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Einbußen durch „Schildbürgerstreich“

Geschäfte trotz Sperrung erreichbar Einbußen durch „Schildbürgerstreich“

Obwohl die Bauarbeiten in Niederweimar kaum begonnen haben, klagen die Geschäftsleute bereits über Umsatzeinbußen – aufgrund einer miss­verständlichen Beschilderung.

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Dirk Holzapfel (von links), Rita Radtki, Gerhard Kempf, Caroline Drescher und René Törner vom Gewerbeverein Weimar bemängeln die Baustellenbeschilderung (rechts) – es werde der Eindruck erweckt, Niederweimar sei nicht erreichbar.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederweimar. Die Botschaft auf den Schildern, die bereits in Marburg auf die Erneuerung der Straßendecke in Niederweimar hinweist, schreckt ab: Die Ortsdurchfahrt sei vom 6. Juni bis zum Dezember gesperrt.

Es gibt keinen Zusatz, dass die Sperrung immer nur halbseitig sein wird oder dass die Geschäfte erreichbar sind. Und wenn man das Schild ernst nimmt, dürften auch Anlieger nicht in ihr Dorf fahren. Denn das Schild trägt einfach nur einen roten Kreis – und der bedeutet „Durchfahrt verboten“. Der Zusatz „Anlieger frei“ fehlt.

Für die Niederweimarer Geschäftsleute ist dies „ein Unding“, wie sie im Gespräch mit der OP erläutern. „Die Schilder vermitteln den Eindruck, dass Niederweimar von der Außenwelt abgeschnitten ist“, sagt beispielsweise Rita Radtki, Inhaberin des Geschenkeladens „Dies & Das“.

„Ich habe in der vergangenen Woche mit meinem Räumungsverkauf begonnen, aber es kamen keine Kunden. Ich dachte schon, ich hätte die Leute vergrault“, sagt sie. Erst, als Kunden angerufen hätten, habe sie ihnen erklären können, dass Niederweimar ganz normal erreichbar sei, „das hat sich rumgesprochen, nun läuft es wieder etwas besser“.

Geschäftsleute fordern Zusatz auf den Schildern

Auch Dirk Holzapfel, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei, beklagt, dass sich die Baustelle – obwohl sie noch gar nicht so recht im Gang ist – zu Umsatzeinbußen führt. „Vor allem im Frühstücksgeschäft merken wir das ganz extrem“, sagt er. Die Metzgerei Riechel meldet seit dem Aufstellen der Beschilderung zwischen 60 und 80 Kunden je Tag weniger.

Gerhard Kempf, Inhaber des Edeka-Markts, fasst zusammen: „Ohne, dass an der Straße bis jetzt großartig etwas passiert ist, haben wir empfindliche Umsatzeinbrüche – die liegen nicht nur in der Sache selbst, sondern darin, dass einfach fahrlässig beschildert wurde.“ In seinem Markt sei der Umsatz um rund 20 Prozent zurückgegangen.

Die Forderung der Gewerbetreibenden ist klar: Die Schilder müssten einen Zusatz bekommen, dass die Zufahrt zu den Geschäften möglich sei. „Im Moment ist es so, dass die Leute sehen: Durchfahrt verboten – also drehen sie um“, erläutert Rita Radtki.

Die Geschäftsleute sind sich einig: Es sei „eine Frechheit, einfach am grünen Tisch eine Beschilderung zu planen, ohne sich Gedanken über die Auswirkung zu machen. Das ist doch ein Schildbürgerstreich.“ Einig sind sie sich auch, dass die Sanierung der Straße absolut positiv ist – auch, wenn es immer noch Diskussionen um Details wie den geplanten Kreisverkehr oder eine mögliche Fahrbahnverengung gibt. „Keiner hat etwas gegen die Baustelle, aber diese Beschilderung, die einfach durchgewunken wird – die ist ein Unding“, erläutert Christof Drescher, Inhaber von „Welt der Decken“.

Auch eine Verkehrsberuhigung nach der Sanierung befürworten die Gewerbetreibenden, beispielsweise als Tempo-30-Zone. Einem verkehrsberuhigten Bereich erteilten sie jedoch eine klare Absage: „Die Geschäfte müssen auch in Zukunft mit dem Auto erreichbar bleiben, der Verkehr muss weiter durch die Herborner Straße fließen dürfen.“

Denn Niederweimar sei auch aufgrund seiner sehr guten Infrastruktur so begehrt. Seien die Geschäfte aber nicht mehr anzufahren und müssten daher Geschäfte schließen, würde diese Infrastruktur wegbrechen – das könne auch nicht im Sinne der Bewohner sein.

Bürgermeister Peter Eidam versicherte, er werde alles tun, „um Ergänzungen zu der Beschilderung in Absprache mit den Gewerbetreibenden zu veranlassen“. Und den Geschäftsleuten erläuterte er, dass es bei der Ausgestaltung der erneuerten Straße durchaus noch Gestaltungsspielraum gebe. Dazu werde er weiter das Gespräch mit allen Beteiligten suchen.

von Andreas Schmidt

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