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Experten tagen zur Inklusion

Digitalisierung bietet Chancen für Sehbehinderte Experten tagen zur Inklusion

Bei einem Expertenforum der Blindenstudienanstalt (Blista) ging es unter dem Motto „Zukunft der 
Arbeit“ um Menschen mit Behinderungen und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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Peter Gudat von der Bundesagentur für Arbeit sprach über die 
Zukunft von Arbeit und Arbeitsmarkt.

Quelle: Moritz Gorny

Marburg. Claus Duncker, Vorstandsvorsitzender des Blista e.V. verdeutlichte die Situation am deutschen Arbeitsmarkt: Für Menschen mit Behinderung sei eine Verschlechterung der Beschäftigungsbedingungen zu erkennen. In Bezug auf blinde und sehbehinderte Menschen sei wahrzunehmen, dass „viele Berufsfelder, die klassisch von ihnen ausgeübt wurden, einfach weggefallen sind“.

Zehn unterschiedliche Projekte wurden in ihrer Konzeption und Zielsetzung vorgestellt. Das grundlegende Ziel aller ist es, die Schwierigkeiten für Menschen mit Behinderungen nachhaltig anzugehen. Damit soll der Einstieg in die Erwerbstätigkeit vielfältig ermöglicht und erleichtert werden. Auch kamen Experten für inklusionsnahe Themen in Impulsreferaten zu Wort.

Ellen Bommersheim berichtete etwa vom Projekt „Inklusion & Innovation“, das vom Frankfurter Zentrum für Existenzgründungen „Kompass“ in Kooperation mit der Blista angeboten wird. Unter anderem unterstützt das Projekt Sinnesbehinderte bei der Vernetzung mit bestehenden Geschäftsprojekten. Außerdem werden Innovationsworkshops angeboten.

IHK-Zertifikat erhöht Chancen der Absolventen

Auch bietet die Blista das Programm „sap@blista“ an – es soll ein „didaktisches und barrierefreies Lehrkonzept mit allen erforderlichen barrierefreien Medien und Werkzeugen“ entwickelt werden. So entsteht die Grundlage, um Informatik-Auszubildenden den Umgang mit SAP beizubringen – belegt mit einem IHK-Zertifikat, das die Chancen am Arbeitsmarkt „drastisch erhöhe“.

Jörg Korinek stellte das Mentoring-Projekt „TriTeam“ vor. Zehn blinde und sehbehinderte Studierende werden für ein Jahr von jeweils einem Mentor mit langjähriger Berufserfahrung, der ebenfalls blind oder sehbehindert ist, begleitet. So entstünden authentische und fruchtbringende Beziehungen. Die Kombination aus „Fachebene und Betroffenenerfahrung“ sei eine große Hilfe bei Berufs- oder Studienwahl und in den Bewerbungsphasen, so Korinek.

Dr. Hans-Peter Klös – Geschäftsführer vom Kölner „Institut der deutschen Wirtschaft“ – referierte zur Digitalisierung. Sein Impulsreferat mit dem Titel „Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt“ behandelte etwa das Thema Industrie 4.0 – die Einführung von Bar-
codes, RFID-Transpondern und E-Grains und die starke und zunehmende Vernetzung böten große Chancen für Menschen mit Behinderungen. Dazu müsse die Wirtschaft aber auch bereit sein, die Trends barrierefrei zu gestalten.

Peter Gudat, Fachmann für Integration der Bundesagentur für Arbeit, verdeutlichte, dass durch den demografischen Wandel die Schülerzahlen sinken – ebenso, wie die Nachfrage an Personal für das produzierende Gewerbe. Das habe einen Wegfall der Routinetätigkeiten zur Folge. Umso wichtiger sei die Qualifizierung von Menschen mit Behinderung.

Der Marburger Erziehungswissenschaftler Professor Wolfgang Seitter unterstrich, wie stark heutiges Lernen arbeitsplatzgebunden sei und Personal somit keine autarke Zeit mehr zur Weiterbildung eingeräumt werde. Das Personal müsse autonom entscheiden, wann und wie gelernt werde und wie eine gesunde „Work-Life-Learn-Balance“ aussehen könne.

von Moritz Gorny

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