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Ein „Lottogewinn“ für Schornsteinfeger

Wechsel an Kehrbezirksspitze Ein „Lottogewinn“ für Schornsteinfeger

Dass der allgemein als Glücksbringer bekannte Schornsteinfeger auch ­selber Glück haben kann, ist in Wetter zu sehen.

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Für Christoph Strube bringt das Jahr 2017 persönlich eine große berufliche Veränderung: Er hat den Kehrbezirk seines Vaters übernommen und tritt in dessen Fußstapfen.

Quelle: Thorsten Richter

Wetter. Die Schornsteinfegermeister Walter und Christoph Strube haben viel gemeinsam. Sie sind Vater und Sohn und üben den gleichen Beruf aus. Der Junior konnte jüngst auch den Schornsteinfegerbezirk vom Vater „erben“ – ein echter Glücksfall in der Branche. Denn tatsächlich wird ein Kehrbezirk nicht vererbt oder einfach so an den erstbesten Bewerber weitergegeben.

Ein Kehrbezirk wird seit 2010 alle sieben Jahre EU-weit neu ausgeschrieben. Nur der Bewerber mit den höchsten fachlichen Voraussetzungen erhält den Zuschlag. Demnach sei es schon eine seltene Fügung des Schicksals gewesen, dass Christoph Strube den Wunschbezirk „MR 17“ auch erhielt und in die Fußstapfen des Vaters treten konnte, berichten beide.

Einblick in viele 
private Räume

Beworben hatte sich Christoph Strube sicherheitshalber kurz bevor Walter Strube in Pension ging. Dennoch: „Es war ein großer Zufall und eine Riesenüberraschung“, freut sich der neue Platzhirsch nach wochenlangem Bangen, wohin es ihn denn verschlagen wird. Denn den Bezirk aussuchen darf er sich auch nicht, „an der Entscheidung hängt die ganze berufliche Zukunft und der Wohnort“, erklärt er.

Nach diesem „Lottogewinn“, wie er selber sagt, kann er im Ortsteil Oberrosphe wohnen bleiben, das in seinem Kehrbezirk liegt. „Ich wollte gerne hier bleiben, bei den Leuten, die man kennt und die einem vertrauen.“ Nicht nur Vater und Sohn, auch die Kunden in den rund 2500 Haushalten im Bezirk dürften sich darüber freuen.

„Man hat einfach ein großes Vertrauensverhältnis aufgebaut – das ist es auch, was der Beruf für mich ausmacht“, sagt Christoph Strube. Arbeitet man als Schornsteinfeger doch regelmäßig im ganz privaten Bereich der Hausbewohner, „geht in Räume, wo andere nicht hinkommen“, weiß auch der Vater Walter Strube.

Der 66-Jährige wurde vor kurzem vom Landkreis in allen Ehren, gemeinsam mit zwei Kollegen, in den Ruhestand verabschiedet ( die OP berichtete). Er arbeitete 50 Jahre lang in seinem Beruf, lernte noch in Homberg/Efze und war lange Zeit in Borken tätig, erst als Geselle, seit 1974 als Meister seines Fachs.

Beruf hat sich weiterentwickelt

Dann bewarb er sich um einen Kehrbezirk, damals wurden die Reviere noch nach dem alten System an den Erstplatzierten auf einer äußerst langen Bewerberliste vergeben. „Man hatte damals keinen Einfluss darauf, am Anfang standen bestimmt 80 Mitbewerber vor mir auf der Liste.“ Entsprechend viele Jahre musste Strube auf die ersehnte Ernennung warten, „man sitzt das einfach aus“.

Erst im Jahr 1987 erhielt er den Kehrbezirk „Nr L 9“ mit Dienstsitz in Wetter, heute „MR 17“. Zehn Jahre war er zudem stellvertretender Kreismeister, übernahm schließlich für fünf Jahre die Führung der heimischen Kreisgruppe der Bezirksschornsteinfeger und lehrte an der Berufsschule für Schornsteinfeger in Bebra.

Strube Senior hat den Wandel in seinem Beruf miterlebt, der sich in der Vergangenheit stark weiterentwickelte: Reines Kaminkehren war gestern, heute sind die Männer in Schwarz verstärkt Dienstleister, Energieberater und Experten beim Thema Energieverbrauch von Heizungsanlagen. Wird ein neuer Ofen gebaut, ein Energiepass für das Eigenheim benötigt oder die Heizanlage erweitert – stets ist der Schornsteinfeger wichtiger Ansprechpartner. Auch Strube Junior ist gleichzeitig Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater. „Das gehört heute mit dazu, man muss sich technisch immer up to date halten.“

In sieben Jahren erneute 
Bewerbung nötig

Für den Großteil der Kernstadt Wetter und mehrerer Stadtteile samt dem Marburger Stadtteil Michelbach hat Christoph Strube nun die Oberhoheit. Als neuer Bezirksschornsteinfeger übernimmt er gesetzlich vorgeschriebene, sicherheitsrelevante Pflichten wie die Feuerstättenschau oder Bauabnahmen neuer Öfen, auch hoheitliche Tätigkeiten genannt. Für weitere Aufgaben in diesem Beruf, wie Reinigung und Überprüfung der Heizanlagen, können Hausbesitzer seit drei Jahren selber entscheiden, welchen Schornsteinfeger sie beauftragen.

Erste positive Reaktionen seiner Kunden hat er bereits erhalten. Diese müssen sich nicht nur keinen neuen Namen merken – der Familienname ist ja geblieben – sondern die Bewohner kennen den Sohn bereits, arbeitete Strube Junior doch 22 Jahre beim Vater, bis er sich vor einem Jahr selbstständig machte. Doch wie viele Schornsteinfeger träumte er immer vom Jackpot der Branche, vom eigenen Bezirk.

Er hatte Glück, führt die Arbeit seines Vaters im gewohnten Revier weiter, zur Freude der Familie und seiner Kunden. Auf der beruflich sicheren Seite ist er dabei auf Dauer nicht, in sieben Jahren muss er sich erneut für seinen Traum-Bezirk bewerben und wieder hoffen, in der Kehrbezirks-Lotterie zu gewinnen.

von Ina Tannert

Vom Vater an den Sohn: Christoph Strube (links) erhielt den Kehrbezirk seines Vaters Walter Strube, der dem Sohn symbolisch den traditionellen Kehrbesen überreichte. Foto: Ina Tannert
 
 
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