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Eine Nummer kleiner oder größer?

Einkaufszentrum Eine Nummer kleiner oder größer?

Die Entwicklung des Gutenbergcenters nach dem bisherigen Konzept scheint nach Informationen der OP ungewisser denn je zu sein.

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Das Savignyhaus (links) neben dem Allianzhaus gehört dem Land. Wenn es an den Investor verkauft wird, wird es abgerissen. Die Stadt appelliert an die Verhandlungspartner, eine Entscheidung zu treffen, damit das Areal weiter entwickelt werden kann. Foto: Hirsch

Marburg. Hätten die Händler aus der Oberstadt vor fünf Jahren in die Zukunft blicken können, wären sie so manchen Abend ruhiger geblieben: Damals fanden unter Gewerbetreibenden teils emotional geführte Informations-Veranstaltungen und in der Stadtpolitik heftige Debatten über das Für und Wider eines neuen Einkaufszentrums statt. Dass aus dem Allianzhaus an der Ecke Gutenbergstraße/Universitätsstraße eine teure große Mall wird, die die kleinen Boutiquen in der Altstadt plattmacht, war eine der Sorgen. Fünf Jahre später sind die kritischen Stimmen leiser geworden. Der Grund: Bis heute ist alles beim Alten geblieben. Das Interesse an diesem Filetstück in der Marburger Innenstadt ist jedoch nach wie vor da, sagt Investor Joachim Tenkhoff, der aus dem Haus der Allianz ein Gutenbergcenter, ein Einkaufszentrum ähnlich wie bereits in Schwerin, errichten will. Neu ist, dass er nun auf Anfrage der OP erklärt, dafür nicht mehr unbedingt das nebenstehende Savignyhaus zu benötigen. Der Investor wollte das Savignyhaus bisher abreißen lassen und die Fläche nutzen.

Uni will Rechtssicherheit für Gebäude in 30 Jahren

Das Areal gehört dem Land und wird vom Fachbereich Rechtswissenschaften der Uni genutzt. Bisher hat das Uni-Gebäude eine wichtige Rolle in den Planungen für das Gutenbergcenter gespielt. Das Modell: Das Land verkauft das Savignyhaus an den Investor und bereitet für die Juristen einen Neubau auf dem früheren Brauereigelände, an dem künftigen Sprachatlas, im Zuge eines Public-Private-Partnership-Projekts vor.

Seit mehr als einem halben Jahr lässt die Uni nun von Gutachtern ausrechnen, was das Modell kosten könnte. „Wir sind noch an der Wirtschaftlichkeitsprüfung“, erklärt Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. „Wir benötigen Vergleichsrechnungen für verschiedene Optionen. Das ist komplex.“ Bei einem PPP-Projekt würde ein privater Bauherr, Investoren-Konsortien, das Gebäude zunächst an die Uni vermieten und dann nach 30 Jahren an das Land zum Restwert zurückverkaufen. Und für diese Zeit möchte Krause jetzt Rechtssicherheit für den Fachbereich der Juristen haben. Das macht nach OP-Informationen die Verhandlungen schwierig. Auch geht es darum, wie hoch der Kaufpreis für das Savingnyhaus bewertet wird. Dazu halten sich alle Seiten bedeckt. Ein Neubau für die Juristen wurde über 20 Millionen Euro kosten. Eine Sanierung und Erweiterung um etwa 200 Quadratmeter des Savignyhauses wäre aber auch denkbar, so Krause.

Je länger Übergangslösung dauert desto teurer

Die große Frage, der Knackpunkt, sei: Wo kommt der Fachbereich während des Umbaus oder Umzugs unter? Eine vergleichsweise kostengünstige Option wäre in der jetzigen Uni-Bibliothek. „Das wäre aber erst 2017/2018, wenn die neue Bibliothek auf dem Campus fertig ist, möglich. Und würde ein Investor so lange warten, wenn er das Savignyhaus kaufen möchte?“, so Krause. Je länger eine Interimslösung dauere desto teurer sei sie, auch das müsse in den Kalkulationen einfließen. Krause betonte, dass im Heureka-Programm des Landes in Höhe von 440 Millionen Euro bis 2019 kein Geld für einen Neubau oder die Sanierung des Juristen-Gebäudes vorgesehen sei. Angesichts solcher Schwierigkeiten stellt sich die Frage, ob das Gutenbergcenter noch realisiert werden kann oder aufgrund der formalen und wirtschaftlichen Hürden zu einem Fass ohne Boden wird.

„Nach wie vor sind bei diesem komplizierten Projekt alle Seiten damit beschäftigt, an einvernehmlichen Lösungen und einer vertraglichen Einigung zu arbeiten. Die verschiedenen Akteure, Universität, Stadt, Investor und Land, arbeiten an einer für alle Seiten vorteilhaften Lösung“, erklärt Stefan Löwer, Sprecher des hessischen Finanzministeriums. Zwischenzeitliche Probleme, die aus einer Einschränkung des Baufeldes für den Neubau am Campus Firmanei erwachsen wären, konnten gelöst werden, so Löwer weiter. „Ein wirtschaftlicher Neubau des Savignyhauses am Pilgrimstein im Rahmen eines PPP-Projekte erscheint somit weiterhin wirtschaftlich umsetzbar. Mit dem für Herbst erwarteten Inkrafttreten des Bebauungsplans wären damit die baurechtlichen Rahmenbedingungen für den Neubau geschaffen. Auch wurden die Kaufverhandlungen zum Altbau fortgeführt.“ Wie Krause erklärt auch das Ministerium: Größtes Problem stellt derzeit die für den Neubau erforderliche Interimsunterbringung dar. Aktuell werde geprüft, wie lang diese erforderlich ist - „für das Bauvorhaben selbst als auch in seiner Wechselwirkung zum parallel oder zusammen zu errichtenden Sprachatlas“.

Fassadenwettbewerb für tristes Gebäude

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) verfolgt die Pläne mit zunehmender Skepsis und drängt die Beteiligten, zu einer Entscheidung zu kommen. „Eine Entwicklung ist für die Stadt notwendig“. Die Universitätsstraße sei fast vollständig saniert worden, der neue „Garten des Gedenkens“ gegenüber des Savignyhauses habe das Stadtbild aufgewertet. Jetzt fehle nur noch die bedeutende Ecke um die Land und Investoren verhandeln. „Wenn es nicht zu einer Entscheidung kommt, dann sollten die Beteiligten auch über Alternativen nachdenken“, so Vaupel. Auf Nachfrage räumt der OB ein, dass die Stadt auch damit leben könnte, wenn Savignyhaus und das bisherige Allianzhaus in der jetzigen Größe bleiben und saniert werden. Mit einem Fassadenwettbewerb könnte das triste Gebäude verschönert werden, eine Aufstockung sei ebenfalls möglich, so Vaupel.

Die Betreiber des gegenüberliegenden Schlossbergcenters dementierten Gerüchte, wonach sie Interesse hätten, auch im Allianzhaus unternehmerisch tätig zu werden. Die MFI, Management für Immobilien, AG, werde bald neue Mietverträge für leerstehende Flächen im Schloßbergcenter abschließen, hieß es.

von Anna Ntemiris

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