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„Erweiterte Realität“ auf „Spielwiese“

Softwarefirma Inosoft „Erweiterte Realität“ auf „Spielwiese“

In Science-Fiction-Filmen gehören sie zu den bekanntesten Zukunftsvisionen: Hologramm-Menüs, über die alle möglichen Informationen abgerufen werden können. Mit der „Augmented Reality Brille“ wird die Vision real.

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Die Marburger Softwarefirma Inosoft will Anwendungen für die Datenbrille „HoloLens“ entwickeln.

Quelle: Inosoft

Marburg. Es herrscht freie Sicht im großen Tagungsraum der Inosoft AG in Marburg. Nichts behindert den Blick aus dem Fenster heraus nach draußen. Doch es bedarf nur einer Art Fingerschnippen, damit sich das ändert. Mit einer öffnenden Handbewegung erscheint plötzlich ein digitales Menü vor den Augen. Ein einfacher Blick auf eines der Felder genügt, um wie mit einem Mauszeiger darüber zu fahren. Mit Zeigefinger und Daumen erfolgt der „Klick“. Je nach Wunsch öffnet sich eine Internetseite oder ein Hologramm, das ebenfalls Informationen enthalten kann.

Blind für die reale Welt ist der Träger der „Augmented Reality Brille“ aber keinesfalls. Was um ihn herum passiert, kann er weiterhin sehen – die digitalen Elemente sind lediglich Ergänzung dazu. Augmented Reality (erweiterte Realität) oder Mixed Reality (gemischte Realität) wird diese neue Technik genannt, die in der Informationstechnologie gerade auf dem Vormarsch ist. Bekannt ist eine solche Verknüpfung von realer Umgebung mit digitaler Welt etwa durch Apps 
 wie „Pokémon Go“ oder Fußballanalysen im Fernsehen.

Mitarbeiter haben Freiraum für Kreativität

Als eines der ersten Unternehmen deutschlandweit hat sich die Marburger Software-Firma Inosoft im Sommer vergangenen Jahres eine solche „HoloLens“, die vom amerikanischen Software-Riesen Microsoft gebaut wird, angeschafft. „Zu diesem Zeitpunkt waren es vielleicht gerade mal 10 Firmen, die so etwas hatten“. Seit kurzem sind die 3500 Euro teuren Geräte auch direkt auf dem deutschen Markt erhältlich. Inosoft aber ist bereits mitten drin in der Analyse der Möglichkeiten.

Etwa zehn Prozent der Arbeitszeit bei Inosoft sei für die „Spielwiese“ vorgesehen, sagt Vorstand Thomas Winzer. Neben aktuellen Projekten können sich Mitarbeiter auf diese Weise laufend selbst fortbilden und neue Technologien ausprobieren. „Würden wir hier noch mit derselben Technik arbeiten, wie vor 20 Jahren, könnte das nicht funktionieren“, so Winzer ( Foto: Gassner).

Kommen die Angestellten aber mit neuen Entwicklungen der IT-Technik in Kontakt, könnten sie diese später auch in Projekten anwenden. Daher stehe ihnen frei, sich in dieser „Innovationszeit“ mit „Dingen zu beschäftigen, die sie interessieren“. Eine der meist ausprobierten Dinge ist derzeit die Augmented Reality Brille.

„Wir gucken uns an ob und wo das Ganze aus dem Bereich der Spielerei herausgeht“, erklärt Winzer. Das Unternehmen mache „Aufklärung“ in diesem Bereich. Häufig werde in Politik und Wirtschaft betont, wie wichtig die Digitalisierung sei. Wo sie konkret eingesetzt werden könne, bleibe oft aber vage. Ziel von Inosoft ist es, den Nutzen der Augment­ed Reality Brille zu erarbeiten – das heißt, den Kunden entsprechende Szenarien für die Anwendung aufzuzeigen und dafür dann auch die Software zu entwickeln.

Einsatz im Handwerk, Autohaus oder Museum

„Es dauert natürlich, bis man eine solche Expertise aufgebaut hat und das dann umsetzen kann“, sagt Winzer. Mit einem großen Auftrag in den nächsten drei oder vier Monaten sei daher auch noch nicht zu rechnen. Sollte er aber kommen, „könnten wir sofort mit dem Programmieren anfangen“.

Ideen für den Einsatz gibt es reichlich. Etwa im Handwerk. Ein Arbeiter, der sich an einem Schaltschrank zu schaffen mache, sei mit der Brille in der Lage, die Bauteile virtuell herauszunehmen. Sie also in den Raum hereinzuziehen – und anschließend drumherum zu laufen. Auch das Festpinnen eines Gegenstandes ist mit der Technologie möglich. Aufwendiger Ausbau oder das Mitführen unhandlicher Computer seien so nicht mehr nötig. „Außerdem könnte sich der Mechaniker auch die Schaltpläne als zusätzliche Information anzeigen lassen“, führt der Unternehmenschef aus. Das gleiche gelte beispielsweise auch für Pkw-Motoren.

Autos sind auch das Stichwort für ein weiteres Anwendungsbeispiel. Stehe man in einem Autohaus vor einer Kaufentscheidung, sei es durch die Brille möglich, sich das Auto nicht nur in der vorhandenen Farbe anzuschauen. Per Knopfdruck ließe es sich in alle möglichen Farben umlackieren. Medizinstudenten könnte die Brille wichtige Informationen über den menschlichen Körper vermitteln, dem Regal-Auffüller im Supermarkt den idealen Verkaufsplatz für Produkte anzeigen. Denkbar sei ein Einsatz des Gerätes auch bei einem Museumsbesuch oder zum Anlernen neuer Mitarbeiter in Firmen. „Überall da, wo mit erklärungsbedürftigen Dingen gearbeitet wird“, sagt Winzer.

Noch ist die Augmented Reality Brille längst nicht optimiert. Die aktuelle „HoloLens“ zählt zur 1. Generation. Doch schon sie verfügt über eine Menge an Möglichkeiten, reagiert unter anderem auch auf Sprachbefehle. Mit 600 Gramm Gewicht ist sie allerdings noch relativ schwer, lässt sich kaum über einen langen Zeitraum tragen. Gut möglich, dass sie beim Gewicht und auch beim Preis noch weiterentwickelt wird. „Man wird sehen, wie sich das durchsetzt“, sagt Winzer. „Wir jedenfalls glauben an das Potenzial.“

von Peter Gassner

 
 
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