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Ein dubioser, teurer „Premiumeintrag“

Branchenbuch-Angebote Ein dubioser, teurer „Premiumeintrag“

Das Kleingedruckte ist so klein, dass man es fast nur mit der Lupe lesen kann: Absender aus Osteuropa bieten Unternehmern die Veröffentlichung der Firmenanschrift an - der oft unseriöse Service kostet mehr als tausend Euro.

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Eine exemplarische Kopie eines Briefes, der derzeit massenhaft an Unternehmen verschickt wird.

Marburg. Das Angebot für einen Eintrag ins Branchenbuch wirkt auf den ersten Blick seriös: „Bitte prüfen Sie diesen Vorschlag auf seine inhaltliche Richtigkeit. Der kostenlose Standardeintrag ist nur auf die im Korrekturfeld eingetragenen Kontaktdaten begrenzt. Der kostenpflichtige Premiumeintrag muss schriftlich beauftragt werden“. Im Kleingedruckten steht dann mehr: Der Premiumeintrag kostet 960 Euro, plus Mehrwertsteuer. Mit der Unterschrift verpflichtet sich der Besteller zu einer Laufzeit von drei Jahren, und wer diesen Vertrag nicht drei Monate vorher kündigt, verlängert ihn dann um weitere Jahre.

Das beworbene Branchenbuch hat nichts mit den Gelben Seiten oder dem Telefonbuch der Telekom zu tun, steht ebenfalls im Kleingedruckten. Spätestens nach diesen Sätzen werfen viele Empfänger solche Schreiben in den Papierkorb, sagt eine Beamtin der Marburger Kriminalpolizei. Doch lieber wäre es ihr, wenn unseriös erscheinende Infopost oder Schreiben der Polizei gemeldet werden. Immer wieder gäbe es „Schübe“ von dubiosen Gewerbeauskunfts-Schreiben oder Branchenbucheinträgen.

Rechnungsähnliche Angebote oder Betrug?

Derzeit sei wieder Hochkonjunktur, auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf erhielten Unternehmen solche Angebote. Polizei und Staatsanwaltschaft sind allerdings noch kein aktueller Fall bekannt, bei dem ein Gewerbetreibender betrogen wurde. Ob es sich um „rechnungsähnliche Angebote“ oder Betrugsversuch handelt, müsste letztendlich ermittelt werden, so die Polizei. Entsprechende Vorgespräche mit der Staatsanwaltschaft hätten bereits stattgefunden.

Laut Polizei sind derzeit verschiedene Info-Sendungen im Landkreis verteilt worden. In einem Fall kann man fast nur mit der Lupe erkennen, wer der Absender ist: Ein Unternehmen mit Sitz in Osteuropa. Ebenfalls seltsam: Auf dem Anschreiben steht sogar, dass es sich um einen Eintragsvorschlag für den „Premiumeintrag der Stadt“ handelt.

Daten sind im Internet längst kostenfrei

Man könne nur mutmaßen, was mit den 960 Euro passiert, die man als Unternehmer im „Voraus“ zahlen soll, so die Polizei. Die Daten, die für den angeblichen Branchenbucheintrag veröffentlicht werden sollen, sind im Internet längst bekannt: Unternehmensanschrift und Faxnummer.

Der „Premiumeintrag“ für 960 Euro umfasst noch die Homepage und die Mobilnummer. Dennoch, so die Expertin der Polizei, gibt es immer wieder deutschlandweit mittelständische Betriebe, die dieses Geld investieren würden.

Daher arbeitet die Polizei in Marburg mit anderen Dienststellen in Deutschland bei der Aufklärung zusammen, um den dubiosen Briefkastenfirmen auf die Spur zu kommen.

  • Hinweise zu dubiosen Informationsschreiben an die Polizei in Marburg, Telefonnummer 06421/4060.
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