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Ein Urgestein der Gewerkschaft

Ehrung Ein Urgestein der Gewerkschaft

Mit 13 Jahren begann Herbert Leiß als ungelernte Kraft bei den Behringwerken. Mittlerweile ist er längst pensioniert, doch „seiner“ Gewerkschaft, der IGBCE, hält er immer noch die Treue.

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Der 86-jährige Herbert Leiß (links) ist seit 70 Jahren Mitglied der IGBCE – Gewerkschaftssekretärin Astrid Rasner und Heinrich Ruprecht, Vorsitzender der Ortsgruppe, gratulierten.

Quelle: Beatrix Achinger

Marburg. Für den Marburger Herbert Leiß steht in diesem Monat ein besonderes Jubiläum an: Seit 70 Jahren ist er Mitglied in der Gewerkschaft, heute die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Zu diesem Anlass bekam der 86-Jährige Besuch von Astrid Rasner, Gewerkschaftssekretärin des IGBCE-Bezirks, Heinrich Ruprecht, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe Marburg, und dem Kassierer Dieter Merte.

Leiß: „Wir waren eine tolle Jugendgruppe“

Zur Ehrung von sieben Jahrzehnten Einsatz für die ­Interessen der Arbeitnehmerschaft überreichten sie ­neben einer Urkunde und einem ­Anstecker unter anderem ­eine Golduhr mit Widmung und ­einen Präsentkorb.

Gemeinsam blickten sie auf das Gewerkschaftsleben und ­einen bewegten Lebenslauf ­zurück. Mit 13 Jahren ­begann Herbert Leiß ohne Ausbildung seinen Werdegang bei den ­Behringwerken. Dort ­durchlief er zunächst ­verschiedene ­Labore, bis er im Lauf der ­Jahre in der Gefriertrocknung ­eingesetzt wurde, eine Tätigkeit, die Leiß besonders gerne ausübte.

Mit 16 Jahren trat Leiß in die frühere Industriegewerkschaft Chemie ein. „Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass Jugendliche in der Gewerkschaft waren“, erinnert sich Herbert Leiß und resümiert: „Es waren schlechte Zeiten, aber auch gute.“ Einen Grund dafür erklärt er mit einem Strahlen: „Wir waren eine tolle Jugendgruppe.“ Damaliger Jugendsekretär war Heinz Schneider. Gerne denkt Leiß zurück an die Treffen nach Feierabend, die sie mit Billard- und Tischtennispartien und dem Lesen von Zukunftsromanen verbracht hatten. Auch gemeinsame Ausflüge mit Jugendlichen aus ganz Hessen blieben in guter Erinnerung.

„Irgendwann wurden die ­Leute älter und gingen auseinander, dann ging es im ­Betrieb weiter.“ Herbert Leiß war gewerkschaftlicher Vertrauensmann im Betrieb und arbeitete bis zu ­seinem Renteneintritt mit 60 Jahren eng mit dem Betriebsrat zusammen. Ein Hauptanliegen der Gewerkschaft sei Lohnpolitik gewesen.

Durch den Anschluss der Behringwerke an die Hoechst AG im Jahr 1952 erfuhr das Gewerkschaftsleben von Herbert Leiß große Veränderungen. Bis dahin hätten die Marburger Angestellten der Behringwerke zur niedrigsten Gehaltsklasse gehört. Durch die Hoechst AG stiegen sie dann in die höchste Klasse auf.

Zum ersten Mal stand Herbert Leiß vor der Wahl eines Aufsichtsrats. Auch die Gruppe vergrößerte sich, die Treffen wurden ins Gewerkschaftshaus nach Frankfurt verlegt. Herbert Leiß erinnert sich dabei besonders an eine Begegnung mit dem früheren hessischen ­Sozialminister Horst Schmidt. Heute nimmt er gerne noch an Treffen der Gewerkschaftsmitglieder teil. „Ich hätte nie ­gedacht, dass ich 70 Jahre lang in der Gewerkschaft bleibe“, sagt Herbert Leiß.

von Beatrix Achinger

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