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Eindringliche Plakate gegen das „Komasaufen“

Themenwoche an der ARS Eindringliche Plakate gegen das „Komasaufen“

Ob Wodka-Pistole, Alkohol-Braut oder Schnaps-Affe: Die besten Plakate eines bundesweiten Wettbewerbs gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen sind eine Woche lang an der Adolf-Reichwein-Schule zu sehen.

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Eine Schülerin der Adolf-Reichwein-Schule betrachtet die Plakate der Ausstellung.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Die Wanderausstellung der Krankenkasse DAK macht an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) anlässlich der dortigen Themenwoche gegen ­Alkoholmissbrauch Halt.

30 Siegermotive, die Jugendliche aus ganz Deutschland unter dem Motto: „Bunt statt blau“ bei der DAK eingereicht hatten, stehen bis zum Mittwoch, 18. Januar, im Foyer der Berufsschule. Das Bild der Bundessiegerin, einer Schülerin aus Niedersachsen, zeigt beispielsweise eine blaue Wodka-Pistole, die sich ein junges Mädchen an den Kopf hält. Das Plakat ist zudem mit der Aufforderung „Schieß dich nicht ab!“ versehen. Insgesamt 7000 Schüler hatten sich im Frühjahr 2016 an der Aktion beteiligt.

Alkohol, das sei eine gesellschaftlich akzeptierte Droge. Auch Erwachsene seien in dieser Hinsicht oft keine guten Vorbilder für ihre Kinder, erklärte­ Schulleiter Holger Leinweber bei seiner Rede zur Ausstellungseröffnung vor rund 100 Schülern. Leider ende „ein Partyabend allzu oft in der Klinik“. Daher wolle die Schule „schauen, was wir tun können, um dem entgegenzuwirken“.

„Statistisch werden zehn Schüler hier Alkoholiker“

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der als Schirmherr fungiert, bestätigte Leinwebers Worte. Allein in Marburg habe­ es im Jahr 2015 insgesamt 60 Fälle gegeben, in denen Jugendliche aufgrund von Alkohol in die Intensivstation gebracht worden seien. Das seien 20 Prozent mehr als im Jahr davor gewesen. „Alkohol muss ja nicht ganz verboten sein“, sagte­ er. Er sei aber „dankbar, dass ­
mit dieser Aktion vielleicht der ein oder andere zumindest mal darüber nachdenkt, was passieren kann“. Jeder denke von sich, dass er seinen Umgang mit Alkohol im Griff habe. „Aber statistisch gesehen werden 10 von den hier anwesenden Schülern zu Alkoholikern und 30 werden in ihrem Umfeld damit zu tun haben“, verdeutlichte er die ­Relevanz des Themas.

Steffen Dyroff, Suchtpräventionsbeauftragter der ARS, zielte in dieselbe Richtung. „Der einzige akzeptierte Grund, warum man auf einer Party nicht trinkt, ist, dass man fahren muss. Ansonsten wird man blöd angeguckt – das ist in unserer Gesellschaft so drin“, sagte er. Dabei seien viele Probleme auf Alkohol zurückzuführen. Jede dritte Gewalttat habe damit zu tun und etwa 20 bis 25 Prozent der Arbeitsunfälle. Und auch im Straßenverkehr spielt Alkoholmissbrauch eine unrühmliche ­Rolle, wie Polizeioberkommissar Tobias Decher hervorhob. Bei 10 von 60 tödlichen Verkehrsunfällen in Mittelhessen seien 2015 junge Menschen ­unter Alkoholeinfluss beteiligt gewesen. Um zu verdeutlichen, was dies bedeute, zeigte er ein Video mit Schock-Fotos von diesen schweren Unfällen.

„Das Thema Beratung in verschiedenen Lebenslagen hat an unserer Schule einen hohen­ Stellenwert“, erklärte Dyroff. Daher sei es an der Zeit, in der Themenwoche auch auf das Thema Alkohol aufmerksam zu machen. Die ARS hat als Mitmach-Anreiz für den nächsten „Bunt-statt-blau“-Wettbewerb auch schulintern einen Plakatwettbewerb ausgerufen. An die Wirkung einer solchen Aktion glaubt Manuel Höres von der DAK Marburg. „Ein Schock-Plakat einer Altersgenossin kann mehr sagen, als eine Informationsschrift eines Experten.“

von Peter Gassner

 
 
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