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„Mein Hobby war das Geschäft“

Erwin Riehl wird 85 „Mein Hobby war das Geschäft“

Jahrelang lenkte Erwin Rhiel die Geschicke des Gewerbevereins der Marburger Oberstadt. Längst genießt er den Ruhestand im Grünen und feiert diesen Mittwoch, 31. Mai, seinen 85. Geburtstag.

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Geburtstagsparty im grünen Idyll: Diesen Mittwoch wird Erwin Rhiel 85 Jahre alt.

Quelle: Ina Tannert

Kirchhain. Entspannt wandelt Erwin Rhiel in seiner blühenden, sonnenbeschienenen Gartenanlage umher. Nicht ohne Stolz berichtet der großgewachsene Senior im lockeren Shirt und kurzer Hose vom Aufbau des großen Familienbungalows in Kirchhain. Den Ruhestand im idyllischen Grünen genießt er sichtlich, doch das war nicht immer so.

Jahrzehntelang bildete das Geschäft seinen Lebensmittelpunkt. Seinen ersten Laden eröffnete der gebürtige Roßdorfer mit gerade mal 28 Jahren, weitere folgten, schließlich baute er das bekannte Marburger Lederwarenfachgeschäft „Leder-Rhiel“ in der Oberstadt auf. Der geschäftliche Umzug von Kirchhain nach Marburg brachte dem Gewerbeverein schließlich Anfang der 1970er Jahren einen neuen Vorsitzenden.

Unzählige Krisensitzungen mit der Stadtverwaltung

Eine einfache Amtsperiode sollte es nicht werden. Zu jener Zeit wandelte sich das Gesicht der Oberstadt durch anhaltende Baumaßnahmen grundlegend, erinnert sich Rhiel noch mit Schrecken. Die Fußgängerzone wurde gebaut, später das Parkhaus am Pilgrimstein oder die Barfüßerstraße. Die Bauarbeiten blockierten den Zugang zu den Geschäften, „ein tiefer Graben zog sich von unten nach oben, es war eine lange Durststrecke für die Gewerbetreibenden“, erzählt der Senior kopfschüttelnd. Um die Kunden dennoch anzulocken, musste die Vereinsspitze kreativ werden. Ironisch anmutende Rabattaktionen wie die „Staubpreise“ entstanden, angelehnt an die um sich greifende Baustellenlandschaft, berichtet er mit einem Lachen.

Bis heute erinnert sich Rhiel an ungezählte Krisensitzungen, Debatten mit der Stadtverwaltung und seine Arbeit als Wortführer und auch mal Kummerkasten für die Marburger Geschäfte. „Wir haben einfach viel mitgemacht“, sagt er salopp und winkt ab. Der Senior spricht nicht mehr allzu viel übers Geschäft. Das hat seine Tochter 1995 übernommen. Er genießt den Ruhestand. Nach 15 Jahren an der Vereinsspitze gab er auch sein Amt weiter, der Verband ernannte ihn 1988 zum Ehrenvorsitzenden.

Wollte er denn immer schon Geschäftsmann sein? Vermutlich schon, meint er und zuckt mit den Schultern. Wurde er als Sohn einer Kaufmannsfamilie doch quasi in das Geschäftsleben hinein geboren. Er arbeitete sich vom einfachen Stift hoch zum gestandenen Unternehmer mit mehreren Läden.

Garten mit Blick auf den Hexenturm

Nach einiger Verkaufserfahrung mit Gemüse oder Fisch hielt er sich an Lederwaren, „das war eine saubere Sache“. Gattin Helene steuerte das Textilgeschäft bei. Ein reges Arbeitsleben „unter Vollgas“ in Marburg folgte, neben der Vereinstätigkeit und regelmäßigen Geschäftsreisen und Messebesuchen im ganzen Land. „Man war immer auf Achse, früher war mein Hobby der Beruf und das Geschäft – heute bin ich am liebsten zu Hause“, erzählt der braungebrannte Senior mit einem Schmunzeln.

Heute kann er sich zurücklehnen im Gartenstuhl mit Blick auf den Hexenturm und seinen professionell gepflegten Garten rund um das opulente Familienanwesen. Über Jahre hinweg richtete das Ehepaar das schmucke Grundstück her, das mit zahlreichen Blumenbeeten, Statuen, Wasserlauf und Brücke in der Sonne strahlt. Die drei Kinder sind längst flügge und kommen regelmäßig mit den drei Enkeln vorbei.

Langsam schlendert der große Mann im weißen Shirt am eleganten Springbrunnen entlang, stellt den Wasserfall an und füttert nebenbei seine Koi-Karpfen im Teich. Bis letztes Jahr teilte er sich den Garten auch noch mit dem zahmen Ara „Coco“, erzählt der Senior und erscheint erstmals ein wenig wehmütig. Vögel haben es ihm angetan, vor allem die großen Paradiesvögel. 20 Jahre lang lebte „Coco“ bei ihm, „ein wunderschönes Tier, er flog frei im Garten herum“, erinnert sich Rhiel.

Dort im sonnenbeschienenen 
Grünen, zwischen Seerosen und Adlerstatuen feiert der 85-Jährige am Mittwoch mit Familie und Freunden seinen Ehrentag.

von Ina Tannert

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