausbildung durchaus Unterschiede zu deutschen Azubis: „Es fehlt die Arbeit am Kunden – die Schüler lernen nicht den Rhythmus oder die Geschwindigkeit oder den Umgang mit Kunden an sich.“

Diese Fertigkeiten würden zwar in Rollenspielen geschult – „aber es ist schon etwas anderes, wenn wirklich ein Kunde zur Tür hereinkommt“. Und was bringt das Praktikum dem Geschäft? „Mein Wunsch wäre, dass die Praktikanten nach Spanien zurückkehren und dort so begeistert von Domino sind, dass sie nach ihrer Ausbildung hierher zurückkommen.“

Für den 25-jährigen Carlos wäre das zumindest eine Option. „Marburg ist wunderschön, und die Arbeit hier macht viel Spaß“, sagt er. Er könne sich durchaus vorstellen, nach seiner Ausbildung nach Marburg zurückzukehren. „Meine Freunde würden mich unterstützen, sie haben schon gesagt, dass der Besuch eine tolle Erfahrung ist“, sagt er. Seinen Eltern kommen indes schon die vier Wochen „wie eine Ewigkeit vor“.

Im Austauschheim hängt ein Bild des spanischen Königspaares

Die 18-jährige Patricia fühlt sich ebenfalls sehr wohl, „ich lerne hier ganz neue Techniken, das ist toll“, sagt sie. Auch sie könne sich vorstellen, nach Deutschland zurückzukommen – allerdings hat sie noch keine spanische Staatsbürgerschaft. „Ich komme aus Äquatorialguinea und lebe erst seit neun Jahren in Spanien“, sagt Patricia. Doch wenn sie die Staatsbürgerschaft erhalte, dann wäre Marburg eine Option.

Untergebracht sind Patricia und Carlos derzeit in einem komplett ausgestatteten Haus in Bernsdorf, das Domino angemietet hat. „Dort können maximal 14 Austauschschüler wohnen. Und es gibt auf der Anrichte sogar ein gerahmtes Foto des spanischen Königspaares – gegen das Heimweh“, sagt Limbacher lachend.

Nach Marburg kommen die beiden dank einer Monatskarte – und nächste Woche reisen sie zurück. „Es wäre schön, wenn das eine dauerhafte Einrichtung würde und mehrfach im Jahr Schüler aus Madrid nach Marburg kommen“, sagt Limbacher. Und vielleicht gewinnt Domino so auch neue Fachkräfte.

von Andreas Schmidt

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