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Ein Händler, der nicht im Laden warten will

25 Jahre „Wein & Käse“ Ein Händler, der nicht im Laden warten will

Wäre er vor zirka zehn Jahren nicht mit seinem Laden von Weidenhausen aus in die Stadtmitte gezogen, wäre er heute insolvent, sagt Robert Sabo.

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Internationale Spezialitäten und Haushaltswaren – „für die gute Lebensqualität“ – verkauft Robert Sabo seit mehr als 25 Jahren.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Zucker, Mehl, Salz: Das hat Robert Sabo unter anderem vor 25 Jahren verkauft. Heute gehen Balsamico, Pesto oder Cremand über den Ladentisch. „Wein & Käse“ heißt der Laden für internationale Spezialitäten in der Untergasse, der seine Anfänge in Weidenhausen hatte.

Damals übernahm der heutige Comicladen-Inhaber Fiddy Bode den kleinen Edeka-Lebensmittelmarkt in Weidenhausen, nachdem die Besitzer zunächst keinen Nachfolger fanden. Er und der gelernte Einzelhandelskaufmann Robert Sabo hatten sich als Ziel gesetzt, das Geschäft mit einer Innovation fortzuführen – neben den bisherigen Artikeln sollten Wein und Käse einen Schwerpunkt bilden.

„Die Idee war klasse, aber nicht für Marburg“

Aus seiner Anstellung als stellvertretender Lebensmittelmarktleiter beim früheren „Horten“ hatte Sabo Erfahrungen und Netzwerke in der Branche. Das Geschäft lief gut. Er stand samstags rund um die Uhr hinter der Käsetheke, Bode als „Patriarch“ an der Kasse, scherzt Robert Sabo. „Wir waren die Versorger für Weidenhausen“, blickt er stolz zurück.

Das Duo verkaufte immer mehr Produkte, stellte Mitarbeiter ein, bildete erfolgreich junge Menschen aus – auch solche, die andernorts vielleicht keine Lehrstelle bekommen hätten, und baute alle sechs Monate eine Innovation ins Ladenkonzept ein. Es war die Zeit, in der das Wohngebiet am Northampton-Park gebaut wurde, es noch kein Marktdreieck gab und der Online-Handel noch unbekannt war. Mitte der 90er eröffneten die beiden Geschäftspartner „Wild und Geflügel“, eine Kleinmarkthalle. „Die Idee war klasse, aber nicht für Marburg“, so Sabo.

Auch der Laden „Vino formaggio“ in der Barfüßerstraße war für kurze Zeit ein weiteres Geschäft, das quasi eine Filiale von „Wein und Käse“ war. „Damals machte die Lebensmittelkette Hawege in Marburg auf und wir wollten ein zweites Standbein in der Stadt haben“, erklärt Sabo. Er beobachtete den großen Mitbewerber, verkaufte Balsamico, den Hawege „damals nicht hatte“. Seine internationalen Produkte für den Alltag mundeten den Marburgern, es gab Lauf- und Stammkundschaft. „Was heute banal klingt, war damals schick: Nudeln und Pesto.“

Doch dann änderte sich die Marktlage rasant. Weitere Lebensmittelketten öffneten, kleine Geschäfte im „Dorf“ Weidenhausen schlossen, die Laufkundschaft fehlte. 2006 zog ­Sabo um – Bode war einige Jahre zuvor als Geschäftspartner ausgestiegen, gute Freunde sind sie bis heute. „Wäre ich in Weidenhausen geblieben, wäre ich insolvent“, sagt Sabo.

„Man muss raus zu den Menschen“

Die Stadtentwicklung hat auch seine Firmengeschichte beeinflusst. „Alle bedauern, dass kleine Läden schließen. Aber dennoch fahren viele auf die grüne Wiese zum Einkaufen“, so Bode. „Du musst dir als Händler ständig etwas Neues überlegen“, sagt Sabo. Mit „Wein direkt“ in der Ketzerbach hat er auch einen Handel, der die Gastronomie beliefert.

„Es bringt nichts, im Geschäft zu sitzen und zu warten, dass die Kunden kommen. Man muss raus zu den Menschen“, sagt Sabo. Verkostungen auf Veranstaltungen, Weinproben und Weinreisen zu Winzern gehören für ihn daher zu seinem Geschäft. Ein Job, der auch mal eine Sieben-Tage-Woche erfordert. Der aktive Gewerkschafter kennt die Sorgen des Unternehmers.

„Fiddy Bode und ich kommen aus der Gewerkschaftsarbeit und wollten uns daher als Geschäftsinhaber auch immer für die anderen Einzelhändler einsetzen“, so Sabo. Die ehrenamtlichen Posten im Vorstand des Werbekreises Oberstadt teilen sie sich: Bode ist der Vorsitzende, Sabo sein Stellvertreter.

600-Euro-Spende für Pro Asyl

Trotz aller Netzwerke: Im Internet macht der Marburger keine Geschäfte. Nur einem regionalen Online-Handel würde er sich anschließen, sagt der 63-jährige Vater von vier Kindern.

Anlässlich des Jubiläums hatte Sabo eine Feier ausgerichtet und statt um Geschenke um Spenden gebeten. 600 Euro kamen zusammen, die er Pro Asyl spenden werde, so Sabo.

von Anna Ntemiris

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