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Fachkräfte-Nachwuchs aus dem Süden

Arbeitsmarkt Fachkräfte-Nachwuchs aus dem Süden

Fachkräfte fehlen - da sind sich die meisten Unternehmer einig. Bei der Suche nach der Lösung dieses Problems rücken vermehrt Fachkräfte aus südeuropäischen Ländern in den Fokus.

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Maria Muniz-Sanchez (von links) und Aurora Merino arbeiten in der Marburger Filiale von Neusehland.Foto: Peter Gassner

Marburg. „Die Situation ist so, dass wir seit Langem akuten Mangel haben“, umschreibt Thomas Kupka die Situation auf dem Arbeitsmarkt aus Sicht seines Unternehmens. Kupka ist Prokurist bei der Gießener Augenoptik- und Hörakustik-Firma Neusehland, die an 25 Standorten - unter anderem auch Marburg - Filialen unterhält.

„Jedes Jahr kommt derzeit ein weiterer Standort hinzu“, sagt er und berichtet von leidigen Erfahrungen bei der Suche nach geeignetem Personal für diese Expansion. In der Branche herrsche Vollbeschäftigung, doch damit nicht genug: „jede Woche gibt es bei uns Anrufe, bei denen Headhunter unsere Mitarbeiter abwerben wollen“, schildert der Unternehmenschef die umkämpfte Lage, mit der er konfrontiert ist. Also, so dachte sich Kupka, musste er neue Wege beschreiten und stieß dabei auf Fachkräfte von der iberischen Halbinsel. Mit Maria Muniz-Sanchez und Aurora Merino arbeiten inzwischen zwei Spanierinnen in dem Betrieb.

Den Anfang machte Muniz-Sanchez, die der Liebe wegen nach Deutschland kam. Sie folgte ihrem deutschen Freund, den sie in Spanien kennengelernt hatte vergangenes Jahr in die Bundesrepublik und bewarb sich für ein Praktikum bei Neusehland.

Nachdem dieses positiv verlaufen war, erhielt sie eine feste Anstellung und brachte ihren Chef auf die Idee nach weiteren Fachkräften in Spanien zu suchen. Dort fand er schließlich Merino, die zuletzt ein Jahr arbeitslos gewesen war und die Chance ergriff nach Deutschland zu kommen. „Das Arbeiten ist dasselbe“, finden die beiden Augenoptikerinnen, doch Muniz-Sanchez berichtet auch, dass „die ersten drei oder vier Monate hier sehr schwer waren“. Nach und nach erlernte sie die Sprache erst besser, kann sich aber inzwischen gut verständigen.

Aus diesem Grund kann sie sich auch gut in ihre Kollegin hineinversetzen, die verrät, dass es ihr noch „schwerfällt, mit Menschen in Kontakt zu kommen.“ In der Marburger Filiale, in der Muniz-Sanchez mittlerweile arbeitet, wird sie an ihrer Seite langsam an den Kontakt mit den deutschen Kunden herangeführt. Sprachlich gebe es zwar noch einige Schwierigkeiten, weiß auch Kupka, doch die würden von den Kunden verziehen, ist er überzeugt.

Anderen Unternehmen in einer vergleichbaren Situation rät er deshalb „mutig zu sein“ und Menschen aus Ländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland einzustellen.

Dabei dürfe man jedoch nicht „blauäugig sein und denken es sei einfach“. Eine erfolgreiche Integration der Facharbeitskräfte könne nur gelingen, „wenn man sich um sie kümmert.“

Zur Aufgabe gemacht hat sich dies seit einem halben Jahr ein Arbeitskreis für die Region Mittelhessen, dem unter anderem die Städte Marburg, Gießen und Wetzlar angehören. Es gelte Projekte wie technisch-kaufmännische Sprachkurse, Wohn-„Patenschaften“ bei deutschen Familien oder den jüngst in Gießen erschienenen „Leitfaden“ für südeuropäische Fachkräfte anzustoßen, findet die „Willkommens-Lotsin“ Petra Stuhlmann von der Gießener Wirtschaftsförderung. Denn „Stützbedarf“ sei immer vorhanden.

von Peter Gassner

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