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Erneut mehr Arbeitslose im Landkreis

November-Bilanz Erneut mehr Arbeitslose im Landkreis

Auf dem deutschen 
Arbeitsmarkt läuft es weiter rund. Die Zahl der 
Erwerbslosen sinkt auch im November weiter – aber nicht im Landkreis.

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Volker Breustedt kündigt an: Arbeitsagentur will bis Ende des Jahres „für alle Flüchtlinge einen Plan haben“.

Quelle: Markus Scholz / dpa

Marburg. Die Arbeitslosigkeit im Landkreis ist erneut leicht angestiegen – dennoch sieht Volker Breustedt, Leiter der Marburger 
Arbeitsagentur, keinen Anlass zur Sorge.
Demnach waren im November 4823 Personen im Landkreis arbeitslos gemeldet, 367 oder 8,2 Prozent mehr als im November vergangenen Jahres und 65 oder 1,4 Prozent mehr als im vergangenen Oktober. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Punkte auf 3,7 Prozent – lag somit auf dem Wert vom November von vor zwei Jahren.

„Der Zuwachs hat zum größten Teil im Bereich der Arbeitsagentur stattgefunden – also bei den sozialversicherungspflichtigen Stellen“, erläutert Breustedt. Dort seien 1930 Menschen arbeitslos gemeldet gewesen – ein sattes Plus von 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anstieg im Bereich des Kreisjobcenters (KJC) habe im Vergleich moderate 2,7 Prozent betragen – dort sind 2893 Menschen arbeitslos gemeldet.

Breustedt sieht Entwicklung für Ausländer positiv

„Den größten Anstieg haben­ wir in der Gruppe der Ausländer: Das sind nun 1417, die ­arbeitslos gemeldet sind, was 542 oder 58,7 Prozent mehr als im Vorjahr sind“, verdeutlichte­ Breustedt. Die Steigerung im Versichertenbereich betrage gar 163 Prozent – „die Flüchtlinge sind zunächst in unserer Zuständigkeit und schlagen noch nicht im KJC auf“. Wobei auch dort die Steigerung zum Vorjahr 27 Prozent betrage.

Parallel sei aber auch die Ausländerbeschäftigung gestiegen: 6954 Ausländer im Landkreis sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, „das ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent“, sagt Breustedt. „Es gelingt aber – wenn auch mit zeitlicher Verzögerung –, die Menschen in Arbeit zu ­bekommen.“

Der Agenturleiter sagt: „Wir werden nun bis zum Jahresende alle Flüchtlinge noch einmal in die Agentur holen, um in Gruppenberatungen und Einzelgesprächen festzustellen, ob sie überhaupt noch da sind. Denn manche sind ja vielleicht schon wieder weggezogen – etwa zu Verwandten oder in Großstädte, wo es andere Jobchancen gibt.“ Die Residenzpflicht sei zwar eingeführt worden, schreibe aber derzeit nur vor, dass die Flüchtlinge Hessen nicht verlassen dürften. „Es gibt also viele Abgänge.“

Arbeitslosenquote in Marburg 
steigt auf 4,0 Prozent

Die, die noch da seien, sollten nun vermittelt werden – etwa in Einstiegsqualifizierungen, Ausbildungen oder direkt in einen Beruf. „Bis Ende des Jahres werden wir für jeden einen Plan haben“, versichert Breustedt.

Je nach Region betrachtet ist das Hinterland mit einer ­Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent weiterhin Spitzenreiter, es folgt Stadtallendorf mit 3,6 Prozent – und Marburg mit 4,0 Prozent. „Damit liegt Marburg in einer Region mit insgesamt niedriger Arbeitslosigkeit schon recht hoch, das muss man deutlich sagen“, so Breustedt.

Hinzu komme, dass es einen deutlichen Anstieg von Menschen gebe, die sich nach einer­ Ausbildung oder Weiterbildung arbeitslos gemeldet hätten: ­
Ihre Zahl stieg um 160 auf 524. Eine Ursache dafür sei die Beendigung pflegerischer Ausbildungen und die Tatsache, dass die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in der Pflege deutlich angestiegen sei. „Das ist allerdings quasi ein durchlaufender Posten, Pflegekräfte sind derzeit stark gesucht, die werden schnell vermittelt“, ist sich Pressesprecherin Dr. Heike Beber ­sicher.

Neu arbeitslos meldeten sich im November 1467 Personen, 293 oder 25 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zuvor erwerbstätig waren 606 Personen gewesen, das waren 143 oder 30,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Kreisjobcenter weits knapp 2900 Arbeitslose aus

Parallel dazu konnten sich 1398 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 120 oder 9,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für 441 Personen endete die Arbeitslosigkeit mit Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Das waren 6 weniger als vor ­einem Jahr.

Von den insgesamt neu gemeldeten 679 Arbeitsstellen waren 590 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze – 85 oder rund 13 Prozent weniger als im November 2015. „Diese Entwicklung werden wir beobachten. Man kann sagen, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr lichterloh brennt – aber er wärmt noch gut, wir machen uns keine Sorgen“, so Breustedt.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, die das Kreisjobcenter (KJC) betreut, ist im ­November ebenfalls leicht angestiegen. Die Statistik weist ­aktuell 2893 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 43 Personen oder 1,5 Prozent mehr als noch im Vormonat.

Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 77 Personen oder 2,7 Prozent erhöht. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt bei 2,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,2 Prozent.

„Gute Entwicklung 
hat weiter Bestand“

„Im November ist die Zahl der arbeitslosen Menschen erstmals nach einigen Monaten wieder angestiegen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow. „Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hat aber nach wie vor Bestand. Der Anstieg ist in erster Linie mit der wachsenden Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zu erklären“, erläuterte Zachow. Insbesondere die Zahl der ausländischen Bezieher von Arbeitslosengeld II sei mit der Flüchtlingszuwanderung deutlich gestiegen.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im aktuellen Monat ebenfalls angestiegen. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 51 oder 0,8 Prozent auf insgesamt 6401. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen deutlichen Anstieg um 279 Personen oder 4,6 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ebenfalls gestiegen: Um 68 Personen auf 8259. Das ist ein Anstieg um 0,8 Prozent. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 4,1 Prozent über dem Wert des ­Vorjahres – es sind 323 mehr Personen.

Hessen liegt im Bundestrend

In Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosenauf ein neues Rekordtief gesunken. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte im November 2,53 Millionen Erwerbslose. Das sind 8000 weniger als im Oktober und 101.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent zurück.

„Der Arbeitsmarkt entwickelt sich auch im November grundsätzlich günstig“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Arbeitslosigkeit habe weiter abgenommen, und die Nachfrage­ nach neuen Mitarbeitern bewege sich auf anhaltend hohem Niveau. „Der Beschäftigungsaufbau ist allerdings zuletzt ins Stocken geraten“, sagte Weise.

Die robuste Konjunktur hielt auch den hessischen Arbeitsmarkt auf Kurs. 163.791 Frauen und Männer waren arbeitslos gemeldet. Das waren 1865 weniger als im Oktober und 3418 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote blieb bei 5,0 Prozent. Das war der niedrigste Stand in einem November seit 25 Jahren. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,1 Prozent, 1991 bei 4,9 Prozent.

Anders stellt sich die Situation im Landkreis dar: Dort stieg die Arbeitslosigkeit erneut an, wie die Agentur für Arbeit Marburg am Mittwoch mitteilte. Demnach waren 4823 Frauen und Männer im Kreis arbeitslos gemeldet – 65 oder 1,4 Prozent mehr als im Oktober und 367 oder 8,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Quote stieg binnen Jahresfrist von 3,4 auf 3,7 Prozent.

von Andreas Schmidt und unseren Redakteuren

 
 
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