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Erfolgreiche Gründer aus Marburg

Unternehmen Erfolgreiche Gründer aus Marburg

Zwei Marburger Unternehmen sind im Wettbewerb um den Hessischen Gründerpreis ausgezeichnet worden. In der Kategorie "Mutige Gründung" kamen sie auf den zweiten Platz.

Fulda. „Ihr Mut ist ansteckend und ein gelungenes Beispiel für viele andere“, lobte Dr. Frank Martin, Chef der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, bei der Preisverleihung in Hessen. Der erste Preis in der Kategorie ging an Nicola Hoensbroech. Die Mutter aus Frankfurt hatte trotz vier kleiner Kinder einen Onlineshop für Kindergeschirr (DeinKindergeschirr.de) aufgebaut.

Der leidenschaftliche Billardspieler und studierte Politikwissenschaftler Dirk Ballerstädt hat in der Cappeler Straße in Marburg das Bermuda Billard- und Dartsportcenter eröffnet. 2005, als er nach einigen Jahren aus Costa Rica nach Marburg zurückkehrte, stellte er fest, dass es keine Möglichkeiten gab, Billard zu spielen.

Ein Jahr später wurde er arbeitslos, und da begann ihn eine Idee zu beschäftigen, die eine Lösung für beides sein könnte: Ein Billardlokal mit sportlichem Anspruch zu gründen. Er erarbeitete ein Konzept für ein Sportcenter. „Aber das wollte keiner lesen, weder jemand von der Stadt noch die Banken“, erzählt Ballerstädt.

Kein leichter Start, zumal sich seine persönliche Lage mit dem Übergang zum Arbeitslosengeld II verschlechterte. Doch er gab nicht auf, stellte sein Projekt in einem Film vor. Oberbürgermeister Egon Vaupel zeigte sich angetan von dem Projekt, dass er nun nach Kräften unterstützte.

Und dann wurde es „märchenhaft“, findet Ballerstädt. Es gab eine geeignete Immobilie, eine alte Werkstatthalle, die er gerne gemietet hätte. „1500 Euro hätte die Miete gekostet. Doch die Halle war auch zu verkaufen, für 250000 Euro.“ Völlig unerschwinglich, fand er, doch die Sparkasse sah das anders: „Die wollten, dass ich kaufe. Aus Hartz IV heraus!“, lacht Ballerstädt. Und so hatte er Geld für die Immobilie, zehn Billardtische und die restliche Infrastruktur. Damit war das Bermuda Billard- und Sportcenter geboren.

Der Anfang war hart. „Zu Anfang habe ich 17 Stunden am Tag gearbeitet.“

Doch schnell stellte sich Erfolg ein. Nicht zuletzt, weil sich gleichzeitig ein Billard- und Dartverein gründete, der im Bermuda trainiert und seine Spiele austrägt. „Der Sportgedanke stand von Anfang an im Vordergrund“, hebt Ballerstädt hervor.

Heute läuft das Bermuda gut: Ballerstädt kann davon leben und beschäftigt neben einer festangestellten Kraft neun Aushilfen. Der Wert seiner Immobilie hat sich fast verdreifacht. Was er Gründungswilligen rät? „Misserfolge sind nicht unbedingt Misserfolge. Man muss immer wieder aufstehen.“

Ebenfalls ein zweiter Preis ging an Sascha Wetzstein aus Marburg-Ginseldorf. Er gründete mit 21 Jahren seine Firma für Garten- und Landschaftsbau. Heute, drei Jahre nach der Gründung, hat der Jungunternehmer ein florierendes Geschäft und beschäftigt sieben Vollzeitmitarbeiter. Doch angefangen hat der Gärtner allein und aufgrund von zwei unglücklichen Umständen. Nach seiner Ausbildung als Gärtnergeselle angestellt, erhielt Wetzstein 2010 betriebsbedingt die Kündigung. Zugleich erkrankte sein Vater schwer, die Existenz der Familie stand auf dem Spiel. Wetzstein machte sich selbstständig. Die Agentur für Arbeit half mit einem Existenzgründerzuschuss, einen Lastwagen musste Wetzstein auf Kredit kaufen. Die junge Firma fing schnell an, gut zu laufen. „Zuerst habe ich vor allem Gartenpflege gemacht und nur mal ein bisschen gepflastert“, erzählt Wetzstein.

Als er nach kurzer Zeit einen ersten Mitarbeiter einstellen konnte, erweiterte er sein Angebot. Er bietet jetzt auch Winterdienst an, das machten andere in der Branche eher selten. Ein weiterer Pluspunkt ist in Wetzsteins Augen, dass er nicht nur komplette Gärten anlegt, sondern auch Holzbau zu seinen Leistungen zählt, und dass er durch Kooperation mit anderen Unternehmern vieles „aus einer Hand“ anbieten könne.

Heute sucht der Gärtner seine Kunden vor allem unter Menschen „die eine hochwertige Gartenanlage möchten“, eher ältere Grundstückseigner, „die ihre Immobilie durch unsere Arbeit aufwerten wollen“. Besonders freut er sich, wenn er nach einem solchen Auftrag weiterempfohlen wird. Das gleicht dann auch die sehr langen Arbeitstage und die rare Freizeit aus. „Zwölf Stunden täglich sind normal, auch mal 14“, sagt er. Auch am Wochenende zu arbeiten sei Alltag. Was er für hilfreich hält, wenn man gründen will? „Kundenorientiert sein“, findet Wetzstein entscheidend, „auch wenn es mal schwierig wird, darf man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern muss nach Lösungen suchen. Und kulant gegenüber dem Kunden sein. So etwas spricht sich herum.“

Auch Hessen-Agentur-Chef Dr. Rainer Waldschmidt lobte die Gründer: „Sie sind das Salz in der Suppe unserer Wirtschaft“, rief er aus. „Ihre Persönlichkeit ist entscheidend für den Erfolg einer Neugründung. Unsere Gesellschaft braucht Gründer. Sie sorgen für Arbeitsplätze und Wohlstand“

An dem Wettbewerb hatten sich 97 neu gegründete Unternehmen beteiligt. Der Gründerpreis Hessen wurde das elfte Mal verliehen.

von Volker Nies

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