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Erst der Zufall führt zur Nachfolge

Schott Werbetechnik / AP Werbung Erst der Zufall führt zur Nachfolge

Ein gut eingeführtes Unternehmen, das solide Zahlen und einen festen Kundenstamm hat, sollte sich gut verkaufen lassen, denkt man. Doch Sabine und Jürgen Schott haben das anders erlebt.

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Die Übergabe ist vollzogen: Renate Geil (links, im Uhrzeigersinn), Sabine und Jürgen Schott, Jan Ortmann, Armin Pfeiffer, Michael Roth, Thomas und Laura Braun.

Quelle: Andreas Schmidt

Sterzhausen. 26 Jahre lang gibt es die Firma Schott Werbetechnik in Sterzhausen. „Ich habe damals für eine Firma in Frankfurt gearbeitet, hätte nach München wechseln sollen“, erinnert sich Jürgen Schott. Doch das wollte er nicht.

Also gründete er gemeinsam mit seiner Frau Sabine das Unternehmen – zunächst in der Marburger Deutschhausstraße. Die Firma wuchs, brauchte mehr Platz. „Aber das war zu Zeiten der Wende, es gab keinen Gewerberaum in Marburg. Also zogen wir nach Sterzhausen“, erklärt Schott.

Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten war nicht das Problem, „die Finanzierung schon, denn die Zinsen waren immens“, sagt Jürgen Schott. Den Schritt in die Selbstständigkeit hätten sie nie bereut.

Doch Sabine und Jürgen Schott wollen das Unternehmen abgeben. „Wir haben bereits im vergangenen Jahr intensiv angefangen, einen Nachfolger zu suchen“, berichtet Sabine Schott im Gespräch mit der OP. Zuvor hatte das Ehepaar schon zwei Jahre lang versucht, das Unternehmen auf unterschiedlichen Unternehmerplattformen anzubieten. Eigentlich sollte es kein Problem sein, dachten die Schotts: Die Firma steht auf soliden Füßen, hat einen festen Kundenstamm, ist etabliert. Doch es sollte anders kommen.

Auf Anzeige und im Netz blieb die Resonanz aus

„Zwar haben wir im vergangenen Jahr einige Gespräche ­geführt. Aber die sind mehr durch Mund-zu-Mund-Propaganda zustande gekommen, als über die professionellen Plattformen“, so Sabine Schott. Unterstützung habe es zudem keine gegeben.

Auch auf eine Anzeige in einer Branchenzeitschrift gab es null Resonanz. „Letztlich sind wir mit unserem sehr gut laufenden Unternehmen Klinken putzen gegangen und haben versucht, es an den Mann oder an die Frau zu bringen – trotz guter Zahlen und einem festen Kundenstamm war es allerdings nicht leicht.“

Der Sohn wollte das Geschäft auch nicht weiterführen, er studiert Medienwissenschaften und will in Richtung Medienmanagement gehen“, sagt Sabine Schott. Die Alternative zum Verkauf wäre die Schließung ­gewesen.

Vielleicht sei die Firma potenziellen Interessenten zu klein gewesen, mutmaßt Sabine Schott. Denn eins sei klar: Als Chef müsse man in der Firma immer selbst mit Hand anlegen, „wir sind kein Unternehmen, in das man einfach einen Geschäftsführer setzen kann – hier muss jeder mit anpacken“.

Letztlich spielte der Zufall eine große Rolle, doch noch einen Interessenten zu finden. „Ein gemeinsamer Zulieferer brachte uns mit der Firma AP Werbung in Eibelshausen in Kontakt“, erinnert sich Sabine Schott. Das Ehepaar war zunächst skeptisch: AP Werbung ist ebenfalls ein eher kleines Unternehmen, das so lange wie Schott auf dem Markt ist.

„Warum sollten die sich eine zusätzliche Firma aufbürden – noch dazu, wo Eibelshausen nicht direkt vor der Tür liegt – das haben wir uns schon gefragt“, sagt Schott. Doch letztendlich war die Distanz kein Problem. „Es gab die ersten Treffen, die Chemie hat sofort gestimmt – das hat eine große Rolle gespielt“, so Schott.

Nach drei Wochen war 
die Übergabe geregelt

Doch die Chemie alleine war es nicht, die den Ausschlag gab: „Als wir beim zweiten, dritten Gespräch die Zahlen auf den Tisch gelegt haben und die neuen Inhaber gesehen haben, was sie bekommen, waren wir uns schnell einig.“ Zum 1. August erfolgte die Übergabe. Armin Pfeiffer und Thomas Braun waren zunächst auch skeptisch. Doch dann sahen sie das Potenzial: Ihr Geschäftsfeld aus dem Lahn-Dill-Kreis nach Marburg-Biedenkopf auszuweiten.

„Vom ersten Kontakt bis zur endgültigen Entscheidung vergingen letztlich nur drei Wochen“, sagt Thomas Braun. Schnell war klar, dass er nach Sterzhausen kommt, „um die neue Herausforderung anzunehmen“, wie er sagt. „Klar war es vorher einfacher“, sagt Armin Pfeiffer. „Aber wenn man anfängt, dass man zufrieden mit dem ist, was man erreicht hat, dann fällt man irgendwann hinten runter.“

Die zwei Betriebsstätten hätten auch Vorteile – etwa, wenn größere Aufträge schneller abgearbeitet werden müssten. Für die Kunden wird sich nichts ändern – allerdings wird sich der Name ändern, von Schott Werbetechnik in AP Werbung.

Fällt es schwer, die selbst aufgebaute Firma zu verlassen? „Es gibt ein lachendes und ein weinendes Auge“, gibt Sabine Schott zu. „Aber die beiden geben uns die Gelegenheit, dass wir uns langsam trennen – der Übergang geht etwas weicher vonstatten“, sagt Sabine Schott. Denn das Ehepaar wird noch einige Zeit im Unternehmen mitarbeiten, „das vereinfacht uns auch den Einstieg hier in der Region“, sagt Thomas Braun.

von Andreas Schmidt

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