Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Es war einfach zu chaotisch“

Aus dem Amtsgericht „Es war einfach zu chaotisch“

Der ehemalige Prokurist eines Unternehmens für den An- und Verkauf von Eiern muss sich wegen ­Insolvenzverschleppung vor dem Amtsgericht ­verantworten.

Voriger Artikel
Zahl der „Komasäufer“ im Landkreis steigt
Nächster Artikel
Mit dem Minijob gegen die Altersarmut

Ein Unternehmen aus dem Landkreis, das mit Eiern handelte, ging Pleite – der ehemalige Prokurist steht wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht.

Quelle: Arne Dedert

Marburg. Nachdem ihn bereits in den vorangegangenen beiden Verhandlungsterminen ehemalige Mitarbeiter in ein schlechtes Licht gerückt hatten, belastete auch eine ehemalige kaufmännische Angestellte des Unternehmens den 51-jährigen Angeklagten.

Die Frau hielt sich pro Woche bis zu drei Stunden in den Geschäftsräumen auf, um auf Honorarbasis die Buchführung – Kassenbücher und Jahresbilanzen – an einem Computer zu erledigen.

Von 2008 bis 2011 war sie für das Unternehmen tätig. Aufgrund des Angeklagten verließ sie die Firma. „Es hat mir nicht mehr gefallen. Er war einfach zu chaotisch, hat Ratschläge ignoriert und wusste immer alles besser“, begründete die Frau ihren Abschied.

Ihre Arbeit habe sie gewissenhaft erledigt. Allerdings fand die Polizei bei der Durchsuchung der Geschäftsräume keine Unterlagen – weder auf Computer noch in Ordnern. Die Polizei stellte auch den Privatrechner des Angeklagten sicher. Doch sie fand darauf keine verwertbaren Daten.

Verbleib einer Maschine 
ist weiterhin ungeklärt

Das Gericht hatte insbesondere zu klären, wer die Geschäftsführung des Unternehmens inne hatte. Zu Beginn der Hauptverhandlung hatte der Angeklagte seine damalige Ehefrau als Geschäftsführerin genannt. Er selbst sei lediglich Prokurist gewesen. Dies schien jedoch nur Fassade.

Denn die Honorarkraft wies den Angeklagten als praktischen Geschäftsführer aus. „Seine Frau hatte mit der Firma nichts zu tun. Einmal hat sie Mittagessen gemacht. Das war‘s“, sagte die Buchhalterin.

Anfang 2011 nahm die damalige Ehefrau des Angeklagten einen Kredit über 25.000 Euro bei einer Bank auf. Eine Eiersortiermaschine des Betriebs diente dabei als Kreditsicherung, hätte also nicht veräußert werden dürfen.

Ende Dezember 2011 verschwand diese Maschine jedoch aus der Firma. Bei einem Treffen mit dem Angeklagten habe dieser der kaufmännischen Angestellten erzählt, was damit passiert sei: „Er hat mir gesagt, dass er das Ding an irgendjemanden verkauft hat.“

Da die Firma spätestens seit Juli 2011 insolvent war, der Angeklagte jedoch keinen Antrag für ein Insolvenzverfahren einleitete, muss er sich wegen Insolvenzverschleppung sowie Betrugs verantworten. Das Verfahren wurde erst eingeleitet, nachdem die Firma von einem anderen Unternehmer übernommen worden war.

  • Die Verhandlung wird am 8. Dezember fortgesetzt.

von Benjamin Kaiser

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr