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„Erfolgsmodell der Wirtschaftsgeschichte“

IHK „Erfolgsmodell der Wirtschaftsgeschichte“

Führungskräfte der Region kamen am Freitagabend zusammen, um das 250-jährige Bestehen der IHK Kassel-Marburg zu feiern. Ministerpräsident Bouffier bezeichnete die Geschichte der Institution als Spiegelbild des Landes.

Marburg. „Wo Bildung und Straßen fehlen, da wandern die Menschen ab“, sagte Dr. Martin Viessmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg. Anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Kammer blickte der Unternehmer nicht nur auf die Geschichte der IHK, sondern skizzierte auch die großen Herausforderung in der Zukunft. Um die ländlichen Standorte im IHK-Bezirk attraktiv zu halten und den Zuzug von Fachkräften zu sichern, müsse es mehr Bildungsangebote vor Ort geben. „Ohne die Universitäten Kassel und Marburg würde die wissenschaftliche Bilanz unserer Region deutlich schlechter ausfallen. Deshalb engagieren wir uns nachdrücklich für die Förderung unserer Wissenschaftsstandorte“, so Viessmann. Für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in der Region sei es zudem wichtig, Energie zu „bezahlbaren Preisen“ zur Verfügung zu haben. Viessmann forderte weiterhin eine bessere verkehrliche Erschließung der Region. Auf dieses Thema ging auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in seiner Festrede ein. Er sprach sich für den Ausbau der A49 und A44 aus und blickte auf die im April geplante Einweihung des neuen Flughafens Kassel-Calden.

Bouffier sagte, die Unternehmer in Nordhessen und im Altkreis Marburg sprächen seit 250 Jahren mit einer starken Stimme. Dank des Engagements durch die Jahrhunderte sei die IHK heute ein „Erfolgsmodell der deutschen Wirtschaftsge­schichte“. „Die Interessen und nicht die jeweiligen Verbindungen leiten ihr Handeln. Die Unabhängigkeit macht sie frei für Selbstverantwortung, deutliche Interessenvertretung und Gemeinwohlorientierung“, so Bouffier weiter.

Einen Blick über den IHK-Bezirk hinaus warf Professor Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Deutschland hat sich wirtschaftlich nach der Krise 2008/2009 nur deshalb so schnell erholen können, weil „wir ganz bewusst in Regionen leben. Hier stehen unsere Unternehmen und hier leben wir als Bürgerinnen und Bürger. Wir setzen uns dafür ein, dass die Region mithalten kann im internationalen Wettbewerb als Lebens- und Wirtschaftsraum. Die IHKs spielen dabei eine ganz zentrale Rolle“, sagte Driftmann. Das Ende der Eurozone, wie von vielen prognostiziert, sei nicht zu sehen. Ein Grund: Südliche Krisenländer würden gewaltige Einsparungen vornehmen. Die europäische Integration betrachtete er als die größte Chance für Deutschland und Europa. „In der Zukunft kommt es auf das konkrete Engagement vor Ort an. Denn in der Summe sind starke Regionen die Basis für eine gute Entwicklung in Deutschland und Europa.“

IHK-Geschäftsführer hat den Blues

Die Ursachen der Krise sieht Driftmann nicht nur im Euro­raum, sondern grundsätzlicher. „Falsche Versprechen, falsche Erwartungen und eine Politik auf Pump.“ Die Politik versprach - und der Wähler, auch die Wirtschaft, habe gefordert. Driftmann forderte, Schulden zurückzufahren, ohne an der Steuerschraube zu drehen, Verschärfungen bei der Erbschafts- oder Vermögenssteuer würden Wachstum verhindern.

Der offizielle Teil des Abends wurde von den Brüdern Grimm moderiert - gespielt von den Schauspielern Carlo Ghirardelli und Stefan Becker. Mit dem Jubiläums-Festakt fand auch die Eröffnung einer Ausstellung statt, die die Entwicklung der IHK vom Zonenrandgebiet zum prosperierenden Wirtschaftsraum dokumentiert. Unter den mehr als 500 Gästen waren auch zahlreiche Unternehmer und Repräsentanten der Politik und Verwaltung aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Nach dem Flying Dinner hatten die Gäste die Gelegenheit, den Hauptgeschäftsführer der IHK, Dr. Walter Lohmeier, in ganz anderer Funktion zu erleben - als Schlagzeuger einer Blues-Band.

von Anna Ntemiris

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