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Entlastung soll Ärztemangel entgegenwirken

Weiterbildung für medizinische Fachangestellte Entlastung soll Ärztemangel entgegenwirken

Medizinische Fachangestellte halten als „rechte Hand des Arztes“ eine Praxis am Laufen. Jetzt können besonders geschulte Berufsvertreter auch in der Patientenversorgung tätig werden.

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Blut abnehmen – keine leichte, aber eine spannende Aufgabe für Denise Stockfisch. Die medizinische Fachangestellte schloss im Sommer als Jahrgangsbeste ab und demonstriert die Tätigkeit an Dr. Paul Otto Nowak, dem Vorsitzenden der Bezirksärztekammer Marburg.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Stethoskop, EKG, Spritzen, Röntgen, Lungenfunktions- oder Blutdruckmessgerät. Das sind nur einige wenige technische Geräte, deren Umgang medizinische Fachangestellte (MFA) beherrschen müssen. Darüber hinaus versorgen sie täglich eine Vielzahl an Patienten, übernehmen von einfachen Funktionsuntersuchungen bis hin zu kleinen Operationen zahlreiche Aufgaben.

Die OP stellt das Berufsfeld vor, das gerade in Zeiten der Arztverknappung einen Aufschwung erfährt. Zweimal im Jahr feiern staatlich geprüfte MFA aus dem ganzen Landkreis ihre Abschlussprüfung an den Kaufmännischen Schulen Marburg. Im vergangenen August konnten 33 erfolgreiche Absolventen in ihr Arbeitsleben entlassen werden.

Berührungsängste sind fehl am Platz

Eine davon war Denise Stockfisch aus Kirchhain. Die 35-Jährige begann ihre berufliche Karriere eigentlich als Bürokauffrau, orientierte sich vor einigen Jahren spontan um und absolvierte eine Ausbildung zur MFA. Mit großem Erfolg – sie wurde Jahrgangsbeste. Grund für den Berufswechsel war der für sie zu triste Büroalltag.

„Ich wollte Abwechslung und mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten“, erzählt sie im OP-Gespräch.
Innerhalb der Fachausbildung im dualen System wechselte sie zwischen Schule, Arztpraxis sowie überbetrieblichem Praxis-Teil hin und her. „Meinen Traumberuf habe ich gefunden“, sagt sie und erzählt aus einer abwechslungsreichen Lehrzeit.

Die Ausbildung zum MFA hat zwei Schwerpunkte: Medizin und Verwaltung. Als „rechte Hand des Arztes“ assistiert ein Arzthelfer bei Behandlungen, begleitet diagnostische und therapeutische Maßnahmen und betreut Patienten. Die Fachkräfte erlernen die Handhabung der verschiedensten medizinischen Geräte, den Umgang mit Seren und Impfstoffen oder das Anlegen von Verbänden, sind für Blutentnahmen und Messungen zuständig.

Die Königsdisziplin heißt Blutentnahme

Daneben arbeiten sie am Computer, werden in Praxisverwaltung und -management sowie dem Abrechnen der ärztlichen Leistungen geschult. „Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich und praxisbezogen“, erklärt Denise Stockfisch. In der Arztpraxis habe sie anfangs mit kleinen Aufgaben „zum Reinschnuppern“ begonnen: Etwa dem Messen des Blutzuckerspiegels oder dem Erledigen von Büro- und PC-Arbeiten. Auch den Umgang mit Patienten lernen die Azubis von Beginn an kennen.

Es folgen kompliziertere Tätigkeiten und Tests wie die korrekte Blutdruckmessung sowie Labortätigkeiten. Als „große Herausforderung“ steht für Fortgeschrittene schließlich die Blutentnahme per Spritze oder die Koordination der Patienten an. „Für mich war und ist die Königsdisziplin aber immer der individuelle Umgang mit Patienten“, erklärt die 35-Jährige.

Geeignet sei die Ausbildung für flexible, kontaktfreudige Personen mit medizinischem Interesse, Einfühlungsvermögen und Freude am Umgang mit Menschen.  Berührungsangst sollte man als Arzthelfer nicht haben, der Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder offenen Wunden kommt nicht selten vor.

Fachangestellte halten die Praxis am Laufen

Teamarbeit ist obligatorisch, je nach Praxisgröße arbeiten im Durchschnitt fünf bis sechs MFA zusammen, bei größeren Praxen auch mehr, ergänzt Dr. Paul Otto Nowak, Vorsitzender der Bezirksärztekammer Marburg. Medizinische Fachangestellte halten die Praxis am Laufen, sind „Mittler zwischen Arzt und Patient“, beschreibt Nowak.

Qualifizierte MFA seien begehrt, hätten gute Stellenchancen. Wie der medizinische Bereich im Ganzen, entwickelten sich auch MFA stetig weiter – es gebe zahlreiche Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, unter anderem etwa bei der betriebsmedizinischen Assistenz, in der Ernährungsmedizin, der Kardiologie, Klinikassistenz oder Palliativversorgung. Landesweit steigt die Zahl der MFA – nur nicht in Marburg: In der Universitätsstadt sinken die Stellenzahlen. Dabei seien ausreichend Kapazitäten vorhanden, so Nowak. „Der Beruf wird nicht aussterben, im Gegenteil – durch die wachsende Arztverknappung werden MFA immer wichtiger“, betont Nowak.

Nowak: Zusätzlich Ärzte auf dem Land ansiedeln

Neuerdings gibt es die Möglichkeit der Fortbildung zum „Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis“ (Verah) sowie zum „nicht-ärztlichen Praxisassistenten“ (Näpa). Derart geschulte Fachkräfte übernehmen als mobile Arzthelfer Aufgaben in der hausärztlichen Versorgung, bei denen der direkte Arztkontakt nicht medizinisch erforderlich ist. Insbesondere „Näpas“ führen in Absprache mit dem Arzt selbstständig Hausbesuche oder Besuche in Alten- und Pflegeheimen durch, kontrollieren unter anderem Verletzungen, Blutdruck- oder Blutzuckerwerte.

Seit Januar wird der Einsatz von „Näpas“ von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gefördert. Hintergrund des seit vergangenem Jahr praktizierten Modells ist der sich verschärfende Ärztemangel, insbesondere im unterversorgten ländlichen Raum, erklärt Nowak. Mithilfe der „Näpas“ und „Verahs“ sollen die Ärzte entlastet werden und die Möglichkeit erhalten, sich stärker auf die Arbeit in den Praxen zu konzentrieren. Und nicht zuletzt soll so die Ansiedlung weiterer potenzieller Ärzte auf dem Land gefördert werden.

von Ina Tannert

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