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„Es waren 31 wunderschöne Jahre“

Elisabethenhof „Es waren 31 wunderschöne Jahre“

Mit der Pensionierung Margaretha Eidams, der langjährigen Leiterin des Elisabethenhofs, ging am Rotenberg jetzt eine Ära zu Ende.

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Wegbegleiter und Geschäftsleitung verabschiedeten Margaretha Eidam: Der Kaufmännische Direktor Ralf Pfannkuche (von links), Margaretha Eidam, ihr Nachfolger Roland Teuber und die Leitende Pfarrerin Barbara Heller.

Quelle: Beatrix Achinger

Marburg. Diese Ära begann 1986: Damals trat die gelernte Hauswirtschafterin Margaretha Eidam ihren Dienst am Elisabethenhof an. Doch schnell spürte sie, dass sie mehr erreichen wollte – nämlich mehr Dienst am Menschen tun und seelsorgerisch tätig sein.

„Also habe ich 1992 meine erste Ausbildung zum Diakonen-Amt begonnen“, erinnert sich Eidam. Stark unterstützt wurde sie vom damaligen Pfarrer am Elisabethenhof. Ein Jahr lang bildete sie sich nebenberuflich im Johanneswerk in Bielefeld fort, es folgten zwei weitere berufsbegleitende Jahre im Theodor-Fliedner-Werk in Mülheim.

„Ich wurde immer unterstützt – sowohl von meinem Arbeitgeber als auch von meiner Familie“, sagt die heute 63-Jährige in der Rückschau. Und es sei in der Retrospektive ein großes Glück gewesen, durch die Weiterbildung auch Einblick in zwei größere diakonische Träger zu bekommen.

„Der Elisabethenhof ist mein Haus“

Mit dem Abschluss als Diakonin in der Tasche übernahm Margaretha Eidam 1997 die Leitung des Elisabeth-Hospiz – damals das zweite Hospiz in Hessen. Außerdem bildete sie sich noch drei Wintersemester an der diakonischen Akademie in Berlin weiter – absolvierte das „Management in sozialen Organisationen“. Denn Eidam war es wichtig, auch den wirtschaftlichen Teil eines Unternehmens zu verstehen, „um eine Einrichtung so führen zu können, dass die sich wirtschaftlich trägt.“

Die Unterstützung durch den Träger habe ihr „jederzeit Kraft und Mut gegeben – ich konnte sagen: Der Elisabethenhof ist mein Haus, ich konnte planen und wirtschaften, man hat mir jegliche Möglichkeiten gegeben“. Auch, wenn der Weg von der Hauswirtschafterin zur Heimleiterin beachtlich ist, würde sich Eidam nicht als „Karrierefrau“ bezeichnen. „Aber ich war zielorientiert“, sagt sie.

Geprägt hat sie direkt der Einstieg in die Hospiz-Arbeit: „Ich möchte keine Stunde, die ich dort gearbeitet habe, missen.“ Die Menschen an ihrem Lebensende zu begleiten, „das hat mein Leben reicher gemacht“. Natürlich habe es auch viele traurige Momente gegeben, „doch die Erfahrung, wie wichtig es ist, Menschen am Ende ihres Lebens Zeit zu geben – das habe ich mit in die Leitung des Elisabethenhofs genommen. Und das habe ich immer versucht, meinen Mitarbeitern mit auf den Weg zu geben.“ Die Kraft für diese besondere Form der Seelsorge schöpft sie aus ihrem Glauben.

Elisabethenhof entwickelte sich zu Komplex-Standort

Im Jahr 2000 übernahm Margaretha Eidam dann den gesamten Elisabethenhof und prägte das Haus bis zu ihrem Abschied am vergangenen Freitag.

Unter ihrer Führung veränderte sich der Standort erheblich. Auch als sich mit den Neubauplänen Altenpflege und Hospiz trennten, bereitete Margaretha Eidam den Weg und wies die Richtung, bis sich der Elisabethenhof heute zu einem Komplex-Standort entwickelte, mit Tagespflege, betreutem Wohnen und ambulanten Diensten.

Mit einer Feierstunde der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen nutzten zahlreiche kirchliche, politische und betriebliche Wegbegleiter die Gelegenheit, Leiterin Margaretha Eidam mit persönlichen Grüßen in den Ruhestand zu entlassen. Zu Beginn stellte die Leitende Pfarrerin Barbara Heller klar: „Wir wollen lediglich ‚Auf Wiedersehen‘ sagen, dies soll keine Verabschiedung sein.“

„Du warst für uns alle eine Kollegin, mit der man herzhaft lachen konnte. Wir alle mussten uns bei dir für unsere Schwächen und Tränen nie schämen. Wenn wir Hilfe brauchten, du warst da“, sagte Marcus Jahn, Heimleiter aus Korbach. Eidams langjährige Arbeit nannte Barbara Heller „unideologisch, einfühlsam, ideenreich und auf dem Boden der Tatsachen“. Bürgermeister Franz Kahle erweiterte dazu: „Es war ihr ein Herzensanliegen, dass Menschen sich wohlfühlen“, und: „Sie hat viel von ihrer Persönlichkeit in die Einrichtung gegeben.“

Dekan überreicht Maria-Magdalena-Medaille

Der Verwaltungsrat, Dr. Dietrich Köhling, hatte für Margaretha Eidam die Gesundbrunnenmedaille, die höchste interne Auszeichnung, parat. Propst Helmut Wöllenstein, der vor 13 Jahren angefangen hatte, im Elisabethenhof zu predigen, stellte fest: „Das Kreuz ist hier nicht nur Dachschmuck. Der Geist der Liebe Gottes ist in diesen Räumen zu erleben.“

Auch Dekan Burkhard zur Nieden bestätigte: „Um Gottes Willen haben Sie getan, was Sie getan haben.“ Danach überreichte er die Maria-Magdalena-Medaille. Irene Euker aus der Mitarbeitervertretung sprach aus einem internen Standpunkt. Sie betonte, dass sich Eidam nicht nur für die beruflichen Qualifikationen, sondern auch für das persönliche Weiterkommen der Mitarbeiter eingesetzt habe.

Margaretha Eidam bilanzierte: „Es waren 31 wunderschöne Jahre in diesem Haus.“ Sie habe viele schöne Begegnungen gehabt, Begleitungen von Bewohnern hätten bis zu 25 Jahren gereicht. „Dabei entstand eine kostbare Verbundenheit zwischen Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern, die mein Leben bereichert hat.“ Und: „Wir haben innerhalb der Evangelischen Altenpflege vieles bewegen dürfen.“

Für den musikalischen Rahmen sorgten Eidams Kollegen in der Formation „Collegian Harmonists“ sowie Enkel Henk mit seinem Gitarrenlehrer Michael Faske und einem selbst geschriebenen Lied.

von Andreas Schmidt 
und Beatrix Achinger

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