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„Ein schwerer Schock für Marburg“

Stellenabbau bei GSK „Ein schwerer Schock für Marburg“

Der Schock sitzt tief – 
und das nicht nur bei den Mitarbeitern von Glaxo­SmithKline Vaccines, die 
erfahren haben, dass der Konzern rund 270 Stellen abbauen will.

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Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) baut am Standort Marburg jede fünfte Vollzeitstelle ab. Davon betroffen ist vor allem die Produktion.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Für die Mitarbeiter von GlaxoSmithKline Vaccines (GSK) auf dem Mars-Campus bei Michelbach muss es wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein: Noch in der vergangenen Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der symbolische Spatenstich des neuen Restaurants erfolgt sei und man am Standort rund 2,3 Millionen Euro investiere ( die OP berichtete).

Doch Mittwoch wurde die Freude über die neuen Investitionen ins Gegenteil gewandelt: Bei einer Betriebsversammlung wurden die GSK-Mitarbeiter darüber informiert, dass bis 2017 rund 270 Stellen wegfallen sollen. „Da weiß man doch gar nicht mehr, wo man dran ist – ich komme mir, gelinde gesagt, verschaukelt vor“, so eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Sie berichtet im Gespräch mit der OP, dass die Stimmung auf dem Campus „sehr gedrückt sei – die Kollegen sind verunsichert und fragen sich auch, wofür denn am Standort noch investiert wird, wenn fast ein Fünftel der Belegschaft entlassen werden soll“. Man warte jetzt auf neue Informationen. „Und das so kurz vor Weihnachten – menschlich ist das nicht“, sagt die Frau – die ebenfalls verunsichert ist, weil sie nicht weiß, ob auch ihr gekündigt werden wird.

Dr. Thomas Spies will 
mit Beteiligten sprechen

Am dritten Tag seiner Amtszeit hätte sich Marburgs neuer Oberbürgermeister eine andere Nachrichtenlage gewünscht „Das ist natürlich eine ganz bittere Pille für all diejenigen, die es betreffen wird“, sagte Dr. Thomas Spies (SPD) am Donnerstag auf Anfrage der OP.

„Das ist ein schwerer Schock für Marburg“, so Spies, der in den kommenden Tagen das Gespräch mit Geschäftsführung und Betriebsrat suchen will. Dabei solle es auch darum gehen, in welcher Form die Stadt Marburg den Gekündigten dabei helfen kann, „an anderer Stelle unterzukommen“.

Details darüber, wie diese Hilfe aussehen könnte, nannte Spies nicht: „Ich habe da schon konkrete Vorstellungen, möchte aber erst einmal mit den Beteiligten sprechen“, verdeutlichte er. Generell wertet Spies den Stellenabbau bei GSK jedoch nicht als Entscheidung gegen den Pharmastandort Marburg: „Da mache ich mir keine Sorgen. Wer in solch große Immobilien investiert hat nicht vor, den Standort zu verlassen.“

Dabei liegt der Fokus von GSK vor allem auf dem „Mars-Campus“ am Rande Michelbachs. Dieses Gelände, auch Görzhausen 2 genannt, soll auch weiterhin gestärkt werden. Der Konzern teilte mit, dort weitere Investitionen zu prüfen.

Damit verbunden ist aber auch eine Abkehr vom ursprünglichen Hauptwerk in Marbach. Auch für diesen Standort gäbe es schon Überlegungen, teilte Spies auf Nachfrage mit, wobei man aber zuerst mit den 
Unternehmen sprechen müsse, denen die Grundstücke 
gehören.

von Dennis Siepmann 
und Andreas Schmidt

 
Hintergrund
Der britische Konzern GSK hatte den Impfstoffbereich des Schweizer Pharmariesen No­vartis in diesem Frühjahr übernommen – mit Ausnahme des Geschäfts mit Grippe-Impfstoff. Weltweit streicht GSK im Zuge der Integration des Impfstoffgeschäfts 1500 Stellen.
 
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