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„Es ist selten was schwarz geworden“

Jubiläum bei Bäckerei Holzapfel „Es ist selten was schwarz geworden“

Mit einer kleinen Feierstunde verabschiedete „Holzapfel‘s Bäckerladen“ aus Niederweimar am Sonntag zwei Kollegen und ehrte zwei Mitarbeiter. Albert Sauer arbeitet bereits seit 50 Jahren für die Bäckerei.

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Dirk Holzapfel (von links), Albert Sauer, Helmut Paulsen, Brunhilde Schnabel, Horst Holzapfel, Waltraud Weber und Gabriele Holzapfel bei der Ehrung und Verabschiedung.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederweimar. Dirk Holzapfel verabschiedete mit Brunhilde Schnabel zunächst „Frau Neukauf“ in den Ruhestand, wie er sagte. Fast 25 Jahre arbeitete sie für die Bäckerei im Verkauf, und als ihr Gabriele Holzapfel Blumen und ein Präsent überreichte, scherzte Schnabel: „Jetzt 
habe ich ja fast einen Blutdruck von 200“ – so groß sei die Freude über die Wertschätzung.

Helmut Paulsen hatte vor zwölf Jahren als Aushilfe zum Brötchen Ausfahren in „Holzapfel‘s Bäckerladen“ angefangen, „zunächst als Aushilfe, dann wurde er fest angestellt“, so Dirk Holzapfel. Für Verteilung und Kommissionierung war er zuständig – doch nun geht er in den Ruhestand, bleibt in der Bäckerei jedoch als Aushilfe weiter tätig. „Immer nur zu Hause, das wird ja langweilig“, so Paulsen.

Dirk Holzapfel betonte, dass es in der Bäckerei zahlreiche langjährig Beschäftigte gebe, „wir werden in den kommenden Jahren noch einige Jubiläen feiern“, ist er sich sicher. Doch am Sonntag zeichnete er zwei Mitarbeiter aus, die noch unter 
Senior-Chef Horst Holzapfel eingestellt worden waren „und die schon sehr lange bei uns sind – solche Jubiläen sind beachtenswert“.

Nachbarsjunge wurde 
zum gestandenen Bäcker

Denn vor 40 Jahren begann Waltraud Weber ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin bei Holzapfel. „Sie ist nach wie vor noch bei uns – das spricht für beide Seiten“, so Holzapfel. Die Jubilarin habe in allen Filialen der Bäckerei gearbeitet – in Niederweimar ebenso, wie damals in Lohra oder Niederwalgern. „Auch den Verkaufswagen hast Du früher gefahren – vielen Dank für Deine langjährige Mitarbeit“, so Holzapfel.

Auf zehn Jahre mehr als Waltraud Weber kommt Albert Sauer: Er fing 1966 in der Bäckerei an. „Damals fing der Junge aus der Nachbarschaft bei meinem Vater seine Lehre zum Bäcker an“, so Dirk Holzapfel. Gemeinsam habe man Höhen und Tiefen gemeistert, „in all den Jahren ist selten was schwarz geworden – mit drei Backöfen, die man im Auge haben muss, ist das schon eine sehr gute Leistung“, lobte der Chef.

Auch der ehemalige Lehrmeister, Ehren-Kreishandwerksmeister Horst Holzapfel, dankte dem Jubilar „für die vielen, vielen Jahre, die Du uns treu warst – auch, wenn Du mal verschlafen hast“, fügte er mit einem 
Augenzwinkern hinzu.

Im Gespräch mit der OP erinnert sich Sauer, wie er zu der Lehre gekommen war: „Damals kam die Berufsberatung in die Schule, danach habe ich zur Probe gearbeitet – und dann wurde mir die Ausbildung angeboten.“ 14 Jahre alt war Sauer damals.

„Die Technik erleichtert einiges“

„Ich habe den Beruf von der Pike auf gelernt und bin mit 
allen Arbeiten in der Bäckerei vertraut“, sagt er. Und wie war das mit dem Verschlafen? „Das konnte schon mal vorkommen, wir haben zeitweise nachts um 2 Uhr angefangen. Ich wohne zum Glück nur ungefähr 300 Meter weit weg von der Bäckerei, dann kam ein Kollege und hat mich geholt“, erinnert sich Sauer schmunzelnd.

In den vergangenen 50 Jahren habe sich viel verändert, „zum Glück“, wie der Jubilar sagt. So müssten die Bäcker heute etwa keine schweren Mehlsäcke 
mehr schleppen, weil es ein 
Silo gebe, „die Technik erleichtert einiges, ein Knopfdruck 
ersetzt die Muskelkraft“, sagt 
Albert Sauer.

Auch die unterschiedlichen Arten von Knetmaschinen erleichtere die Arbeit – da unterschiedliche Teige auch unterschiedlich verarbeitet werden müssten. „Aber bei aller Technik: Es gehört eine gewisse Erfahrung zum Beruf – die kann keine Maschine ersetzen.“

In den vergangenen Jahren habe er sich auf die Ofen-Arbeit spezialisiert, „wenn die alle drei Brummen, dann muss man konzentriert arbeiten.“ Das sei vor allem in der Hitze der vergangenen Wochen schon extrem anstrengend gewesen, „im Winter macht es mehr Spaß“, sagt Sauer lachend.

Mittlerweile befindet sich auch der Jubilar im Ruhestand, „ich arbeite nur noch auf Minijob-Basis als Aushilfe mit, springe in der Urlaubszeit ein, oder wenn jemand krank wird“. „Und so lange ich noch kann, werde ich das weitermachen“, verspricht Sauer.

von Andreas Schmidt

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