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Erste Wolken am Konjunkturhimmel

Klimaindex Erste Wolken am Konjunkturhimmel

Die Konjunktur in Marburg und in Nordhessen zeigt erste Ermüdungserscheinungen - das belegen die Herbstumfragen der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer.

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Laut Industrie- und Handelskammer kommt aktuell der Binnennachfrage eine besondere Bedeutung zu. Daher werde dieses Jahr das Weihnachtsgeschäft besonders wichtig werden.

Quelle: Boris Roessler

Marburg. Während in der Jahresanfangsuntersuchung und in der Frühsommerumfrage noch Optimismus pur zu verzeichnen waren, sind nun erste Schatten erkennbar. Die IHK Kassel-Marburg teilte mit, dass die geopolitische Lage eine Konjunkturbremse sei. „Leider sind hier unsere negativen Erwartungen eingetreten und die geopolitische Weltlage ist durch die Situation in Syrien und im Irak noch angespannter, als man befürchten konnte“, erläutert Thomas Rudolff von der IHK.

Der gesamte Klimaindex über alle Branchen fällt demnach auf 111,1 Punkte. Im Sommer hatte der Wert noch bei 116,7 Punkten gelegen, im Vorjahr allerdings nur bei 108,9.

Die IHK sieht Rückgang als „Konjunkturdelle“

Ihre gegenwärtige Lage bezeichneten 30,3 Prozent der befragten Unternehmen mit gut, 58,7 Prozent als befriedigend. Im Vorjahr lagen die Werte bei 31 und 58,7 Prozent. Nur 11 Prozent (Vorjahr: 11,4 Prozent) stufen die gegenwärtige Lage als schlecht ein.

Ihre zukünftige Lage schätzen 19,9 Prozent als gut und 63,6 Prozent als befriedigend ein (Vorjahr: 15,3 und 69,4 Prozent). 16,5 Prozent erwarten für die Zukunft schlechtere Geschäfte, ein Jahr zuvor waren es 15,3 Prozent.

Dieser Rückgang lasse nicht auf katastrophale Veränderungen schließen, vielmehr handele es sich immer noch um einen sehr guten Wert. „Zu vermuten wäre, dass der Verlust im Klimaindex im Wesentlichen über die zukünftigen Erwartungen generiert wird. Dies ist aber nicht ausschließlich der Fall: Man muss feststellen, dass es auch leichte Eintrübungen bei der aktuellen Lagebewertung gibt“, so Rudolff.

Laut IHK komme aktuell der Binnennachfrage eine ganz wesentliche Bedeutung zu. Das Weihnachtsgeschäft werde ein nicht zu unterschätzender Faktor sein. Branchen wie der Einzelhandel und die Gastronomie seien relativ stark. Interessant werde auch die Frage sein, ob und wieviel der stationäre Handel an Marktanteilen zum Internethandel verliere.

Doch Rudolff sieht die Region nicht in die Rezession abgleiten: „Grundsätzlich ist die wirtschaftliche Lage immer noch gut. Das, was wir im Moment sehen, ist eine Wachstumsdelle. Die Industrie als Leitbranche in unserer Region ist von den Weltmärkten abhängig und da gibt es nun im Moment ein paar Störfeuer“, sagt er. Die Ukraine-Krise habe jeder auf dem Schirm, „aber dass das Wachstum in China deutlich zurückgegangen ist, geht fast bei der derzeitigen Nachrichtenlage unter“.

Laut Rudolff sei auch die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt vorerst vorbei - Fachkräfte hätten aber nach wie vor gute Chancen am Markt. „Bedenklich war die Tatsache, dass eine große Anzahl von Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Risiko für die kommenden zwölf Monate benennt. Das sollte die Politik zur Kenntnis nehmen und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, so Rudolff.

Auch im Handwerk sinkt der Klimaindex leicht

Auch im Handwerk trübt sich die Konjunktur ein wenig ein: „Nach der langen Aufschwungphase und dem Allzeithoch im letzten Herbst ziehen jetzt erste Wolken am nord-, ost- und mittelhessischen Konjunkturhimmel auf“, erläutert der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel. Viele der ermittelten Konjunkturindikatoren deuten demnach auf eine Abkühlung hin, der Geschäftsklimaindex im Handwerk sei binnen Jahresfrist um vier Punkte gesunken. „Die aktuelle wirtschaftliche Großwetterlage streift auch das Handwerk“, so Gringel.

Für die Herbstumfrage wurden 810 Betriebe im Kammerbezirk angeschrieben. Dabei wurde die aktuelle Geschäftslage von 85,5 Prozent der Handwerksbetriebe mit gut oder befriedigend angegeben. Das seien zwar so viele wie im starken Herbstquartal 2013 gewesen, doch der Anteil der „Gut“-Meldungen sei von 44,9 auf 33,8 Prozent deutlich gesunken.

Ähnlich sei die Entwicklung der Erwartungshaltung an die kommenden drei Monate verlaufen: Insgesamt 34,3 Prozent erwarten demnach gute und weitere 52,4 Prozent befriedigende Geschäfte, vor zwölf Monaten lagen diese Werte bei 40,1 beziehungsweise 44,8 Prozent. Der Geschäftsklimaindex sank gegenüber dem Vorjahr um 4 auf insgesamt 120,2 Punkte. „Ein Wert, der jedoch immer noch weit über dem langjährigen Durchschnitt liegt“, verdeutlicht Gringel.

Insbesondere das Ausbaugewerbe und die gewerblichen Zulieferer seien für die etwas schlechteren Ergebnisse verantwortlich. Beide Branchen seien zwar Spitzenreiter in der Zufriedenheitsskala, doch habe ein leichter Abwärtstrend eingesetzt. Sehr zufrieden zeigte sich indes das Nahrungsmittelgewerbe, das sein gutes Vorjahresergebnis weiter ausbauen konnte. Die Lage in den Betrieben des Bauhauptgewerbes habe sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Der private Wohnungsbau laufe immer noch ordentlich, der gewerbliche Bau stagniere, die öffentlichen Aufträge blieben allerdings aus und der Investitionsstau vergrößere sich.

Anzahl der Beschäftigten ist dennoch gestiegen

Unter dem Durchschnitt des Gesamthandwerks lägen die Kfz-Betriebe. Der sich andeutende Rückgang bei den Kfz-Käufen werde sich in den kommenden Monaten sicherlich negativ auswirken. Das private Dienstleistungsgewerbe, wie etwa Friseure, liege zwar am Ende der Zufriedenheitsskala, dennoch befänden sich die Ergebnisse weit über dem langjährigen Durchschnitt.

Positiv habe sich hingegen die Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse dargestellt. Aktuell berichteten noch 13,9 Prozent der Betriebe von gestiegenen Mitarbeiterzahlen, während 9,4 Prozent mit weniger Personal ausgekommen seien.

von Andreas Schmidt

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