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Experte rät Händlern, auch online zu verkaufen

Wirtschaftswissenschaftler gab Tipps Experte rät Händlern, auch online zu verkaufen

Alle Händler sollten sich etwas vom Online-Kuchen nehmen. „Mit einer digitalen Allergie geht das aber nicht“, sagte Professor Gerrit Heinemann aus Mönchengladbach in Marburg zu mehr als hundert Vertretern der heimischen Wirtschaft, darunter auch zahlreiche Gewerbetreibende. Der Experte für E-Commerce und Online-Handel sprach in auf Einladung des Arbeitskreises für Kommunalfragen (AfK) zum Thema „sozial-lokal-mobil: Die Zukunft des Shopping in der Stadt“.

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Viele Menschen kaufen von zu Hause aus im Internet ein. Wie Einzelhändler vor Ort von diesem Trend profitieren können, erklärte in Marburg ein Ökonom aus Mönchengladbach.

Quelle: Jens Kalaene / dpa

Marburg. Irgendwann wird der deutsche Verbraucher auch Lebensmittel zunehmend im Internet kaufen, prognostiziert Professor Gerrit Heinemann. Er sagt, dass der Handel nur überlebensfähig ist, wenn er auch mobil erreichbar ist.

Jedes Geschäft sollte auch im Internet, zum Beispiel über die Plattform Ebay, Artikel verkaufen, sagt Heinemann. Die meisten Verbraucher würden heutzutage ihren Einkauf im Internet vorbereiten. Der Wirtschaftswissenschaftler provozierte und gab neue Anstöße, die man in Marburg sicherlich noch weiter diskutieren werde, wie Jan-Bernd Röllmann, Stadtmarketingleiter und AfK-Vorstandsmitglied, erklärte.

Auch unliebsame Kunden als Kunden behandeln

„Beratungsdiebe“: So 
nennen Verkäufer Kunden, die sich im Laden kostenfrei beraten lassen, ihren Einkauf dann aber im Online-Handel abschließen. Das geht gar nicht, meint Professor Gerrit Heinemann. Der Wirtschaftswissenschaftler der Hochschule Niederrhein kritisiert nicht die Kunden, sondern die Geschäftsleute. Sie haben noch nicht erkannt, dass „das Smartphone den Handel neu erfindet“.

Kunden, die in Geschäften ihr Smartphone zücken, um sich Preisvergleiche im Internet einzuholen oder um Produkte abzufotografieren, sind laut Heinemann immer noch Kunden – und als solche wie Könige zu behandeln. Der Experte für Online-Handel aus Mönchengladbach sprach am Dienstagabend vor mehr als 100 Wirtschaftsvertretern, darunter auch zahlreiche Gewerbetreibende, die der Arbeitskreis für Kommunalfragen (AfK) in die Räume der Sparkasse eingeladen hatte.

Heinemann erklärte, dass jedes Geschäft, das seine Zukunft sichern wolle, seine Waren auch online anbieten müsste. Der Kunde, der ein Geschäft betritt, möchte vorher wissen, ob das gewünschte Produkt verfügbar ist und dies gegebenenfalls reservieren, sagte Heinemann und berief sich dabei auf aktuelle Studien. Verfügbarkeit sei Kunden bei bestimmte Waren wichtiger als der Preis.

Szenarien, die der Ökonom aufzeigte: Am liebsten sei es dem Kunden, wenn er im Internet seinen Warenkorb zusammenstellen könne und die gewünschte Ware vom lokalen Händler gegen 21 Uhr – nach dem Abendessen – nach Hause geliefert werde. Der Wachstum im Online-Handel werde dazu führen, dass Klein- und mittelgroße Städte verlieren, „wenn nichts getan wird“, so Heinemann.

Modellprojekt in Möchengladbach

Er rät den Kommunen zur Stärkung des lokalen Handels, leerstehende Ladenflächen zur Umnutzung freizugeben. Flexible Öffnungszeiten und schnelle Lieferzeiten seien ebenso wichtig, um im Wettbewerbsdruck mitzuhalten. Ein traditioneller Bekleidungsanbieter sollte auch auf Eigenmarken setzen und stets frische Ware, also wechselnde Kollektionen, im Verkauf haben, „um nicht langweilig zu werden“, so Heinemann.

Er stellte ein Pilotprojekt aus Mönchengladbach vor. Dort haben unter anderem Einzelhändler, Wirtschaftsförderung, die Hochschule Niederrhein und der Online-Marktplatz Ebay gemeinsam „Mönchengladbach bei Ebay“ ins Leben gerufen – mit Erfolg, so Heinemann. Das Projekt verbindet den lokalen Einzelhandel mit dem Einkaufen im Internet.

Durch eine Kooperation mit Ebay können Ladeninhaber ihr Sortiment neben den bisherigen Vertriebskanälen auch auf dem Online-Marktplatz anbieten. Bestellte Artikel können beim Anbieter vor Ort abgeholt oder nach Hause geliefert werden. Das Attraktive, weil Lukrative: Neben dem lokalen Käuferpotenzial bestehe für die kleinen und großen regionalen Geschäfte – von der Apotheke bis zum Möbelhaus – auch die Möglichkeit, die insgesamt 17 Millionen deutschen Ebay-Nutzer als Kunden zu gewinnen.

Die Zahlen zeigen aber, dass die Händler in Deutschland noch einen langen Weg vor sich haben: Von derzeit rund 300.000 Händlern in Deutschland sind laut Handelsverband rund 70 Prozent noch nicht im Internethandel aktiv. Das Verhalten der Kunden aber verändert sich rasant. Irgendwann werden auch Lebensmittel zunehmend im Internet vorbestellt oder gekauft, ist sich Heinemann sicher.

von Anna Ntemiris

Ein OP-Interview mit Gerrit Heinemann lesen Sie hier.

 
 
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