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"Es muss sich finanziell etwas ändern"

Busfahrer streiken "Es muss sich finanziell etwas ändern"

Pünktlich zum Start an der Philipps-Universität und der Schulen nach den Weihnachtsferien, kommt es ab Montag zu einem unbefristeten Streik der Busfahrer.

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Wie hier im Jahr 2012 stehen ab Montag in Marburg die Busse still. Die Gewerkschaft Verdi hat zum Streik aufgreufen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Mittwochabend mehrere hessische Busbetriebe zum unbefristeten Streik ab Montag aufgerufen. In Marburg wollen sich aber auch die Fahrer daran beteiligen, die nicht bei Verdi organisiert sind. Das erklärte der Betriebsratsvorsitzende der Maburger Verkehrsgesellschaft (MVG), Frank Morczinek auf Anfrage der OP.

Damit wird der Busverkehr im Marburger Stadtgebiet wahrscheinlich komplett zum Erliegen kommen. Umliegende Gemeinden sind indirekt betroffen. Zwar würden Überlandbusse vermutlich fahren,erklärt Gustav Born vom Regionalen Nahverkehrsverband des Landkreises (RNV). Jedoch sei damit zu rechnen, dass diese Busse überfüllt seien und es bei Fahrten in oder aus Marburg heraus zu deutlichen Verspätungen kommen werde. Auch der Schulverkehr laufe zu großen Teilen über diese Busse. Der Start in den Uni- und Schulalltag könnte nach den Winterferien für viele also nervenaufreibend werden.

"Werden sehen, wie lange der Streik geht"

Für Morczinek handelt es sich um einen „legitimen Streik“. „Wir werden sehen, wie lange er geht“, sagte er. Abzuwenden sei der Arbeitskampf nur durch ein Angebot von Arbeitgeberseite, das vor dem Montag aber recht unwahrscheinlich sei.

Alle erklären sich solidarisch“, sagte der Betriebsratsvorsitzende der MVG, Frank Morczinek im OP-Gespräch. Auch die Busfahrer, die nicht bei der Gewerkschaft Verdi organisiert sind, nähmen an dem Ausstand teil. „Es betrifft uns ja alle“, so Morczinek. Schließlich müsse sich in dem Berufsstand des Busfahrers „finanziell einfach etwas ändern“. Bisher verdienen die Busfahrer 12 Euro pro Stunde, nach Vorstellung von Verdi sollen es schrittweise 13,50 Euro werden, mit Gültigkeit bis zum Juni 2018. Die Arbeitgeber bieten derzeit 12,65 Euro und wollen diesen Betrag bis Ende 2018 festschreiben.

Neben dem Lohn sind aus Sicht der Gewerkschaft aber besonders auch die Punkte Urlaubsanspruch und betriebliche Altersversorgung noch strittig. „Hier liegen unsere Vorstellungen meilenweit auseinander. Wir fordern die Arbeitgeber jetzt auf, deutlich nachzubessern. Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten Vollzeit arbeiten und trotzdem auf staatliche Zuschüsse angewiesen sind. Der Beruf des Busfahrers muss gesellschaftlich und was die Bezahlung anbelangt, endlich wieder den Stellenwert bekommen, den er verdient“, so Streikleiter Jochen Koppel.

Zudem sollen die Pausenregelungen verbessert werden. Dies bedeute, dass es keine Abzüge beim Wenden oder bei Standzeiten geben dürfe. Maximal 30 Minuten am Tag sollen als Pause abgezogen werden. Bei Dienstzeiten unter 5,5 Stunden solle generell gar kein Pausenabzug erfolgen.

„Umfangreiches Angebotspaket“

Der Hessische Busunternehmerverband LHO zeigt für diese Forderungen kein Verständnis. Er fordert Verdi auf, „mit realistischen Forderungen an den Verhandlungstisch zurückzukommen“. Die Arbeitgeber seien sich dabei einig, dass sie den Beruf attraktiver machen möchten. Daher habe man ein „umfangreiches Angebotspaket“ vorgelegt, das neben einer stufenweisen Erhöhung des Ecklohnes um 5,4 Prozent einen weiteren Urlaubstag sowie diverse Verbesserungen bei Pausenregelungen vorsehe. „Wir haben ein großes Interesse an einer Einigung, denn wir wollen dafür sorgen, dass Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden, Pendler und Schüler uneingeschränkt an ihr Ziel kommen“, erklärt Volker Tuchan, Verhandlungsführer des LHO.

Zuletzt waren die Busse im März 2014 nicht gefahren. Damals streikten auch die anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. In Einrichtungen der Stadt und auch der Stadtwerke wird diesmal aber normal gearbeitet. Bei der MVG handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke, die einer eigenen Tarifregelung unterliegt.

Die Stadtwerke konnten gegenüber der OP noch keine Einschätzung geben, welche Auswirkungen der Streik habe. „Es gibt für diesen Fall interne Abläufe, aber Busse können wir nicht auf die Linie schicken“, erklärte die Kommunikationsbeauftragte der Stadtwerke, Karin Brahms. Sobald die Stadtwerke Genaueres wüssten, würden sie dies auf ihrer Homepage veröffentlichen – da Verdi aber noch nicht mit ihnen in Kontakt getreten sei, könne man zur Zeit noch keine Informationen geben. Brahms rät den Kunden dazu, sich aktuell über die Medien auf dem Laufenden zu halten. „Wir schlafen alle mit dem Handy am Bett“, sagt sie.

von Peter Gassner

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