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Ein Minister im Reich der Leichtleuchte

Seidel-Tochter Carus Ein Minister im Reich der Leichtleuchte

Für Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ist die LED-Leuchtenproduktion der Seidel-Tochter Carus in Fronhausen ein echtes „Referenzprojekt“.

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Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (rechts) beim Besuch der Firma Seidel/Carus in Fronhausen. Links Firmeninhaber Dr. Andreas Ritzenhoff.

Quelle: Thorsten Richter

Fronhausen. Der effiziente Umgang mit Energie und Resourcen – ein klassisches Themenfeld grüner Umweltpolitik. Am Ortsrand von Fronhausen sieht Tarek Al-Wazir dieses Ziel umgesetzt: „Hier sind alle Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, sagte der Hessen-Minister am Mittwoch beim Rundgang mit Firmeninhaber Dr. Andreas Ritzenhoff durch die Produktionshallen, in denen jährlich 20 Millionen LED-Leuchten hergestellt werden.

Ritzenhoff schilderte dem Gast aus Wiesbaden den Prozess von der Produktidee bis zur Aufnahme der Produktion – mehr als 100 am Markt befindliche Konkurrenzprodukte sägten die Carus-Ingenieure auseinander, es wurde gewogen, geprüft, verglichen.

Resultat: Alle LED-Leuchten waren aus chinesischer Produktion, nirgendwo war – so Ritzenhoff – ein „systematisches Konzept“ erkennbar, die Leuchten waren schwer, enthielten jede Menge gefährliche Substanzen und stammten offenbar nicht aus automatischer Produktion. Faktoren also, die es zu verbessern galt, sollte die Fronhäuser Carus-Leuchte in jeder Hinsicht besser und konkurrenzfähig sein.

Tarek Al-Wazir (links) beim Besuch der Firma Seidel/Carus in Fronhausen, hier mit Dr. Andreas Ritzenhoff (rechts) und Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle.

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Dass Deutschland kein Niedriglohnland ist, weiß auch Tarek Al-Wazir: „Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen bei vergleichsweise hohen Löhnen, müssen wir eben besser und kreativer sein.“ Besser bedeutet im Fall der Leuchtmittel aus Marburg-Biedenkopf unter anderem, dass bei Carus der Materialaufwand um 60 Prozent im Vergleich zu Konkurrenzprodukten gesenkt wurde, auch das Gewicht jeder einzelnen Leuchte sank um 60 Prozent.

Und die Lebensdauer der „Leichtleuchten“? „Wir streben an, dass unsere Produkte 25 Jahre halten“, so Ritzenhoff, der angesichts einer solchen Haltbarkeit sogar die Vision hat, gebrauchte Leuchten in Länder zu exportieren, wo sich „die Menschen momentan das Produkt nicht leisten können“. Gebe die Leuchte dann doch irgendwann einmal ihren Geist auf, könne sie, so der Seidel-Chef, Teil für Teil dem Recycling zugeführt werden.

Weil ein Wirtschaftsminister immer ein Auge auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat, fragte Tarek Al-Wazir seinen Gastgeber beim Werksbesuch nach dem Markt für LED-Leuchten. Ritzenhoff schätzt, dass es weltweit rund 20 Milliarden Lampenfassungen gibt: „Da können Sie erst einmal eine ganze Weile liefern.“ Gigantisch sei der Markt, rasant die Entwicklung, allein der Großkunde Ikea verkaufe Woche für Woche eine Million Leuchten.

Alle Signale also auf Vollschichtbetrieb. „Ich halte es für eine Mär, dass man in Deutschland keine Massenproduktion kann“, sagte Ritzenhoff, „man muss sein Produkte eben automatisierungsfähig machen.“ Knapp neun Millionen Euro hat die Fronhäuser Anlage gekostet, Fördergeld gab‘s vom Bund und vom Land. Dass die Leuchtenproduktion zu einem Referenzbetrieb in der Branche geworden ist, zeigt sich für Ritzenhoff darin, dass sich von Asien bis ins Silicon Valley das Carus-Projekt herumspricht: „Wir haben jetzt quasi als Firmen-DNA die Kombination aus Mechanik und Elektronik.“

von Carsten Beckmann

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