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Alles andere als „Basteltanten“

Ergotherapeuten Alles andere als „Basteltanten“

Die Ergotherapeuten der Ludwig Fresenius Schule in Marburg haben ihre Ausbildung abgeschlossen. Zwischen Sekt und Freudentränen wurden die Zeugnisse verteilt.

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Die Ergotherapeuten der Marburger Ludwig Fresenius Schule wurden ins Berufsleben entlassen.

Quelle: Lena Wrba

Marburg. Aufgeregtes Getuschel liegt in der Luft, als die Schüler nach ihrer letzten Prüfung darauf warten, das Ergebnis ihres Staatsexamens zu erfahren. In den vergangenen acht Wochen haben sie sowohl mündliche, schriftliche als auch praktische Prüfungen abgelegt. Nun stehen sie vor dem Sekretariat der Schule und werden einzeln zur Notenvergabe gerufen. Unter Applaus kommen sie mit Zeugnis und Rose aus dem Raum. Bei Fingerfood und Sekt löst sich die Anspannung und die Schüler feiern eine herzliche Verabschiedung.

Ergotherapeuten unterstützen Menschen, die in ihrem Handeln eingeschränkt sind. So vielfältig wie die Gründe dafür, warum die Menschen Hilfe brauchen, sind auch die Strategien der Ergotherapeuten. Es sind also Allroundtalente der Gesundheit gefragt. 26 dieser Talente haben in den vergangenen Wochen die Prüfungen des Staatsexamens absolviert. Der Abschluss einer Ausbildung, die auch vorher schon kein Spaziergang gewesen sei, berichtet Lisa An­dres. Die 28-Jährige hält ihr Zeugnis in der Hand und ist stolz.

Sie habe in der Ausbildung viel gelernt, sagt sie. „Zunächst einmal lernt man, über sich selbst zu reflektieren. Das ist die Grundvoraussetzung, um die anderen Menschen zu verstehen. Als Ergotherapeut muss man sich individuell an die Menschen anpassen können, flexibel sein und die eigene Person immer wieder in den Hintergrund stellen können“, erklärt Andres. Das lerne man unter anderem in den vielen Praktika, die Teil der Ausbildung sind. Vier Praktika à drei Monate, die zum Beispiel 
in Kliniken, Behindertenwerkstätten, Altenheimen oder Praxen absolviert werden können, gehören zu der Ausbildung.

„Man lernt den Menschen in seiner Gesamtheit kennen“

Die Praxisphasen seien besonders prägend gewesen, berichtet Andres. Gerade den Umgang mit suizidalen Menschen könne man nicht nur aus der Theorie lernen. „Das war schon manchmal sehr schwierig, aber wenn man sieht, dass die Therapie bei den Menschen anschlägt, ist das jedes Mal ein tolles Gefühl.“

Zwischen klirrenden Sektgläsern und gegenseitigen Beglückwünschungen hört man auffallend selten eine männliche Stimme. Das liegt daran, dass nur ein Mann zum Staatsexamen angetreten ist: Niklas Schormann. Der 23-Jährige erzählt jedoch begeistert von seiner Ausbildung. „Man lernt viel über die Anatomie des Menschen und über Krankheiten“, erklärt Schormann, „man lernt den Menschen in seiner Gesamtheit kennen. Das ist wirklich spannend“. Schormann fürchtet aber, dass Ergotherapeuten noch immer das Image der „Basteltante“ anhängt, was einige Männer abhält, eine Ausbildung zu beginnen. Dabei sei die Ausbildung sehr viel mehr. Vielleicht ist es auch die häufig etwas magere Bezahlung, die das Berufsbild unattraktiv macht. „Man muss schon für den Beruf brennen“, findet Schormann.

  • Die Prüfung absolvierten: Lisa-Maria Andres, Jessica Arslan, Christiane Bischoff, Anna-Lena Boenke, Maike Börner, Aylin Bulut, Luisa Damm, Eva Dreisbach, Claudia Görg, Maren Götz, ­
Janine Hergenröder, Alexandra Hoppe, Katharina Kunz, Rebecca Kuttler, Evie Metz, Sophie Pfeiffer, Carina Prentzel, Anna-Maria Rink, Noemi Ristau, Nik­las Schormann, Alena Schütz, Verena Sommerfeld, Tatjana Straub, Charlotta Teßmer, Alicia Theis und Nadine Zobawa.

von Lena Wrba

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